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Der chinesische Elektrofahrzeughersteller Xpeng hat seine neue Fertigungsanlage für den humanoiden Roboter Iron in Betrieb genommen. Das erste gefertigte Exemplar verließ die Produktionslinie autonom auf eigenen Beinen. Damit schließt das Unternehmen einen achtjährigen Entwicklungszyklus ab und geht zur Serienfertigung über.
Fertigungsanlage nach Automotive-Maßstäben
Die neu errichtete Anlage ist nach Unternehmensangaben zu mehr als 80 Prozent in ihren Kernprozessen automatisiert. Xpeng hat dabei Qualitäts- und Produktionssysteme aus der eigenen Elektrofahrzeugfertigung direkt übertragen: bewährte Prozessstandards aus der Skalenproduktion, angewendet auf eine neue Produktkategorie.
Die Fertigungslinien wurden neu konzipiert und sind so ausgelegt, dass die Kapazitäten ohne grundlegende Umbauten skaliert werden können. Das Unternehmen entwickelte über acht Generationen von vier- und zweibeinigen Robotern, bevor Iron zur Serienreife gebracht wurde.
Technische Kennzahlen des Iron
76 Freiheitsgrade und hochdichte Aktorik
Der Iron basiert auf einer geschlossenen, flexiblen Gitterstruktur. Das Gelenksystem hat insgesamt 76 Freiheitsgrade, kurz DOF (Degrees of Freedom). Allein 21 DOF entfallen auf jede Hand. Das erlaubt differenzierte Greif- und Montagebewegungen, die für industrielle Handhabungsaufgaben relevant sind.
2.250 TOPS Rechenleistung direkt an Bord
Die Steuerungsarchitektur setzt auf lokale Verarbeitung. Drei Turing-KI-Chips liefern zusammen 2.250 TOPS. TOPS steht für Tera Operations per Second und bezeichnet die Rechenleistung eines KI-Prozessors. Diese Kapazität reicht aus, um das hauseigene Grundlagenmodell für physische KI vollständig auf dem Roboter auszuführen, ohne Anbindung an externe Rechenzentren. Das bedeutet geringe Signallatenzen und keinen Datentransfer nach außen während des Betriebs.
Finanzierung und Bewertung
Die Robotik-Sparte von Xpeng hat zuletzt eine Finanzierungsrunde über mehr als 900 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Die Bewertung der Sparte liegt damit bei über 6,3 Milliarden US-Dollar.
Rollout: intern zuerst, extern ab 2027
Die Massenproduktion soll bis Ende 2026 anlaufen. In einer ersten Phase setzt Xpeng den Iron intern ein: in eigenen Verkaufszentren und auf Werksgeländen für Aufgaben wie Patrouillengänge und Logistikunterstützung. Dieser Feldeinsatz sammelt zugleich Daten für das weitere Training der KI-Modelle. Die externe Markteinführung, einschließlich internationaler Märkte, ist für 2027 geplant.
Einordnung für den Mittelstand
Für Produktionsleiter und Einkäufer im deutschen Mittelstand ist der Stand bei Xpeng ein Indikator. Humanoide Roboter mit dieser Spezifikationsdichte sind noch kein Standardprodukt, aber auch keine Labormuster mehr. Fraunhofer IOSB-INA betreibt in Lemgo bereits ein Testzentrum, in dem Unternehmen humanoide Roboter in eigenen Anwendungsfällen erproben können.
Der Wettbewerbsdruck kommt aus Asien. Xpeng ist nicht der einzige Anbieter, der auf Skalierung setzt. Für europäische Unternehmen, die eigene Robotikstrategien planen, bleiben Fragen nach Lieferfähigkeit, Serviceinfrastruktur und Datensouveränität offen. Die Inbetriebnahme einer Fertigungslinie in China beantwortet sie nicht.
Fazit
Xpeng hat mit der Inbetriebnahme der Iron-Fertigungslinie den Schritt vom Prototyp zur automatisierten Serienproduktion vollzogen. Die technischen Parameter sind für eine erste Generation bemerkenswert. Ob das Unternehmen die angekündigten Kapazitäten bis Ende 2026 tatsächlich erreicht, wird sich an Lieferzahlen und Einsatznachweisen zeigen. Der Markt für humanoide Roboter verlässt die Ankündigungsphase.




















