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Neue Methoden aus der Verfahrenstechnik, ob Prozessmodellierung, Stoffdatenabschätzung oder mathematische Optimierung, bleiben häufig im akademischen Stadium stecken. Der Weg in den Industriebetrieb misslingt. Die DECHEMA/VDI-Fachgruppe „Modellgestützte Prozessentwicklung und -optimierung“ (MPO) hat dazu eine Praxishilfe erarbeitet. Sie ist seit September 2026 kostenfrei abrufbar.

Das bekannte Problem: Valley of Death

Politische Debatten über Innovationsfinanzierung kreisen regelmäßig um das sogenannte Valley of Death. Gemeint ist die Finanzierungslücke zwischen Laborergebnis und industriellem Scale-up. Wer zahlt den Übergang? Wer trägt das Investitionsrisiko?

Diese Fragen sind berechtigt. Doch sie erklären nur einen Teil der Transferverluste. Die DECHEMA-Analyse zeigt: Auch kleine, bilateral finanzierte Projekte zwischen Hochschulen und Industriepartnern scheitern. Und zwar nicht am Geld allein.

Wo der Transfer konkret stockt

Der Kern des Problems ist strukturell. Akademische Partner messen Erfolg an wissenschaftlicher Originalität und Publikationen. Industriepartner brauchen wartbare Lösungen für den Dauerbetrieb. Diese Ziele laufen auseinander.

Dazu kommen unterschiedliche Zeithorizonte. Ein Forschungsprojekt endet mit dem Abschlussbericht. Ein Betrieb braucht eine Methode, die auch in drei Jahren noch funktioniert, wenn der ursprüngliche Entwickler längst anderswo arbeitet.

Die MPO-Fachgruppe benennt weitere konkrete Schwachstellen. Anwender im Betrieb akzeptieren neue Methoden nicht, wenn sie in deren Entwicklung nicht eingebunden waren. Zuständigkeiten für Pflege und Weiterentwicklung einer Methode sind oft unklar. Budgets für die gesamte Lebensdauer einer Lösung fehlen von Anfang an. Software wird wissenschaftlich solide, aber handwerklich schlecht umgesetzt: schwer zu warten, kaum dokumentiert, nicht benutzerfreundlich.

Softwarequalität als unterschätzter Faktor

Gerade beim Softwareengineering klaffen Erwartungen und Realität weit auseinander. Ein Optimierungsmodell, das im Forschungsumfeld funktioniert, ist kein Industrieprodukt. Es fehlen Fehlerbehandlung, Dokumentation und Schnittstellen zu bestehenden IT-Systemen. Der Übergang von der Forschungsumgebung in die Produktionssoftware eines Unternehmens ist damit oft teurer als erwartet oder scheitert ganz.

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Was die Praxishilfe liefert

Das Papier der MPO-Fachgruppe benennt die zentralen Einflussfaktoren und stellt eine Checkliste bereit. Diese hilft Projektverantwortlichen auf beiden Seiten, Risiken früh zu erkennen. Wer die Checkliste zu Projektbeginn durcharbeitet, kann strittige Punkte ansprechen, bevor sie zum Problem werden.

Konkret geht es um Fragen wie: Wer ist nach Projektende für die Methode verantwortlich? Welches Budget steht für Weiterentwicklung bereit? Wurden die späteren Anwender von Anfang an einbezogen? Wie ist die Software getestet und dokumentiert?

Anwendung im Betrieb

Für Produktionsverantwortliche und Einkaufsleiter, die Kooperationen mit Forschungseinrichtungen steuern, ist das Papier direkt nutzbar. Es strukturiert, was in Verhandlungen und Projektkickoffs oft nicht thematisiert wird: Governance, Betriebsfähigkeit und Nutzerperspektive.

Die Praxishilfe richtet sich ausdrücklich nicht nur an große Industrialisierungsprojekte. Sie setzt früher an, bei bilateralen Kooperationen mit überschaubarem Budget. Dort sind die Lerneffekte oft schneller sichtbar und auf spätere, größere Vorhaben übertragbar.

Fazit

Der Transfer von Forschungsmethoden in den Industriebetrieb ist kein Selbstläufer. Fehlende Akzeptanz, unklare Zuständigkeiten und schlechte Softwarequalität gefährden Projektergebnisse, unabhängig vom Fördervolumen. Die MPO-Fachgruppe von DECHEMA und VDI hat die Strukturprobleme sachlich aufbereitet. Wer Forschungskooperationen plant oder bereits laufende Projekte steuert, findet in der Praxishilfe ein handhabbares Werkzeug.