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Volkswagen hat in dieser Woche acht Betriebsversammlungen an seinen deutschen Standorten abgehalten. Konzernchef Oliver Blume sprach mit der Belegschaft über Kosten, Überkapazitäten und notwendige Einschnitte. Konkrete Antworten zur Zukunft einzelner Werke blieb er schuldig.

Zehn Milliarden Euro Belastung pro Jahr

Der wirtschaftliche Druck auf den Wolfsburger Konzern ist messbar. Aus dem China-Geschäft fließen rund fünf Milliarden Euro weniger pro Jahr an den Konzern. Chinesische Hersteller haben VW dort erhebliche Marktanteile abgenommen. Dazu kommen weitere fünf Milliarden Euro Mehrkosten durch US-Zölle. Das ergibt eine jährliche Belastung von rund zehn Milliarden Euro gegenüber früheren Jahren.

Blume beschrieb das Unternehmen als zu teuer und zu komplex. Lange hatte VW diese strukturellen Schwächen mit den Gewinnen aus dem China-Geschäft überdeckt. Dieser Puffer ist weggebrochen.

Überkapazität von 500.000 Fahrzeugen

VW könnte in seinen europäischen Werken rechnerisch rund 500.000 Fahrzeuge mehr produzieren, als der Markt derzeit abnimmt. Der Konzern geht intern davon aus, dass diese Kapazität dauerhaft nicht mehr benötigt wird. Das stellt die Standorte in Hannover, Emden, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm vor eine ungelöste Frage: Was wird dort nach 2030 noch gefertigt?

Blume nannte Werksschließungen eine letzte Option, die er vermeiden wolle. Welche konkreten Alternativen er anstrebt, ließ er offen. In sechs bis zwölf Monaten solle es für jedes Werk eine Perspektive geben, so seine Aussage.

Betriebsrat: Verhältnis zu Blume beschädigt

Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo zog eine klare Bilanz. Das Verhältnis zu Blume sei beschädigt, nicht irreparabel, aber beschädigt. Sie kritisierte, er habe das direkte Gespräch mit der Belegschaft zu spät gesucht und zu wenig Substanz geliefert. Ihr Fazit zu den Versammlungen: Chance vertan.

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Für die Beschäftigten in den betroffenen Werken ist nach dieser Woche wenig klarer geworden. Cavallo hält weiterhin an ihrer Position fest: Kein Werk dürfe geschlossen werden. Eigene Alternativkonzepte legte sie öffentlich nicht vor.

Niedersachsen öffnet Diskussion über Branchenwechsel

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sprach sich in öffentlichen Äußerungen dafür aus, Industriearbeitsplätze zu erhalten, dabei ausdrücklich nicht mehr nur Automobilarbeitsplätze. Die Landesregierung, die als Anteilseigner Einfluss auf VW hat, öffnet damit den Weg für eine Umwidmung einzelner Standorte.

Osnabrück: Rüstungsproduktion als Ausweg

Für das Werk Osnabrück mit rund 2.000 Beschäftigten zeichnet sich eine solche Lösung ab. Dort laufen im kommenden Jahr die letzten Cabrios mit VW-Logo vom Band. Danach fehlt ein Nachfolgeprodukt. Im Gespräch ist, dass der israelische Rüstungskonzern Rafael am Standort Osnabrück Komponenten für Flugabwehrsysteme fertigen lassen könnte. Offiziell bestätigt ist das bisher nicht.

Für Betriebe, die als Zulieferer oder Dienstleister mit dem Standort Osnabrück verbunden sind, bedeutet das: Das Produktionsprofil des Werks könnte sich grundlegend ändern. Ob und in welchem Umfang bestehende Lieferketten weitergeführt werden, ist offen.

Planungssicherheit bleibt aus

Die Betriebsversammlungen haben die Grundkonflikte bei VW sichtbar gemacht, sie aber nicht aufgelöst. Überkapazitäten, fehlende Produktperspektiven und ein Ergebnisdruck von rund zehn Milliarden Euro jährlich stehen unverändert im Raum. Für Unternehmen in der Zulieferkette und für Kommunen mit VW-Werken bleibt die Lage unkalkulierbar. Die versprochenen Standortperspektiven in sechs bis zwölf Monaten sind eine Ankündigung, kein Plan.