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Das Volkswagen-Werk in Osnabrück bekommt eine neue Bestimmung. Der Finanzinvestor Aurelius Capital und das Land Niedersachsen wollen den Standort gemeinsam übernehmen. Als erstes großes Produktionsprojekt ist eine Zusammenarbeit mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael Advanced Defense Systems vorgesehen. Für rund 1200 Stellen gilt eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2029. Die Eckpunkte wurden am 7. September vereinbart.
Ende der Autoproduktion schafft Handlungsbedarf
Noch läuft in Osnabrück das T-Roc Cabriolet vom Band. Im Spätsommer 2027 endet die Fertigung. Danach wird Volkswagen am Standort keine eigenen Fahrzeuge mehr bauen. Monatelang war ungeklärt, wie es mit dem Werk und den rund 1800 Beschäftigten weitergeht.
Mit den nun vereinbarten Eckpunkten liegt erstmals ein konkretes Modell für die Zeit danach auf dem Tisch. Aurelius Capital soll dabei die Mehrheit an der neu zu gründenden Gesellschaft halten. Das Land Niedersachsen beteiligt sich als Mitgesellschafter.
Luftverteidigungstechnik als Ankerprodukt
Das frühere Automobilwerk soll schrittweise zu einem Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungstechnik umgebaut werden. Rafael ist in diesem Segment international bekannt, unter anderem durch das Luftabwehrsystem Iron Dome.
Volkswagen formuliert das geplante Produktspektrum bislang offen: Die Rede ist von Systemen und Komponenten für Luftverteidigungssysteme für Deutschland und Europa. Welche konkreten Produkte in Osnabrück entstehen sollen, ist öffentlich noch nicht festgelegt. Eine Fixierung allein auf Iron Dome-Komponenten wäre nach dem Stand der Vereinbarung verfrüht.
Weitere Projekte sollen nach Rafael folgen. Betriebsrat und IG Metall machen deutlich: Rafael allein reicht nicht, um alle betroffenen Stellen dauerhaft zu ersetzen.
Warum ein Autowerk für Rüstungsproduktion geeignet sein kann
Die Infrastruktur eines Automobilwerks bringt für die Rüstungsproduktion verwertbare Eigenschaften mit. Hallenflächen, Logistikanbindungen sowie Fertigungsanlagen für Metallverarbeitung und Montage lassen sich für andere industrielle Zwecke umrüsten. Das Osnabrücker Werk hat in der Vergangenheit auch militärische Fahrzeuge entwickelt.
Aurelius Capital ist als Investor auf Verteidigungs- und sogenannte Dual-Use-Technik spezialisiert. Dual-Use bezeichnet Technologien, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Das Profil des Investors passt zur angestrebten Neuausrichtung des Standorts.
Beschäftigungssicherung bis 2029
Von den derzeit rund 1800 Beschäftigten sollen knapp 1400 eine Anschlussperspektive erhalten. Durch Renteneintritte und Altersteilzeit dürfte die Belegschaft bis zum Produktionsende weiter schrumpfen. Betriebsrat und IG Metall rechnen daher mit rund 1200 Stellen im neuen Unternehmen. Für diese Zahl wurde eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2029 vereinbart. Die Tarifbindung an die Metall- und Elektroindustrie soll erhalten bleiben.
Für einen Teil der Belegschaft bleibt die Zukunft damit weiter offen. IG Metall und Betriebsrat bestehen darauf, dass Volkswagen auch für jene Mitarbeiter Verantwortung trägt, die nicht in die neue Gesellschaft wechseln können. Die Gewerkschaft bezeichnet den Schritt als wichtig, aber nicht als Abschluss.
Teil eines größeren Konzernumbaus
Der Verkauf des Osnabrücker Werks steht nicht für sich allein. VW steckt in einem weitreichenden Umbau. Im zweiten Quartal 2026 sank das Konzernergebnis nach Steuern um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro. Finanzchef Arno Antlitz hat Investitionskürzungen angekündigt. Die Abgabe von Randstandorten ist Teil dieser Strategie.
Der Verkauf ist nach Angaben der Beteiligten noch nicht abgeschlossen. Die vereinbarten Eckpunkte bilden die Verhandlungsgrundlage, kein unterzeichnetes Vertragswerk.
Ausblick
Für Unternehmen in der Zulieferer- und Rüstungsbranche ist das Signal aus Osnabrück relevant: Ein ehemaliges Großserienwerk der Automobilindustrie wird für Verteidigungsgüter umgewidmet. Ob das Modell trägt, hängt davon ab, wie schnell und in welchem Umfang weitere Aufträge nach dem Rafael-Ankerprojekt folgen.




















