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Die Krise bei Volkswagen macht nicht an den Werkstoren halt. Sie pflanzt sich durch die gesamte Zulieferer- und Dienstleisterkette fort. Aktuelles Beispiel: Capgemini Engineering Deutschland. Das Unternehmen gehört zum französischen IT- und Beratungskonzern Capgemini und erbringt Entwicklungsdienstleistungen vor allem für die Automobilindustrie. VW zählt zu den wichtigsten Kunden.

Capgemini will fast die Hälfte der Stellen in Deutschland streichen

Das Management von Capgemini Engineering plant einen drastischen Stellenabbau in Deutschland. Fast die Hälfte der Belegschaft soll wegfallen. Drei Standorte sollen vollständig geschlossen werden. Das Management spricht von „konstruktiven Verhandlungen“ mit dem Betriebsrat. Die Beschäftigten sehen das anders. Es kam bereits zu Demonstrationen. Arbeitnehmervertreter bezeichnen das Vorgehen der Führungsebene als „Schande“ und „bodenlose Frechheit“.

Das Muster ist bekannt: Wenn ein Großkunde wie VW seine Entwicklungsbudgets kürzt, trifft das Dienstleister wie Capgemini Engineering unmittelbar. Externe Entwicklungsleistungen werden zuerst abgebaut. Festangestellte Ingenieure beim OEM, also beim Fahrzeughersteller selbst, bleiben länger im Schutz von Tarifverträgen.

VW-Einigung: Etappenerfolg, kein Schlusspunkt

Bei Volkswagen selbst einigte sich die Unternehmensführung mit den Arbeitnehmervertretern auf einen Sanierungskurs. Konzernchef Oliver Blume konnte sich mit seinem Sparprogramm im Wesentlichen durchsetzen. Die Einigung gilt als Etappenerfolg, nicht als Abschluss.

Die Spannungen zwischen Unternehmensführung, Eigentümerfamilien und Betriebsrat bleiben strukturell. Die wirtschaftliche Lage des Konzerns hat sich durch die Einigung nicht verändert. Absatzzahlen, Marktanteile und Profitmargen bestimmen den weiteren Verlauf – nicht Verhandlungsergebnisse allein.

Osnabrück: Raketen statt Cabriolet

Das VW-Werk in Osnabrück wird vollständig neu ausgerichtet. Zuletzt lief dort noch das Cabriolet T-Roc vom Band, ein Modell mit sehr begrenzten Stückzahlen. VW verkauft den Standort an den Finanzinvestor Aurelius und das Land Niedersachsen. Geplant ist eine Nutzung für die Verteidigungsindustrie, konkret für Raketenproduktion. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies zählt zu den neuen Investoren.

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Porsche SE sucht Distanz zum VW-Geschäft

Die Porsche SE, die Holdinggesellschaft der Familien Porsche und Piëch, investiert in das US-Raumfahrt-Start-up Stoke Space. Das Unternehmen ist ein direkter Konkurrent von SpaceX. Die Holding will damit ihre Abhängigkeit vom VW-Investment reduzieren. Stoke Space entwickelt wiederverwendbare Trägerraketen.

Intern sorgt ein anderes Thema für Unmut. Der langjährige Aktionär Christian Strenger klagt gegen die Porsche SE. Er ist der Ansicht, der Aufsichtsrat habe den ausgeschiedenen Finanzvorstand Lutz Meschke bei der Vergütung zu großzügig behandelt. Meschke schied Ende 2025 aus dem Vorstand aus, soll bis 2030 aber Zahlungen von mehr als 20 Millionen Euro erhalten.

Chinesische Truck-Hersteller rücken nach Europa vor

Parallel zu den Verwerfungen bei europäischen Herstellern baut China seine Exportoffensive im Nutzfahrzeugsegment aus. Chinesische Lkw-Hersteller drängen in europäische Märkte. Für Einkäufer in der Logistik und im Transportgewerbe bedeutet das mehr Auswahl. Für europäische Hersteller wie Daimler Truck, Volvo oder Traton bedeutet es mehr Wettbewerbsdruck auf bereits schwierigen Märkten.

McLaren baut auf: Ausnahme in einer Branche voller Abbaupläne

Gegen den Trend bewegt sich der britische Sportwagenhersteller McLaren. Das Unternehmen will an seinem Stammwerk in Woking rund 1.000 Stellen aufbauen. Dafür nimmt McLaren-Chef Nick Collins 450 Millionen Pfund in die Hand. Das ist eine Ausnahme in einer Branche, die derzeit vor allem durch Stellenstreichungen auffällt.

Die Krise verteilt sich durch die gesamte Wertschöpfungskette

Was bei VW als Konzernkrise begann, erreicht jetzt die zweite und dritte Reihe der Automobilwirtschaft. Entwicklungsdienstleister wie Capgemini Engineering tragen das Volumenrisiko, ohne die Puffermechanismen großer Konzerne zu haben. Die Bereinigung ist noch nicht abgeschlossen. Wer Entwicklungsleistungen extern vergibt oder als Dienstleister anbietet, sollte die Kundenkonzentration prüfen. Abhängigkeiten von einem einzigen OEM, wie sie Capgemini in Deutschland trifft, sind in diesem Umfeld ein erhebliches Risiko.

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