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Die European Defence Supply findet am 13. und 14. Oktober 2026 im Radisson Blu Hotel Hamburg statt. Die Konferenz richtet sich an Unternehmen, die bislang nicht im Verteidigungssektor aktiv sind und diesen Marktzugang strukturiert angehen wollen. Schwerpunkte sind Lieferketten in der Schifffahrt, Luft- und Raumfahrt sowie kritischer Infrastruktur.

Wachsender Markt, neue Anforderungen

Die Verteidigungshaushalte in Europa sind seit 2022 deutlich gestiegen. Deutschland hat seinen Wehretat erhöht, die NATO-Mitglieder haben mehrfach bekräftigt, die Zwei-Prozent-Marke am Bruttoinlandsprodukt zu erreichen oder zu übertreffen. Das zieht Beschaffungsvolumen nach sich. Gleichzeitig fehlen in vielen Segmenten qualifizierte Zulieferer.

Für zivile Industrieunternehmen bedeutet das: Der Markt öffnet sich, aber der Einstieg ist regulatorisch komplex. Zertifizierungsanforderungen, Compliance-Pflichten, Dual-Use-Kontrollen und öffentliche Vergabeverfahren unterscheiden sich erheblich vom zivilen Geschäft. Genau diese Hürden adressiert die Veranstaltung in sogenannten Deep Dives, also praxisorientierten Fachblöcken zu einzelnen Themen.

Programm: Strategie und operative Fragen

Die Konferenz am 14. Oktober gliedert sich in mehrere Formate. Keynotes und Expertenvorträge behandeln NATO- und EU-Strategien, Verteidigungsbeschaffung und Rahmenbedingungen für neue Marktteilnehmer. Hochrangige Referenten sind bereits bestätigt.

Dr. Tomasz Husak, Direktor der Generaldirektion Verteidigungsindustrie und Raumfahrt der Europäischen Kommission, spricht über die Skalierung europäischer Verteidigungstechnologien. General a.D. Chris Badia, ehemaliger NATO-Offizier, analysiert die strategische Lage europäischer Lieferketten. Aus dem deutschen Beschaffungsapparat sind Generalmajor Michael Bender vom Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr sowie Dr. Jörg Wissdorf vom Sonderstab Ukraine im Bundesverteidigungsministerium vertreten.

Podiumsdiskussionen befassen sich mit der Zusammenarbeit zwischen Erstausrüstern, sogenannten OEMs, Tier-1-Lieferanten, Mittelständlern und Start-ups. Ein OEM ist der Hersteller des Endprodukts, etwa eines Schiffes oder Flugzeugs. Tier-1 bezeichnet dessen direkte Hauptzulieferer. Für Unternehmen, die neu in dieses System eintreten wollen, ist das Verständnis dieser Hierarchie Voraussetzung.

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Zielgruppe: Mittelstand und spezialisierte Anbieter

Die Veranstalter richten sich an Entscheidungsträger aus Industrieunternehmen, konkret an Geschäftsführer und technische Leitungen aus Maschinenbau, Elektronik, Softwareentwicklung, Robotik, additiver Fertigung und Materialwissenschaften. Auch Start-ups mit Fokus auf Sensorik, künstliche Intelligenz oder Internettechnologien für vernetzte Systeme werden ausdrücklich angesprochen.

Der Zugang zu Integratoren und Beschaffungsverantwortlichen ist für diese Unternehmen oft das entscheidende Nadelöhr. Die Ausstellungsfläche und das Networking-Abendprogramm am 13. Oktober ab 18:30 Uhr sollen diesen direkten Kontakt ermöglichen.

Einordnung für den Betrieb

Unternehmen, die Fertigungskapazitäten, Spezialmaterialien oder digitale Steuerungslösungen anbieten, stehen vor einer konkreten Entscheidung: Ist der Verteidigungsmarkt ein strategisch sinnvoller Diversifizierungsschritt? Siemens hat mit der Einheit Siemens Government Technologies bereits eine eigene Struktur für dieses Segment geschaffen und adressiert dort gezielt PLM- und Fertigungslösungen für Verteidigungslieferketten.

Für kleinere Betriebe ist der Einstieg aufwendiger. Zertifizierungen nach AQAP-Standards, die Anforderungen des NATO-Qualitätssicherungssystems, oder Sicherheitsüberprüfungen nach nationalem Recht binden Ressourcen. Die Konferenz gibt nach eigenen Angaben Orientierung, welche Schritte konkret notwendig sind und wo Förderprogramme greifen.

Fazit

Die European Defence Supply ist kein Branchenevent mit allgemeinen Trenddebatten. Das Programm zielt auf operative Fragen: Wie kommt ein ziviler Anbieter in europäische Verteidigungslieferketten? Was kostet der Einstieg regulatorisch? Wer entscheidet über Beschaffung? Für Unternehmen, die diesen Schritt ernsthaft prüfen, ist Hamburg am 14. Oktober ein relevanter Termin.