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Der deutsche Maschinenbau verschiebt seine Forschungs- und Entwicklungskapazitäten spürbar ins Ausland. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen betreiben Forschung bereits außerhalb Deutschlands. Bei Betrieben mit mehr als 1000 Beschäftigten liegt dieser Anteil bei neun von zehn.

Auslandsanteil soll in fünf Jahren deutlich steigen

Vier von zehn der bereits international forschenden Unternehmen erwarten, dass ihr Auslandsanteil in den nächsten fünf Jahren um etwa zehn Prozentpunkte steigt. Knapp 40 Prozent rechnen mit einem noch stärkeren Zuwachs.

Zu den bevorzugten Zielstandorten zählen China, Indien und die USA. China dürfte laut VDMA am stärksten an Gewicht gewinnen. Für Deutschland und andere europäische Standorte erwartet der Verband bestenfalls eine Stagnation.

Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer, bewertet die Entwicklung direkt: Die Branche beschäftigt rund 190.000 Ingenieurinnen und Ingenieure und ist damit einer der größten industriellen Arbeitgeber für technische Fachkräfte in Deutschland. Verliert dieser Sektor Forschungsaufgaben, verliert er auch hochqualifizierte Arbeitsplätze.

China überholt Deutschland als Innovationsreferenz

Noch bis 2024 nannten die Maschinenbauer Deutschland als wichtigsten Innovationskonkurrenten. Das hat sich geändert. Inzwischen sehen 71 Prozent der Befragten ihren innovationsstärksten Wettbewerber in China. Deutschland folgt mit 65 Prozent auf Platz zwei.

Bei Zukunftstechnologien wie dem Einsatz Künstlicher Intelligenz im Entwicklungsprozess bewerten die Unternehmen China und die USA als deutlich leistungsfähiger als Deutschland. Das beeinflusst direkt, wo Unternehmen ihre nächste Entwicklungsabteilung aufbauen.

Kosten und Umsatzrückgänge verengen den Investitionsspielraum

Ein zentraler Treiber der Verlagerung sind wirtschaftliche Zwänge. Anhaltende Umsatzrückgänge und hohe Standortkosten in Deutschland lassen weniger Mittel für Investitionen. Wer unter Ergebnisdruck steht, priorisiert Effizienz. Forschungsstandorte mit niedrigeren Lohn- und Energiekosten gewinnen dabei an Attraktivität.

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Rauen beschreibt die Lage ohne Umschweife: Angespannte Ergebnissituationen und strukturelle Standortnachteile begrenzen den finanziellen Spielraum auch für Zukunftsinvestitionen.

Grundlagenforschung bleibt vorerst in Deutschland

Ins Ausland wandern vor allem markt- und produktionsnahe Entwicklungsaufgaben. Grundlagenforschung findet an ausländischen Standorten deutlich seltener statt. Sensibles technisches Wissen halten Unternehmen bewusst näher am Heimatstandort.

Deutschland bleibt damit für einen Teil des Forschungsspektrums relevant. Wenn marktnahe Entwicklung erst einmal dauerhaft ins Ausland verlagert ist, folgt erfahrungsgemäß auch die tiefere Forschung.

Forschungszulage als politisches Instrument

Trotz schwacher Konjunktur planen 39 Prozent der befragten Unternehmen, ihre FuE-Ausgaben in Deutschland 2026 zu erhöhen. Das schließt die Verlagerungstendenz nicht aus: Unternehmen können gleichzeitig im Inland investieren und den Auslandsanteil ausbauen.

Der VDMA verweist auf die Forschungszulage als Instrument, das heimische FuE-Investitionen steuerlich attraktiver macht. Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen nennt sie als relevantes Förderinstrument.

Struktureller Trend, keine Momentaufnahme

Die VDMA-Daten beschreiben keinen kurzfristigen Ausschlag. Große Maschinenbauer forschen längst international, Mittelständler ziehen nach. China hat Deutschland in der Innovationswahrnehmung der eigenen Branche überholt.

Für Unternehmensleitungen stellt sich die Frage konkret: Wo werden die nächsten Produkte entwickelt, und welche Konsequenzen hat das für die heimischen Entwicklungsabteilungen? Wer die Antwort aufschiebt, trifft sie trotzdem, nur ohne Strategie.