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Deutschlands Autoindustrie befindet sich in einer offenen Auseinandersetzung mit der IG Metall. VDA-Präsidentin Hildegard Müller hat am Vorabend des bundesweiten Aktionstags der Gewerkschaft klargestellt: Wer Veränderungen ablehne, leugne die wirtschaftliche Realität. Und weiter: Produktion in Deutschland sei „kein Naturgesetz“.

Kosten als Kern des Konflikts

Die IG Metall hatte für Montag, den 22. September, bundesweit zu Protestaktionen bei Herstellern und Zulieferern aufgerufen. Die Gewerkschaft wendet sich gegen Sparpläne und die Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland. IG-Metall-Chefin Christiane Benner forderte von den Konzernen Investitionen in deutsche Werke, etwa in Batteriefertigung und autonomes Fahren.

Müller entgegnete in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt mit konkreten Zahlen. Eine Arbeitsstunde in der deutschen Automobilindustrie kostet nach VDA-Angaben fast 65 Euro. In Tschechien sind es 24 Euro, in Polen 18 Euro. Bei den Jahresarbeitszeiten liegt Deutschland mit durchschnittlich 1.300 Stunden weit hinter Tschechien mit 1.800 Stunden und Mexiko mit mehr als 2.000 Stunden.

Sinkende Margen bei VW, BMW und Mercedes

Zahlen der Unternehmensberatung EY stützen Müllers Argumentation. Volkswagen, BMW und Mercedes verzeichnen demnach entgegen dem internationalen Markttrend sinkende Umsätze und einen deutlichen Gewinneinbruch. EY-Experte Constantin Gall nennt neben den Lohnkosten auch Energiepreise und bürokratische Hürden als Ursachen.

Sein Urteil ist eindeutig: Notwendige Veränderungen ließen sich in Deutschland nicht konsequent umsetzen. Die Folge sei Abwanderung in attraktivere Standorte. Die Marge, also das Verhältnis von Gewinn zu Umsatz, befindet sich bei allen drei deutschen Premiumherstellern im Sinkflug.

Werkauslastung kein Selbstläufer

Müller formulierte die Konsequenz direkt: Die Auslastung von Werken sei kein Selbstläufer. Standortentscheidungen folgen betriebswirtschaftlichen Kriterien. Wer das ignoriere, gefährde Beschäftigung aktiver als jede Verlagerung.

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Für Produktionsleiter und Einkaufsverantwortliche in der Zulieferkette bedeutet das eine nüchterne Einordnung: Die Kostendebatte läuft nicht mehr nur intern zwischen Betriebsrat und Management. Sie wird nun öffentlich und mit Blick auf standortpolitische Konsequenzen geführt.

Gewerkschaft hält an ihren Forderungen fest

Die IG Metall bewertet die Situation grundlegend anders. Benner sieht in den Protesten eine Antwort auf strategisches Versagen der Konzernführungen. Manager müssten die Zukunft gestalten, nicht verwalten. Die Gewerkschaft sieht Investitionen in neue Technologien als Voraussetzung für den Erhalt von Arbeitsplätzen, nicht als Kostenfaktor.

Beide Seiten sprechen über dieselbe Krise, ziehen aber gegensätzliche Schlüsse. Der VDA setzt auf Flexibilisierung von Kosten und Arbeitszeiten. Die IG Metall setzt auf Investitionsverpflichtungen der Hersteller in Deutschland.

Fazit

Für Entscheider in Produktion, Einkauf und Personalführung ist die Botschaft dieser Woche klar: Die strukturellen Kostennachteile des Standorts Deutschland bestimmen, wo Kapazitäten auf- und abgebaut werden. Wer Lieferketten plant oder Werkverträge neu verhandelt, sollte die laufende Tarifpolitik und mögliche Verlagerungsentscheidungen der Hersteller als konkrete Planungsgröße einkalkulieren.