Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Donald Trump hat Exportbeschränkungen für Dieselkraftstoff aus den USA ins Spiel gebracht. Das innenpolitische Kalkül ist klar: niedrigere Spritpreise vor den Zwischenwahlen im November. Die Konsequenz für Europa ist ebenso klar: höhere Preise und eine weitere Verschärfung der ohnehin angespannten Versorgungslage bei Mitteldestillaten.

Europas Diesel-Versorgung ist bereits unter Druck

Die Beratungsgesellschaft Energy Aspects prognostizierte bereits vor Trumps Ankündigung ein Defizit von 510.000 Barrel Flugbenzin pro Tag in Europa im vierten Quartal. In den USA hingegen erwartet sie einen Überschuss von 18.000 Barrel, in Ostasien sogar von 419.000 Barrel täglich. Dieses Ungleichgewicht ist keine Momentaufnahme.

Flugbenzin und Diesel sind eng miteinander verbunden: Beide entstehen als sogenannte Mitteldestillate in der Raffinerie. Wer zu wenig vom einen hat, hat strukturell auch ein Problem mit dem anderen. Besonders kritisch ist derzeit Winterdiesel, der bis minus 20 Grad Celsius funktioniert. Der Frühherbst ist die klassische Eindeckungsphase europäischer Unternehmen für die Heizsaison. Der Marktdruck ist entsprechend hoch.

Europas Raffinerien können den Bedarf nicht selbst decken

Europäische Raffinerien sind strukturell schwach bei der Produktion von Mitteldestillaten. Die vorhandenen Anlagen laufen laut Marktteilnehmern bereits bei rund 95 Prozent ihrer Kapazität. Kurzfristig ist das nicht zu ändern. Rund ein Viertel des Bedarfs muss importiert werden.

Früher kam ein erheblicher Teil dieser Importe aus Russland. Seit Beginn des Ukraine-Krieges ist dieser Weg versperrt. Als Ersatzlieferanten sprangen unter anderem Katar, die USA, Indien und Südkorea ein. Katar kann seit der Blockade der Straße von Hormus nur noch eingeschränkt liefern. Europäische Raffinerien erhalten im Oktober kein Rohöl aus Saudi-Arabien: Der halbstaatliche Konzern Aramco hat angekündigt, die verfügbaren Mengen aus der teilweise reparierten Ost-West-Pipeline vollständig nach Asien zu leiten.

Auch interessant  Moskau übernimmt Nestlé-Fabriken per Dekret

Südkorea als Nutznießer, Europa als Zahler

Aus dieser Gemengelage ergibt sich ein wirtschaftlich absurder, aber logisch nachvollziehbarer Lieferweg. Rohöl aus dem Nahen Osten fließt zunächst nach Ostasien, wird dort in Raffinerien zu Diesel und Flugbenzin verarbeitet und reist dann Tausende Kilometer zurück nach Europa. Südkorea beliefert Europa bereits seit Wochen mit Flugbenzin in größeren Mengen.

Südkorea bezog in den vergangenen Monaten mehr als 60 Prozent seines Rohöls aus Saudi-Arabien. Das Land hat damit Kapazitäten, die bei einem US-Exportstopp noch stärker in Richtung Europa ausgerichtet werden könnten. Rohstoffhändler erwarten, dass zusätzlich zu Flugbenzin auch Diesellieferungen aus Südkorea nach Europa steigen würden. Indische Raffinerien dürften ähnlich profitieren. Die langen Transportwege treiben die Kosten, und diese Kosten landen letztlich bei den europäischen Abnehmern.

Was bedeutet das für Betriebe mit hohem Dieselverbrauch?

Logistikunternehmen, Landwirtschaft, Baugewerbe und produzierende Betriebe mit eigener Flotte oder Maschinenpark sind direkt exponiert. Wer Dieselkosten in der Kalkulation hat, muss mit einem weiteren Preisschub rechnen, wenn die USA tatsächlich Exportrestriktionen einführen. Rohstoffhändler halten einen vollständigen Stopp zwar für unwahrscheinlich und gehen eher von einer Mengendrosselung aus. Selbst eine Drosselung würde den angespannten europäischen Markt jedoch weiter belasten.

Geopolitische Risiken kommen hinzu. Iran und mit ihm verbündete Milizen versuchen laut Rohstoffhändlern gezielt, die Ölversorgung zu destabilisieren. Die beschädigte Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien ist ein Beispiel. Die Straße von Hormus bleibt ein Nadelöhr. Diese Unsicherheiten sind in den Preisen noch nicht vollständig eingepreist.

Fazit

Ein US-Exportstopp für Diesel wäre kein isoliertes handelspolitisches Signal. Er träfe Europa in einer Versorgungssituation, die bereits ohne diesen Eingriff angespannt ist. Europäische Raffinerien haben keine freien Kapazitäten. Alternativlieferanten sind weit entfernt und teurer. Für Unternehmen mit hohem Energiebedarf oder eigenem Fuhrpark bedeutet das: Die Dieselkosten bleiben ein erhebliches Kalkulationsrisiko für das vierte Quartal 2026.

Auch interessant  Geopolitik als Führungsaufgabe: Manager brauchen neue Kompetenz