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Wang Xingxing baute seinen ersten Roboter aus Schrottteilen, mit einer Handbohrmaschine und einer Feile. Die Gesamtkosten: rund 25 Euro. Heute steht sein Unternehmen Unitree kurz vor dem Börsengang an der Shanghaier Börse. Investoren bewerten den Hersteller mit 7,7 Milliarden Euro.
Börsengang mit Rekordnachfrage
Die Aktienzeichnung für Privatanleger verlief außergewöhnlich: Die Nachfrage überstieg das Angebot um das 8300-Fache. Mit dem Börsengang peilt Unitree Einnahmen von rund sechs Milliarden Yuan an, umgerechnet knapp 790 Millionen Euro. Der erste Handelstag wird noch im August 2026 erwartet.
Das Unternehmen hat seinen Sitz in Hangzhou und wurde 2016 gegründet. Gründer Wang Xingxing hatte damals ein klares Ziel: Robotik für den Massenmarkt bauen, nicht nur für Forschungslabore.
Eigenfertigung als Kostenhebel
Der wesentliche Unterschied zu westlichen Wettbewerbern liegt in der Fertigungstiefe. Unitree produziert Kernkomponenten weitgehend selbst: Gelenkmotoren, Getriebe, Sensoren und Steuerungseinheiten. Das senkt die Abhängigkeit von externen Zulieferern und drückt die Produktionskosten.
Das Ergebnis ist der humanoide Roboter G1. Er ist 1,32 Meter groß, wiegt 35 Kilogramm und lässt sich für den Transport zusammenklappen. Der Einstiegspreis liegt bei rund 13.500 US-Dollar. Vergleichbare Systeme westlicher Hersteller kosten ein Vielfaches davon.
Vom Abschlussprojekt zur Serienreife
Wang Xingxing entwickelte bereits als Student den vierbeinigen Robotik-Hund XDog als Abschlussprojekt. Das System galt technisch als ausgereift und legte die Grundlage für die spätere Unternehmensstruktur. Der Mangel an Ressourcen in der Frühphase zwang ihn zur Kosteneffizienz, die heute das Geschäftsmodell prägt.
Markt noch am Anfang, Potenzial enorm
Die Verkaufszahlen bleiben bisher überschaubar. Im Jahr 2025 verkaufte Unitree rund 5500 Einheiten. Für 2026 werden laut Medienberichten 10.000 bis 20.000 Roboter angepeilt.
Zum Vergleich: Industrieroboter in der Automobilfertigung, etwa Schweißroboter oder Handhabungssysteme, sind seit Jahrzehnten etabliert. Für humanoide Roboter fehlen im Alltag und in der Industrie bislang breit skalierbare Einsatzfelder. Analysten gehen dennoch davon aus, dass der globale Markt bis 2050 jährliche Verkaufszahlen von bis zu 50 Millionen Einheiten erreichen könnte.
Geopolitischer Kontext: KI-Wettlauf auf neuer Front
Chinas Regierung hat humanoide Robotik als strategische Industrie eingestuft. Sie gilt als Teil der sogenannten neuen Qualitäts-Produktivkräfte, mit denen Peking Wachstum in Hochtechnologiesektoren fördern will.
Der US-Elektroautobauer Tesla arbeitet unter Elon Musk parallel am humanoiden Roboter Optimus. Analysten sehen die Technologie als neue Dimension im Wettbewerb zwischen den USA und China um Führung bei künstlicher Intelligenz.
Bereits 2021 entfiel laut Internationalem Robotikverband IFR jeder zweite weltweit installierte Industrieroboter auf China. Der Anteil Asiens am globalen Absatzmarkt lag bei 74 Prozent. Diese Basis verschafft chinesischen Herstellern einen strukturellen Vorteil bei der Skalierung neuer Robotikkonzepte.
Was das für deutsche Industrieunternehmen bedeutet
Für Einkäufer und Produktionsleiter in Deutschland ist Unitree noch kein unmittelbarer Lieferant. Das kann sich ändern. Wer Automatisierungsprojekte plant, sollte die Preisentwicklung bei humanoiden Systemen beobachten.
Ein Einstiegspreis von 13.500 US-Dollar verändert die Kalkulation. Bisherige Systeme lagen deutlich darüber. Sobald Anwendungsfälle in Logistik, Montage oder Inspektion technisch belastbar sind, dürfte der Preispunkt die Investitionsschwelle für viele mittelständische Betriebe senken.
Die Entwicklung bei Unitree zeigt zugleich, dass die Eigenproduktion kritischer Komponenten ein wirksames Mittel gegen Kostendruck von außen ist. Dieses Prinzip ist in der deutschen Industrie bekannt, aber nicht immer konsequent umgesetzt.
Fazit
Unitree ist kein Nischenanbieter mehr. Der bevorstehende Börsengang mit einer Bewertung von 7,7 Milliarden Euro und einer Überzeichnung von 8300 zu eins zeigt, dass institutionelle Investoren die Technologie ernst nehmen. Ob der Massenmarkt für humanoide Roboter in fünf oder fünfzehn Jahren reif ist, bleibt offen. Dass Hersteller wie Unitree die Preis- und Wettbewerbslogik neu setzen, ist bereits Realität.




















