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Das Abkommen von Turnberry sollte den transatlantischen Handelsstreit beenden. Ein Jahr nach der gemeinsamen Erklärung vom 21. August 2025 ist die Bilanz für die deutsche Industrie durchwachsen. Der allgemeine Zollsatz für EU-Importe in die USA liegt bei zehn Prozent. Für bestimmte Branchen gelten deutlich höhere Sätze. Und die nächste Drohung aus Washington ist bereits ausgesprochen.
Was das Abkommen gebracht hat
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald Trump hatten sich am 27. Juli 2025 im schottischen Turnberry grundsätzlich geeinigt. Die formelle gemeinsame Erklärung folgte erst am 21. August 2025. Seither gilt für die meisten EU-Exporte in die USA ein pauschaler Zollsatz von zehn Prozent. Zuvor hatten Gegenzölle und immer neue Eskalationsdrohungen den transatlantischen Handel belastet.
Brüssel machte im Gegenzug Zugeständnisse. EU-Zölle auf US-Industriegüter wurden abgeschafft. Die EU baute außerdem ein Sicherheitsnetz ein: Setzt Washington Zusagen aus, kann die EU ihre Zugeständnisse ebenfalls suspendieren. Zollbefreiungen für bestimmte Produkte wie Kork, Diamanten, Flugzeugteile sowie Generika und Wirkstoffe wurden wiederhergestellt oder ausgeweitet.
Wo die Lücken bleiben
Für drei Bereiche gibt es nach wie vor keine befriedigende Lösung. Bei Stahl und Aluminium gelten weiterhin US-Zölle von bis zu 50 Prozent. Bestimmte Lkw-Einfuhren werden mit 25 Prozent belastet, Pkw und Kfz-Teile mit 15 Prozent. Zum Vergleich: Vor Trumps erstem Amtsantritt lag der Pkw-Zollsatz bei 2,5 Prozent.
Ende Juli 2026 verhängte Trump zusätzlich neue Zölle auf Importe aus 60 Ländern, begründet mit angeblich unzureichenden Maßnahmen gegen Zwangsarbeit. Die EU war ebenfalls betroffen. Die EU-Kommission wertet die aktuelle Lage dennoch nicht als Verschlechterung gegenüber dem Stand vor dem Abkommen. Alle EU-Exporte profitierten demnach entweder von günstigeren oder gleichwertigen Regelungen als zuvor.
BDI und VDA: Lob mit klarem Vorbehalt
Der Bundesverband der Deutschen Industrie bewertet den Deal als schmerzhaften Kompromiss. Wolfgang Niedermark, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, mahnt, dass bei Stahl- und Aluminiumprodukten nach zwischenzeitlichen Verbesserungen wieder eine Ausweitung der US-Maßnahmen drohe. Von Stabilität könne nur bedingt die Rede sein.
Der Verband der Automobilindustrie äußert sich ähnlich. Ein VDA-Sprecher bezeichnet die 15-Prozent-Zölle auf Pkw und Teile als spürbare Herausforderung. Die zusätzlichen Zölle auf europäische Nutzfahrzeuge seien eine erhebliche Belastung für die betroffenen Unternehmen. Für einen Sektor, der zu den wichtigsten deutschen Exportbranchen zählt, wiegt das schwer.
Alternativen zum US-Markt: vorhanden, aber nicht gleichwertig
Die EU hat seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit Handelsabkommen mit Indonesien, Indien und Mexiko abgeschlossen. Auch das Mercosur-Abkommen kam zum Abschluss. Diese Diversifizierung ist strategisch sinnvoll, ersetzt den US-Markt aber nicht.
Im vergangenen Jahr tauschten die EU und die USA Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 1,8 Billionen Euro aus. Das entspricht etwa 30 Prozent des Welthandels. Zu den meistgehandelten Gütern zählen Medizinprodukte, Pharmazeutika, Industriemaschinen und Straßenfahrzeuge. Kein neues Partnerland erreicht auch nur annähernd dieses Volumen.
Fazit
Das Abkommen von Turnberry hat einen unkontrollierten Zollkrieg verhindert. Für Unternehmen aus der Stahl-, Aluminium- und Automobilbranche bleibt die Lage belastend. Der US-Markt ist durch neue Zollrunden und anhaltende politische Unberechenbarkeit kein stabiles Terrain. Produktions-, Einkaufs- und Vertriebsleiter sollten ihre US-Engagements weiterhin mit konkreten Szenarien für Zollerhöhungen absichern. Die neuen Handelspartnerschaften der EU schaffen Optionen, aber keinen Ersatz.




















