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Wittenberg in Sachsen-Anhalt ist nicht der erste Ort, den Ingenieure und Softwareentwickler mit einem attraktiven Arbeitsstandort verbinden. Tesvolt hat dort trotzdem eine Gigafactory hochgezogen. Ab September sollen dort Großbatteriespeicher für Industriekunden, Schiffe und zur Netzstabilisierung vom Band laufen. Das Unternehmen beschäftigt 210 Mitarbeiter. Die Rahmenbedingungen werden allerdings schwieriger.
Standort mit Stärken und wachsenden Risiken
Tesvolt-CEO Simon Schandert nennt konkrete Standortfaktoren, die Wittenberg attraktiv machen. Die Bodenpreise liegen deutlich unter dem Niveau vieler anderer Bundesländer. Für ein Unternehmen, das große Batteriesysteme lagert und integriert, ist das ein handfester Kostenvorteil. Das Fachkräfteangebot ist solide: Hochqualifizierte Mitarbeiter rekrutiert Tesvolt regional sowie aus Berlin und Leipzig, die per ICE in rund 30 Minuten erreichbar sind. Sachsen-Anhalt produziert zugleich viel erneuerbare Energie aus Wind und Sonne, was die Energiepreise für produzierende Unternehmen vergleichsweise wettbewerbsfähig hält.
Diese Faktoren sind das Ergebnis politischer Entscheidungen der vergangenen Jahre, die gezielt auf Solartechnik, Halbleiter und Batterietechnologie gesetzt haben.
Fachkräfte aus dem Ausland: Klima entscheidet mit
Tesvolt braucht Ingenieure, Softwareentwickler und Experten für den Stromhandel. Ein Teil davon kommt aus dem Ausland. Schandert beschreibt ein Problem, das für Personalverantwortliche in der Region keine Neuigkeit ist: Mitarbeiter, die nicht deutsch aussehen, wurden auf der Straße angefeindet. Einige haben Wittenberg deshalb wieder verlassen.
Für einen Betrieb, der auf Vor-Ort-Arbeit angewiesen ist, weil Endfertigung und Softwareentwicklung am Standort stattfinden, ist das kein abstraktes gesellschaftspolitisches Problem. Es ist ein Rekrutierungsrisiko. Wer internationale Fachkräfte halten will, braucht ein Umfeld, in dem sie sich sicher fühlen.
Energiepolitische Unsicherheit bremst Investitionen
Netzentgelte sind ein zentrales Thema für die Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern. Derzeit sind Betreiber solcher Anlagen in Deutschland von dieser Abgabe befreit. Die Begründung: Batteriespeicher stabilisieren das Stromnetz und entlasten es. Ändern sich diese Regelungen, verschlechtern sich die Kalkulationsgrundlagen für Investoren und Betreiber erheblich.
Schandert beschreibt eine Planungsunsicherheit, die Investoren zurückhält. Viele Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien berichten von häufigen Regeländerungen, die langfristige Projekte erschweren. Die Energiepolitik wird auf Bundesebene gemacht, nicht im Land. Landesregierungen haben dort wenig direkten Einfluss.
Politischer Rechtsruck: Wirtschaftliche Folgen noch offen
In Umfragen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erzielt die AfD Werte von bis zu 42 Prozent. Was eine Regierungsbeteiligung für die Standortbedingungen bedeuten würde, lässt sich nicht präzise beziffern. Tesvolt formuliert keine parteipolitische Präferenz. Was Schandert benennt, ist konkret: Energiepolitische Signale aus dem AfD-Programm weisen in Richtung fossile Energieträger und Atomkraft. Ob eine Landesregierung das umsetzen könnte, ist eine andere Frage. Die Energiepolitik liegt beim Bund.
Was eine Landesregierung beeinflusst: das gesellschaftliche Klima, die Förderkulisse für Innovationsbranchen und das Signal, das Sachsen-Anhalt nach außen sendet. Für Unternehmen, die international rekrutieren und auf Investorenvertrauen angewiesen sind, sind solche Signale relevant.
Fazit
Tesvolt zeigt, was in Sachsen-Anhalt wirtschaftlich möglich ist: Ein 2014 gegründetes Unternehmen hat sich zu einem Hersteller von Großbatteriespeichern mit eigener Gigafactory entwickelt. Die Standortvorteile sind real: günstige Flächen, Fachkräfte, erneuerbare Energie. Sie hängen aber an politischen Entscheidungen und an einem gesellschaftlichen Klima, das qualifizierte Arbeitskräfte anzieht statt abschreckt. Für Unternehmensleitungen in der Region ist das eine nüchterne Bestandsaufnahme, keine Prognose.




















