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Der deutsche Arbeitsmarkt verschiebt sich strukturell. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg hat für das zweite Quartal 2026 eine Teilzeitquote von über 40 Prozent ermittelt – ein Höchstwert. Gleichzeitig sank die Zahl der Vollzeitbeschäftigten um 0,9 Prozent auf 25,138 Millionen. Für Industriebetriebe ist das keine abstrakte Statistik.

Was die Zahlen konkret bedeuten

Die Teilzeitbeschäftigung stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,5 Prozent auf 16,936 Millionen Personen. Die Teilzeitquote legte um 0,4 Prozentpunkte zu. Die Gesamtzahl der Erwerbstätigen sank um 0,5 Prozent auf 45,688 Millionen.

Die Wochenarbeitszeit der Vollzeitbeschäftigten blieb mit 38,32 Stunden konstant. Bei Teilzeitkräften stieg sie leicht auf 18,88 Stunden. Mehr Teilzeitbeschäftigte arbeiten also etwas länger als zuvor, ersetzen aber keine Vollzeitstelle.

Wachstum dort, wo die Industrie nicht ist

Das IAB benennt den Grund für die Verschiebung klar. Die Beschäftigung wächst in Branchen mit hohem Teilzeitanteil: Gesundheits- und Sozialwesen, Erziehung und Unterricht. In diesen Bereichen sind Teilzeitstellen strukturell verbreitet und gesellschaftlich nachgefragt.

In Branchen mit hohem Vollzeitanteil geht die Beschäftigung zurück. Das trifft vor allem die Industrie. Das verarbeitende Gewerbe verlor zuletzt 170.000 Stellen. Allein in Metall, Elektro und Stahl verschwanden 123.000 Arbeitsplätze.

BDI: Monatlich 15.000 Stellen weniger

Der Bundesverband der Deutschen Industrie beziffert den laufenden Stellenabbau auf rund 15.000 Industriejobs pro Monat. BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner bezeichnete die Lage als kritisch. Sie sieht die schleichende Deindustrialisierung als reale Gefahr, hält aber eine Trendwende für möglich.

Bis 2019 wuchsen Privatwirtschaft und Staatssektor noch parallel. Seitdem wächst der Staat, die Industrie schrumpft. Diese Schere öffnet sich weiter.

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Was das für Produktionsbetriebe bedeutet

Wer in der Fertigung plant, hat ein konkretes Problem: Der Pool an Vollzeitkräften wird kleiner. Das betrifft die Neueinstellung ebenso wie die Auslastung von Schichtmodellen, die Berechnung der Gesamtanlageneffektivität (OEE, also das Verhältnis von tatsächlicher zu theoretisch möglicher Produktionsleistung) und die Taktzeit in der Montage.

Teilzeitkräfte lassen sich in vollkontinuierlichen Schichtbetrieben nur begrenzt einsetzen. Wer Engpässe mit Zeitarbeit abfedern wollte, hat auch dort ein Problem: Die Zeitarbeitsbranche verlor zuletzt 27.000 Stellen.

Einkauf und Personalplanung unter Druck

Für Personalabteilungen in der Industrie ergibt sich daraus eine doppelte Herausforderung. Einerseits fehlen Vollzeitkräfte mit technischer Qualifikation. Andererseits sinkt die Zahl der Bewerber, die eine Vollzeitstelle anstreben. Auch der Handel verlor 49.000 Stellen, was den Wettbewerb um verfügbare Arbeitskräfte in bestimmten Regionen verringert, aber das Grundproblem nicht löst.

Für den Einkauf relevant: Wenn Zulieferer denselben Personalengpässen ausgesetzt sind, wächst das Risiko für Lieferverzögerungen. Wer Lieferketten absichern will, sollte die Kapazitätslage bei kritischen Lieferanten neu bewerten.

Fazit

Die IAB-Zahlen zeigen einen strukturellen Wandel, keinen konjunkturellen Ausreißer. Die Industrie verliert Vollzeitstellen, während Teilzeit in anderen Sektoren wächst. Für Fertigungsunternehmen schrumpft der verfügbare Arbeitskräftepool für klassische Industrieberufe messbar. Betriebe, die das in ihrer Personalplanung noch nicht abbilden, sollten das nachholen.