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Die IG Metall hat ihre Tarifforderung für die Metall- und Elektroindustrie festgelegt: fünf Prozent mehr Entgelt, Laufzeit zwölf Monate. Die Tarifbezirke stimmten dieser Linie einmütig zu. Der Vorstand der Gewerkschaft beschloss die Forderung formell am 23. September 2026.

Spaltung der Branche als zentrales Problem

Die Metall- und Elektroindustrie ist keine homogene Größe mehr. IG-Metall-Tarifchefin Nadine Boguslawski formulierte es so: Die wirtschaftliche Lage der Sparten sei noch nie so unterschiedlich gewesen wie heute. Luft- und Raumfahrt sowie IT-Industrie arbeiten nach Einschätzung der Gewerkschaft profitabel. Norddeutsche Betriebe sind vielfach gut ausgelastet.

Auf der anderen Seite baut die Automobilindustrie massiv Stellen ab. Werksschließungen stehen im Raum. Der Maschinenbau steckt ebenfalls in Schwierigkeiten. Rund 175.000 Beschäftigte demonstrierten bei einem bundesweiten Aktionstag der IG Metall gegen den Jobabbau.

Ein Flächentarifvertrag mit fünf Prozent Aufschlag trifft Betriebe in unterschiedlicher Lage gleich hart.

Arbeitgeber: Forderung gefährdet Standorte

Die Arbeitgeberverbände zeichnen ein anderes Bild. Ihr Motto für die Tarifrunde lautet: „Kosten senken, Standort retten.“ Nordmetall-Verhandlungsführerin Lena Ströbele erklärte, fünf Prozent mehr Lohn sei kein geeignetes Signal, um die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland zu bremsen. Der Industriestandort brauche spürbar sinkende Arbeitskosten, nicht steigende.

Südwestmetall-Vorsitzender Sebastian Krause warnte, die Forderung gefährde in der Krise zehntausende Arbeitsplätze. Der Verband bezeichnete die Forderung als „maßlos“.

Für Produktionsleiter und Einkaufsverantwortliche in betroffenen Betrieben ist das keine abstrakte Debatte. Steigende Personalkosten bei gleichzeitig schwacher Nachfrage verengen den Spielraum für Investitionen und verschlechtern die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber ausländischen Standorten.

Volkswagen als Sonderfall mit Signalwirkung

Auch die VW-Tarifkommission fordert fünf Prozent. Die Gewerkschaft begründet das mit Tradition: Der Gleichklang mit dem Flächentarif sei bei Volkswagen üblich. Ergebnisse dort wirken oft als Orientierungspunkt für kleinere Zulieferer und Mittelständler.

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Zeitplan und Eskalationspotenzial

Die ersten Verhandlungsrunden in den Bezirken sind für den Zeitraum 7. bis 14. Oktober geplant. Weitere Termine sollen bis Ende Oktober folgen. Der aktuelle Tarifvertrag läuft am 31. Oktober aus. Danach endet die Friedenspflicht. Warnstreiks wären dann rechtlich möglich.

IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Köhlinger aus dem Bezirk Mitte, zuständig für Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen, stimmte die Tarifkommission in Mainz auf eine harte Auseinandersetzung ein. Die Arbeitgeber führten einen abgestimmten Kampf gegen tarifliche Standards. Warnstreiks noch vor Weihnachten sind realistisch.

Was bedeutet das für Betriebe konkret

Personalkosten sind für die meisten Industriebetriebe der größte Einzelkostenblock. Fünf Prozent auf die Entgeltsumme bedeuten bei einem mittelgroßen Betrieb mit 500 Beschäftigten und einer durchschnittlichen Lohnsumme von rund 45.000 Euro brutto je Stelle eine Mehrbelastung von gut einer Million Euro pro Jahr, allein durch den Tarifeffekt.

Hinzu kommen Sozialversicherungsbeiträge. Betriebe mit schwacher Auslastung haben kaum Spielraum, diesen Anstieg durch Produktivitätszuwächse zu kompensieren. Für Unternehmen mit guter Ertragslage wäre eine Einigung auf diesem Niveau vertretbar.

Öffnungsklauseln, die einzelnen Betrieben abweichende Regelungen erlauben würden, sind bislang nicht Bestandteil der Gewerkschaftsforderung. Genau darin liegt der strukturelle Konflikt dieser Runde.

Fazit

Arbeitgeber und Gewerkschaft liegen nicht nur in den Zahlen, sondern in der Analyse der Lage weit auseinander. Für Betriebsleitungen bedeutet das: Die Unsicherheit über Personalkosten zieht sich mindestens bis November. Wer Kapazitätsplanung, Preiskalkulationen oder Investitionsentscheidungen vor sich hat, sollte verschiedene Szenarien durchrechnen. Ein Abschluss vor Ende Oktober ist unwahrscheinlich.