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In Brasilien und Argentinien verlieren deutsche Automobilhersteller Marktanteile an chinesische Wettbewerber. BYD, Chery und Geely treiben diesen Vorstoß voran, mit einem klaren Schwerpunkt auf Elektrofahrzeugen. Was sich zuvor in China abspielte, vollzieht sich nun in Südamerika.

Neuzulassungen drehen das Kräfteverhältnis um

Lange galten Brasilien und Argentinien als sichere Märkte für Volkswagen, Mercedes-Benz und andere europäische Marken. Diese Gewissheit gilt nicht mehr. Chinesische Hersteller steigern ihre Zulassungszahlen in der Region deutlich. BYD produziert seit Kurzem auch lokal in Brasilien, um Importkosten und Zölle zu senken.

Geely hält gut 26 Prozent an Renault do Brasil. Im Ayrton-Senna-Werk in São José dos Pinhais laufen nun auch Geely-Modelle vom Band. Der Konzern nutzt damit bestehende Infrastruktur, anstatt neu zu investieren. Das spart Zeit und Kapital.

Elektromobilität als Hebel

Der BYD Dolphin ist in Brasilien zum Verkaufsschlager geworden. Er trifft auf eine Käuferschicht, die Elektrofahrzeuge zu wettbewerbsfähigen Preisen kaufen will. Deutsche Hersteller bedienen dieses Segment bislang nicht mit vergleichbarer Breite und Kostenstruktur.

Der Preisunterschied ist erheblich. In Deutschland spart ein Käufer laut verfügbaren Marktdaten bis zu 20.000 Euro, wenn er sich für ein chinesisches Modell statt eines deutschen Pendants entscheidet. In Schwellenländern mit niedrigerem Einkommensniveau wirkt dieser Abstand noch stärker.

Lokale Produktion als Wettbewerbsvorteil

Chinesische Hersteller setzen nicht allein auf Export. Sie bauen Produktionskapazitäten vor Ort auf. In Brasilien ist das bereits Realität. In Europa entstehen ebenfalls Werke, um EU-Zölle zu umgehen und die Lieferkette zu verkürzen. Wer lokal produziert, kann günstiger anbieten und flexibler auf Nachfrageschwankungen reagieren.

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Diese Strategie ist nicht neu. Sie ist das Drehbuch, das japanische und koreanische Hersteller in vergangenen Jahrzehnten nutzten. Chinesische Konzerne setzen es nun konsequent fort.

Der Lkw-Markt steht als nächstes unter Druck

Die Offensive beschränkt sich nicht auf Pkw. Chinesische Lkw-Hersteller verfolgen dieselbe Strategie. Sie setzen auf Elektromobilität, um deutschen Marktführern wie MAN, Daimler Truck und Traton Marktanteile abzunehmen. In deutschen Industriekreisen heißt es, die Präsenz der chinesischen Anbieter erreiche das nächste Level. Das betrifft Fuhrparkbetreiber und Einkaufsabteilungen in Industrie und Logistik direkt.

Was das für deutsche Zulieferer bedeutet

Für Automobilzulieferer mit Kundenbasis bei VW, BMW oder Mercedes-Benz hat diese Verschiebung konkrete Folgen. Schrumpfende Absatzzahlen der Stammkunden bedeuten sinkende Abrufmengen. Wer seine Abnehmerstruktur nicht diversifiziert, gerät in einseitige Abhängigkeit.

Chinesische Hersteller, die in Europa und Südamerika produzieren, werden mittelfristig auch lokale Zulieferer bevorzugen oder ihre eigenen mitbringen. Deutsche Komponentenhersteller müssen prüfen, ob sie in diesen neuen Wertschöpfungsketten eine Rolle spielen können und wollen.

Fazit

Der Marktanteilsverlust in Brasilien und Argentinien ist kein regionaler Ausreißer. Er folgt dem gleichen Muster wie der Rückzug auf dem chinesischen Heimatmarkt. Chinesische Hersteller kombinieren niedrige Preise, Elektroantrieb und lokale Produktion zu einem Angriff auf etablierte Positionen. Für Einkauf, Produktion und Unternehmensführung in der deutschen Automobilindustrie gilt: Die Marktverschiebung läuft. Sie wartet nicht auf eine strategische Antwort.