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Das deutsche Stromnetz steht unter Druck. Nahezu täglich registrieren Netzbetreiber Attacken auf Anlagen der Energieinfrastruktur. E.ON-Chef Leonhard Birnbaum hat sich öffentlich zu den Konsequenzen geäußert. Sein Befund ist für Industrieunternehmen und Mittelständler mit energieintensiver Produktion direkt relevant: Die Versorgungssicherheit ist kein abstrakt-politisches Thema mehr.
Angriffe auf kritische Infrastruktur: Das Ausmaß
E.ON betreibt Stromnetze in Deutschland und weiteren europäischen Ländern und versorgt Städte, Kommunen, Gewerbebetriebe und Industrieanlagen mit Strom und Wärme. Die Netze sind damit ein zentrales Rückgrat der industriellen Produktion.
Die Häufung von Sabotageakten und Angriffen auf Netzanlagen ist dokumentiert. Betroffen sind Umspannwerke, Leitungsmasten und Steuerungsanlagen. Die Angriffe erfolgen sowohl physisch als auch über digitale Kanäle. Für produzierende Unternehmen bedeutet jeder erfolgreiche Angriff auf ein vorgelagertes Netzelement ein potenzielles Versorgungsrisiko.
Drohnen als Überwachungsinstrument
Birnbaum spricht sich für den verstärkten Einsatz von Drohnen zur Überwachung von Netzanlagen aus. Der Ansatz ist technisch nachvollziehbar: Weitläufige Freileitungstrassen und Umspannwerke lassen sich mit bodengebundenem Personal nur eingeschränkt kontrollieren. Drohnen können Areale schnell und wiederholt abfliegen, Anomalien optisch erfassen und Reaktionszeiten verkürzen.
Für Netzbetreiber ist das keine neue Überlegung. Einige Übertragungsnetzbetreiber setzen Drohnen bereits zur Inspektion von Leitungen ein. Der Schritt zur Sicherheitsüberwachung ist eine Ausweitung dieses Konzepts.
Rechtliche und operative Grenzen
Der Drohneneinsatz stößt an regulatorische Grenzen. Luftraumrecht, Datenschutzanforderungen und Genehmigungsverfahren bremsen den flächendeckenden Einsatz. Eine schnelle Skalierung ist ohne gesetzgeberische Anpassungen nicht möglich. Das ist ein Punkt, den Birnbaum indirekt adressiert, wenn er auf politischen Handlungsbedarf verweist.
Was wichtiger ist als technischer Schutz
Birnbaum macht deutlich, dass physische Sicherheitsmaßnahmen allein nicht ausreichen. Den dringenderen Handlungsbedarf sieht er auf systemischer Ebene. Konkret geht es um die Widerstandsfähigkeit des Netzes selbst: Redundanzen, Ausfallszenarien und die Fähigkeit, nach einem Angriff schnell wieder stabile Versorgung herzustellen.
In der Fachsprache heißt das Resilienz. Ein Netz gilt als resilient, wenn es Störungen nicht nur abwehrt, sondern auch verkraftet und sich davon erholt. Für Industriebetriebe ist dieser Aspekt unmittelbar relevant. Ein kurzzeitiger Ausfall eines Umspannwerks kann bei kontinuierlichen Produktionsprozessen erhebliche Folgekosten verursachen.
Netzausbau als Voraussetzung
Ein weiterer Faktor ist der Ausbaustand des Netzes. Deutschland hat in den vergangenen Jahren erhebliche Investitionen in die Energiewende gelenkt, den parallelen Ausbau der Netzinfrastruktur aber vielerorts nicht im gleichen Tempo vollzogen. Engpässe im Übertragungsnetz sind bekannt. Sie erhöhen die Anfälligkeit bei gezielten Störungen, weil Ausweichpfade fehlen oder begrenzt sind.
E.ON selbst investiert nach eigenen Angaben erhebliche Summen in den Netzausbau. Genaue aktuelle Investitionszahlen für 2026 liegen aus den verfügbaren Quellen nicht vor.
Was das für Industrieunternehmen bedeutet
Für Einkaufs- und Produktionsverantwortliche in der Industrie ergibt sich aus der Lage ein konkreter Prüfauftrag. Wer auf unterbrechungsfreie Stromversorgung angewiesen ist, sollte das eigene Risikoprofil kennen. Dazu gehören die Fragen: Über wie viele Einspeisepunkte wird der Betrieb versorgt? Gibt es Notstromaggregate oder unterbrechungsfreie Stromversorgungen für kritische Anlagen? Wie ist der Anschluss an das Verteilnetz strukturiert?
Netzbetreiber wie E.ON sind für die Versorgungssicherheit bis zum Übergabepunkt verantwortlich. Was dahinter passiert, liegt im Verantwortungsbereich des Unternehmens selbst. Diesen Unterschied sollten Entscheider kennen.
Wachsende Bedeutung haben auch Energiebeschaffungsverträge, die Versorgungssicherheit explizit adressieren. Industriestromtarife mit definierten Versorgungsgarantien und Ausfallregelungen sind ein Instrument, das beim nächsten Vertragsgespräch mit dem Versorger auf den Tisch gehört.
Fazit
Die Häufung von Angriffen auf das Stromnetz ist kein vorübergehendes Phänomen. Netzbetreiber reagieren mit technischen Schutzmaßnahmen, stoßen aber an regulatorische und strukturelle Grenzen. Für Industrieunternehmen bedeutet das: Die eigene Versorgungssicherheit lässt sich nicht vollständig an den Netzbetreiber delegieren. Wer Produktionsprozesse betreibt, die auf stabile Stromversorgung angewiesen sind, sollte die eigene Resilienz systematisch prüfen.




















