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Zwei mutmaßliche Anschläge auf die deutsche Strominfrastruktur, beide innerhalb eines Tages: Am Morgen des 2. September 2026 wurden Hochspannungsleitungen nahe dem brandenburgischen Jänschwalde sabotiert. Am selben Abend folgte ein Angriff auf ein Umspannwerk in Bergheim, Nordrhein-Westfalen. Betroffen waren das Braunkohlekraftwerk des Energieunternehmens LEAG und Anlagen des Energiekonzerns RWE. Für Produktionsverantwortliche und Einkaufsleiter stellt sich damit eine konkrete Frage: Wie stabil ist die Versorgung, auf der ihre Betriebe aufbauen?

Keine Ausfälle, aber erhebliche Betroffenheit

Die Angriffe verursachten keine Stromausfälle für die Bevölkerung oder die Industrie. Energieexperten sehen darin einen Beleg für die Stabilität des deutschen Verbundnetzes. Albert Moser, Professor für Übertragungsnetze und Energiewirtschaft an der RWTH Aachen, erklärt das mit Redundanzen im System: Das Netz kann einzelne Ausfälle kompensieren. Im Bedarfsfall kann zusätzlicher Strom aus dem Ausland importiert werden.

Moser warnt jedoch: Wenn mehrere gleichzeitige Attacken auf das System abzielen, steige die Wahrscheinlichkeit eines großflächigen Ausfalls. Auf solche Szenarien bereiten sich Netzbetreiber nach eigenen Angaben vor. Wie konkret diese Vorbereitung ist, bleibt aus Sicherheitsgründen offen.

LEAG und Amprion reagieren mit Sofortmaßnahmen

Das Energieunternehmen LEAG hat nach dem Angriff in Jänschwalde unmittelbar reagiert. Laut einem Unternehmenssprecher wurden zusätzliche Maßnahmen zur engmaschigen Beobachtung sensibler Bereiche ergriffen. Zu technischen Einzelheiten äußert sich das Unternehmen nicht. Gleiches gilt für RWE nach dem Vorfall in Bergheim.

Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion, dessen Leitungen in Bergheim angegriffen wurden, äußert sich konkreter. Amprion-Geschäftsführer Christoph Müller räumt ein: Zäune lassen sich erhöhen, Transformatoren lassen sich einhausen. Das erhöht die Sicherheit. Vollständig schützen lasse sich die Infrastruktur aber nicht, schon allein weil sie an Tausenden Standorten in Deutschland verteilt ist. Ein höherer Zaun sei am Ende immer noch überwindbar.

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Rechtliche Lücken bei der Überwachung

Im Fall Bergheim nutzten die Täter offenbar ein Maisfeld außerhalb des Betriebsgeländes als Abschussposition. Von dort schossen sie in Richtung der Stromleitungen. Videoüberwachung außerhalb des eigenen Geländes ist Netzbetreibern nach geltendem Recht in der Regel nicht erlaubt.

Amprion fordert deshalb gesetzliche Anpassungen. Der Betreiber will Überwachung auch im unmittelbaren Umfeld seiner Anlagen ermöglichen. Unterstützung kommt von Nordrhein-Westfalens Energie- und Wirtschaftsministerin Mona Neubaur. Sie spricht sich dafür aus, Überwachung auch auf den öffentlichen Raum rund um kritische Anlagen auszuweiten, sofern das verhältnismäßig ist.

Ob und wann entsprechende Rechtsänderungen kommen, ist offen. Solange gelten für Netzbetreiber die bestehenden Pflichten aus dem KRITIS-Dachgesetz. Dieses verpflichtet Betreiber kritischer Infrastrukturen, unter anderem physische Sicherheitsmaßnahmen nachzuweisen und Vorfälle zu melden.

Branchenverbände fordern Systemlösungen

Der Verband für erneuerbare Energien hat sich für den Aufbau eines Back-up-Systems ausgesprochen, das im Sabotagefall greift. Die Verbandspräsidentin betont jedoch: Einen vollständigen Schutz vor Anschlägen gibt es nicht. Die bayerische Energiewirtschaft zeigt sich nach eigenen Angaben besorgt über das, was Branchenvertreter als neue Eskalationsbereitschaft beschreiben.

Die Ermittlungsbehörden prüfen, ob es sich um fremdstaatlich gelenkte Sabotage oder um Linksextremismus handelt. Täter und Motiv sind bislang nicht bekannt. Die Ähnlichkeit beider Angriffe in Methode und zeitlicher Nähe gilt als auffällig.

Fazit

Für Unternehmen, die auf eine unterbrechungsfreie Stromversorgung angewiesen sind, zeigen die Vorfälle: Das Verbundnetz ist derzeit stabil genug, um Einzelangriffe aufzufangen. Wer in der Produktion mit Taktzeiten oder kontinuierlichen Prozessen arbeitet, sollte prüfen, welche eigenen Notfallkonzepte für Versorgungsunterbrechungen vorhanden sind. Die Netzbetreiber tun das auf ihrer Seite. Ob die rechtlichen und technischen Voraussetzungen Schritt halten, entscheidet die Politik in den kommenden Wochen.

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