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Deutsche Energieinfrastruktur ist schlecht gegen Sabotage geschützt. Das sagt Torben Kleinfeldt, Unternehmenschef von Friedrich Vorwerk, einem der größten Bauunternehmen für Strom-, Gas- und Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland. Der Ingenieur kennt die Anlagen aus dem Betrieb: Sein Unternehmen plant und baut Erdkabel, Kompressorstationen und Umspannwerke. Rund 2.000 Mitarbeiter sind derzeit auf Baustellen im Einsatz.
Physischer Schutz weit hinter europäischen Standards
Trafostationen und Schaltanlagen in Deutschland sind häufig nicht ausreichend gesichert. Kleinfeldt verweist auf England als Gegenbeispiel. Dort schützen dreireihige Stacheldrahtzäune die Energiezentralen, Wachpersonal mit Hunden ist präsent. In Deutschland fehlt dieser Standard an vielen Standorten.
Das Problem ist struktureller Art. Kritische Infrastruktur, kurz KRITIS, umfasst Anlagen, deren Ausfall gravierende Folgen für Versorgung, Wirtschaft und öffentliche Sicherheit hätte. Das Stromnetz zählt dazu. Dennoch sind die Zugangskontrollen an einzelnen Anlagen lückenhaft.
Besonders problematisch sind die großen Hochspannungstrassen. Sie verlaufen über weite Strecken durch offenes Gelände. Eine lückenlose physische Überwachung ist dort technisch und wirtschaftlich kaum umsetzbar.
Erdkabel schützen besser, aber nicht vollständig
Friedrich Vorwerk hat sich auf die Erdverkabelung spezialisiert. Das Unternehmen bringt Erfahrung aus dem Pipelinebau mit und verlegt Hochspannungskabel unterirdisch. Der Vorteil gegenüber Freileitungen: kein direkter Zugriff von außen, kein Angriff mit einfachen Mitteln.
Doch auch unterirdische Leitungen bieten keinen vollständigen Schutz. Trassenverlauf und Tiefe lassen sich in vielen Fällen aus öffentlich zugänglichen Planungsunterlagen rekonstruieren. Schwachpunkte bleiben die Einspeisepunkte und Übergabestationen an der Oberfläche.
Trotz höherer Baukosten können Erdkabel wirtschaftlich sinnvoller sein als Freileitungen. Sie sind wartungsärmer und halten Extremwetter besser stand. Für Produktionsbetriebe, die auf stabile Versorgung angewiesen sind, ist das ein relevanter Faktor bei der Standortbewertung.
Netzausbau: 320 Milliarden Euro bis 2045 geplant
Die Netzentwicklungsplanung der Bundesregierung sieht bis 2045 Investitionen von 320 Milliarden Euro in das Stromnetz vor. Dieser Betrag übersteigt die geplanten Ausgaben für Gas- und Wasserstoffinfrastruktur deutlich. Rund die Hälfte des Umsatzes von Friedrich Vorwerk entfällt bereits auf den Strombereich.
Der Ausbau kommt voran, aber langsamer als geplant. Große Überlandtrassen hätten ursprünglich 2021 fertiggestellt sein sollen. Genehmigungsverfahren haben sich verzögert, wegen komplexer Naturschutzauflagen, notwendiger Wegerechte auf privaten Grundstücken und des Widerstands von Anwohnern entlang der Trassen.
Kleinfeldt weist auf einen oft übersehenen Punkt hin: Im Vergleich zu Spanien oder den USA ist das deutsche Verteilnetz bereits auf hohem Niveau. In manchen deutschen Regionen sind Verteilnetze vollständig erdverlegt. Das Defizit liegt bei den Transportnetzen, also den langen Trassen zwischen Erzeugungsstandorten im Norden und Verbrauchszentren im Süden.
Was das für Industriebetriebe bedeutet
Für Unternehmen in der Produktion sind zwei Aspekte relevant. Erstens: Die Versorgungssicherheit hängt nicht allein vom Netzausbau ab, sondern auch von dessen physischem Schutz. Sabotage an einer einzigen Umspannanlage kann großräumige Ausfälle verursachen. Betriebe ohne Notstromversorgung oder Redundanz sind in solchen Szenarien besonders exponiert.
Zweitens: Die geplanten Investitionen in die Netzinfrastruktur erzeugen erheblichen Auftragsbedarf. Erdverkabelung, Stationsausbau und Fernwärmeinfrastruktur werden öffentlich ausgeschrieben. Die IHK-Vergabeplattform listet entsprechende Bekanntmachungen. Für Unternehmen im Tief- und Leitungsbau, in der Elektrotechnik oder im Anlagenbau ergeben sich konkrete Marktchancen.
Fazit
Der physische Schutz kritischer Energieinfrastruktur in Deutschland weist nach Angaben von Friedrich-Vorwerk-Chef Kleinfeldt erhebliche Lücken auf. Der Netzausbau schreitet voran, bleibt aber hinter den ursprünglichen Zeitplänen zurück. Für Industrieunternehmen bedeutet das: Eigenvorsorge bei der Versorgungssicherheit bleibt notwendig. Durch die geplanten 320 Milliarden Euro an Netzinvestitionen entstehen konkrete Geschäftsmöglichkeiten für Zulieferer und Dienstleister in der Infrastrukturbranche.




















