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Chinesische Forscher haben eine Beschichtung entwickelt, die Wände und Dächer passiv kühlt. Die sogenannte Superfarbe senkt Wandtemperaturen im Sommer um bis zu 25 Grad Celsius. Strom wird dafür nicht benötigt. Das Material nutzt Strahlungskühlung: Es gibt Wärme als Infrarotstrahlung direkt in den Weltraum ab, ohne die umgebende Luft zu erwärmen. Die chinesische Wissenschaftszeitung Keji Ribao berichtete über die Entwicklung. Die Massenproduktion hat demnach bereits begonnen.

Funktionsprinzip: Wärme ableiten statt Kälte erzeugen

Strahlungskühlung ist kein neues Prinzip. Neu ist das Ausmaß der erreichbaren Temperaturdifferenz und die Verarbeitbarkeit des Materials. Die Beschichtung ist nach Angaben der Entwickler papierdünn und lässt sich wie herkömmliche Farbe auftragen. Das Material reflektiert Sonnenlicht im sichtbaren Spektrum und emittiert gleichzeitig Wärme im mittleren Infrarotbereich. Genau in diesem Frequenzfenster ist die Erdatmosphäre weitgehend durchlässig, sodass Wärme ungehindert ins Weltall gelangt.

Die Oberfläche kühlt sich dadurch unter die Umgebungstemperatur ab. Bei direkter Sonneneinstrahlung und hoher Außentemperatur ist dieser Unterschied besonders groß. Bis zu 25 Grad Celsius unter Umgebungstemperatur soll die Beschichtung erreichen. Dieser Wert gilt für die Wandoberfläche selbst, nicht für den Innenraum.

Relevanz für Industriegebäude und Produktion

Für Produktionsbetriebe mit großen Hallenflächen ist das ein relevanter Ansatz. Viele Industriehallen in Deutschland sind schlecht gedämmt. In Sommern mit Temperaturspitzen über 35 Grad Celsius steigen Innenraumtemperaturen in Produktionshallen auf Werte, die die Arbeitsleistung beeinträchtigen und Kühlenergie erfordern. Klimaanlagen verursachen erhebliche Betriebskosten. Allein die Kühlung von Gewerbe- und Industriegebäuden macht einen nennenswerten Anteil am gewerblichen Stromverbrauch aus.

Eine passive Kühlung der Außenhülle könnte den Wärmeeintrag reduzieren, bevor dieser das Gebäudeinnere erreicht. Ob die Beschichtung unter mitteleuropäischen Klimabedingungen vergleichbare Werte erzielt wie unter chinesischen Sommertemperaturen, ist bislang nicht unabhängig belegt. Chinas Testregionen liegen häufig in kontinentalen Klimazonen mit hoher Sonneneinstrahlung und niedrigem Wassergehalt in der Atmosphäre. Beides begünstigt die Strahlungskühlung.

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Haltbarkeit und Verarbeitbarkeit als Schlüsselfragen

Die Entwickler geben an, das Material sei langlebig und witterungsbeständig. Konkrete Angaben zu Gewährleistungszeiten oder Prüfnormen liegen aus den vorliegenden Berichten nicht vor. Für den industriellen Einsatz sind genau diese Parameter ausschlaggebend. Eine Beschichtung, die nach zwei bis drei Jahren ihre Reflexionseigenschaften verliert, rechnet sich nicht. Europäische Bauvorschriften und Produktnormen würden eigene Zertifizierungsverfahren erfordern, bevor das Material großflächig eingesetzt werden kann.

Die Verarbeitbarkeit als Farbe ist ein praktischer Vorteil. Bestehende Gebäude könnten nachgerüstet werden, ohne aufwendige Dämmmaßnahmen. Das senkt die Einstiegshürde gegenüber Alternativen wie begrünten Dächern oder reflektierenden Metallpaneelen.

Marktreife und Verfügbarkeit in Europa

Die Massenproduktion in China hat laut Keji Ribao begonnen. Ein Vertrieb in Europa ist bislang nicht bekannt. Bis zur Marktreife in Deutschland dürften Zulassungsverfahren, Importlogistik und Qualitätsprüfungen mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Europäische Hersteller von Fassadenfarben und Beschichtungen verfolgen die Entwicklungen im Bereich der Strahlungskühlung seit Jahren. Eigene Produkte mit ähnlichem Ansatz befinden sich in verschiedenen Entwicklungsstadien.

Fazit

Die chinesische Entwicklung zeigt, dass passive Kühlung über Strahlungsemission technisch in anderen Dimensionen möglich ist als bisher bekannt. Ein kurzfristiger Einsatz in deutschen Betrieben ist nicht realistisch. Mittelfristig könnte das Prinzip die Diskussion über Gebäudekühlung ohne Klimaanlage verändern, besonders angesichts steigender Energiekosten und klimabedingter Sommerhitze.