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Die deutsche Automobilindustrie steckt in einer tiefen Strukturkrise. Trotzdem will eine klare Mehrheit der Bevölkerung staatliche Hilfe für die Branche. Das ergibt der ARD-DeutschlandTrend vom September 2026, für den das Institut infratest dimap zwischen dem 31. August und dem 2. September 2026 insgesamt 1.319 Wahlberechtigte befragt hat.
Mehrheit für Staatseingriff trotz Kritik an den Herstellern
62 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass der Staat die Autoindustrie in der aktuellen Lage besonders unterstützt. Ziel soll die Sicherung von Arbeitsplätzen und Produktionskapazitäten in Deutschland sein. Gleichzeitig sagen knapp drei Viertel der Befragten, die Hersteller hätten die Entwicklung alternativer Antriebe in den vergangenen Jahren verschlafen.
Vier von fünf Deutschen bewerten die wirtschaftliche Lage im Land derzeit als schlecht. Ebenso viele halten die Automobilindustrie für die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands für wichtig oder sehr wichtig. Die Branche beschäftigt direkt und indirekt Hunderttausende Arbeitnehmer. Dieses Bewusstsein überwiegt offenbar die Kritik an Managementfehlern.
Parteipolitische Spaltung bei der Frage der Unterstützung
Die Zustimmung zu staatlichen Hilfen ist parteipolitisch unterschiedlich verteilt. Unter AfD-Anhängern befürworten 76 Prozent eine besondere Unterstützung. Bei der Union sind es 67 Prozent, bei der SPD 64 Prozent. Die Anhänger der Linken sind mit 51 Prozent zu 37 Prozent knapp dafür. Einzig die Grünen-Anhänger lehnen eine Sonderunterstützung mehrheitlich ab: 57 Prozent sind dagegen.
Volkswagen steht exemplarisch für den Zustand der Branche. Der Aufsichtsrat stimmte dem Sanierungsplan des Vorstands am 4. September 2026 zu. Der Plan sieht unter anderem weiteren Stellenabbau vor. Sinkende Verkaufszahlen und der Wettbewerbsdruck durch chinesische Hersteller belasten VW und die gesamte Branche.
Zölle und lokale Fertigungsbedingungen als Schutzinstrument
Breite Unterstützung findet auch der Schutz der heimischen Produktion durch Handelspolitik. 37 Prozent der Befragten sprechen sich für eine Ausweitung der EU-Zölle auf alle chinesischen Autoimporte aus. 25 Prozent halten die bestehenden Zölle auf chinesische Elektroautos für angemessen. Nur eine Minderheit will die Maßnahmen reduzieren oder abschaffen.
Zwei Drittel der Befragten befürworten außerdem, staatliche Förderprogramme wie Kaufprämien für Elektroautos oder das Dienstwagenprivileg an eine Bedingung zu knüpfen: Die Fahrzeuge müssten zumindest größtenteils in Europa produziert sein. Die EU arbeitet unter dem Begriff „Industrial Accelerator Act“ an einer entsprechenden Regelung.
Verbrenner oder Elektro: Gesellschaft gespalten
Keine Einigkeit besteht in der Frage der Antriebstechnologie. Die Aussage, Deutschland übertreibe es mit dem Umstieg auf das Elektroauto und solle stärker auf Verbrenner setzen, wird in der Gesamtbevölkerung gleich oft bejaht wie abgelehnt. AfD-Anhänger stimmen ihr mit 83 Prozent deutlich zu. Grünen-Anhänger lehnen sie zu 93 Prozent ab. Unions-Anhänger sind gespalten.
Für Zulieferer und Produktionsverantwortliche ist diese Gemengelage relevant. Die politische Rückendeckung für Schutzmaßnahmen ist vorhanden. Ob und in welcher Form sie kommt, hängt von Entscheidungen in Brüssel und Berlin ab, die noch ausstehen.
Fazit
Die Umfragedaten zeigen: Die Bevölkerung trennt zwischen der Verantwortung der Hersteller für Versäumnisse und dem wirtschaftspolitischen Interesse an einer funktionierenden Automobilindustrie. Staatliche Interventionen haben gesellschaftlichen Rückhalt. Die konkrete Ausgestaltung, ob Kaufprämien, Zölle oder Fertigungsbedingungen für Förderungen, bleibt politisch offen und unternehmerisch schwer planbar.




















