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Shell hat den Verkauf seiner deutschen Tochtergesellschaft Sonnen an den Vermögensverwalter Tiven abgeschlossen. Das bestätigte eine Shell-Sprecherin auf Anfrage. Damit endet ein rund sieben Jahre dauerndes Engagement des britischen Ölkonzerns im Markt für Heimspeichersysteme. Shell bezeichnet die Transaktion als strategischen Rückzug; Marktbeobachter werten sie als kostspieligen Fehler.
Ein Milliardenverlust für Shell
Shell hatte Sonnen im Jahr 2019 für knapp 500 Millionen Euro erworben. Der nun erzielte Verkaufspreis soll laut Insidern im niedrigen dreistelligen Millionenbereich liegen. Hinzu kam eine Finanzspritze im Jahr 2024, mit der Shell den laufenden Betrieb von Sonnen aufrechterhalten musste. Das Handelsblatt spricht unter dem Strich von einem milliardenschweren Verlustgeschäft.
Shell selbst formuliert den Schritt nüchtern. Die Transaktion unterstütze die laufende Portfoliooptimierung, erklärte die Sprecherin. Der Konzern konzentriere sich künftig auf Kernbereiche seiner Energiewertschöpfungskette. Ähnliche Desinvestitionen vollzog Shell zuletzt auch in anderen Segmenten: Der Verkauf von Sprng Energy mit einem erneuerbaren Portfolio von rund 5 Gigawatt an Aditya Birla Renewables folgte derselben Logik.
Tiven: Wenig bekannt über den neuen Eigentümer
Tiven beschreibt sich als internationaler Vermögensverwalter und Family Office mit einer Außenstelle in München. Zentrale Figur ist Gert Purkert, der auch Aurelius gegründet hat und früher für McKinsey tätig war. Auf Anfragen reagierte Tiven zunächst nicht.
Was das Unternehmen mit Sonnen plant, ist bislang nicht öffentlich bekannt. Berichten zufolge will Tiven Sonnen zunächst sanieren und anschließend weiterverkaufen. Eine Bestätigung dieser Pläne liegt nicht vor.
Sonnen: Geschäft mit Fragezeichen
Sonnen ist im bayerischen Wildpoldsried ansässig und gehört zu den bekanntesten Anbietern von Lithium-Eisenphosphat-Batteriespeichern für Privathaushalte in Deutschland und Europa. Das Unternehmen betreibt virtuelle Kraftwerke, bei denen vernetzte Heimspeicher gemeinsam am Strommarkt teilnehmen.
Die Geschäftsjahre der jüngsten Vergangenheit verliefen schwierig. Der Markt für Heimspeicher schwächelte nach einem starken Boom deutlich ab, Sonnen war davon betroffen. Auf der Fachmesse The Smarter E Europe in München war das Unternehmen in diesem Jahr nicht mit einem eigenen Messestand vertreten, sondern lediglich mit einer sogenannten Coffee Corner.
Andreas Plenk, Chief Revenue Officer bei Sonnen, begründete das kurz vor der Messe mit einer geänderten Vertriebs- und Marketingstrategie. Er sprach von wieder wachsenden Auftragsbüchern im Jahr 2025 und einer anziehenden Nachfrage nach zwei schwächeren Jahren. Gleichzeitig räumte er ein, dass viele Installateure mit dem Ausbau ihrer Kapazitäten zögern, weil sie unsicher sind, ob der Aufwärtstrend anhält.
Was bedeutet das für den Speichermarkt?
Der Eigentümerwechsel bei Sonnen fällt in eine Phase, in der der europäische Markt für Heimspeicher nach einem Einbruch wieder Fahrt aufnimmt. Für Installateure, Systemintegratoren und Einkäufer, die Sonnen-Produkte beziehen oder empfehlen, entstehen damit Fragen zur mittelfristigen Verlässlichkeit des Anbieters.
Tiven hat sich zu Investitionsplänen, zur Fortführung des Betriebs und zu einer möglichen Weiterentwicklung des Produktportfolios bislang nicht geäußert. Auch Sonnen selbst ließ Anfragen unbeantwortet. Konkrete Aussagen zu Strategie, Standort oder Personal sind derzeit nicht verfügbar.
Fazit
Shell zieht sich aus dem Heimspeichergeschäft zurück und akzeptiert dabei erhebliche Verluste gegenüber dem Einstiegspreis von 2019. Für Betriebe, die mit Sonnen-Produkten arbeiten oder planen, bleibt die Lage vorerst unübersichtlich. Weder Tiven noch Sonnen haben erklärt, wie es operativ weitergeht. Bestehende Lieferketten und Servicestrukturen sollten daher auf Kontinuität geprüft werden.




















