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Siemens hat Anfang Oktober 2026 die neueste Version seiner Simcenter-Simulationssoftware veröffentlicht. Zum ersten Mal fließen dabei Technologien des übernommenen Anbieters Altair direkt in das Portfolio ein. Das Ergebnis ist ein gemeinsames, KI-gestütztes Simulationspaket, das Konstrukteuren früher im Entwicklungsprozess belastbare Ergebnisse liefern soll.
Was sich konkret ändert
Kern des Updates ist die Integration von PhysicsAI. Dieses Verfahren ersetzt in definierten Szenarien klassische Finite-Elemente-Berechnungen durch KI-Modelle. Die Rechenzeit sinkt nach Herstellerangaben auf einen Bruchteil des bisherigen Aufwands. Ergebnisse, die bisher Stunden benötigten, sollen nun in Sekunden vorliegen. Als Faktor nennt Siemens eine bis zu 1000-fache Beschleunigung gegenüber konventionellen Methoden.
Parallel dazu wird Simsolid stärker in den Workflow eingebunden. Simsolid arbeitet gitterlos, verzichtet also auf die aufwendige Vernetzung (Meshing) der Geometrie. Gerade bei komplexen Baugruppen spart das erheblich Zeit in der Vorbereitung. Für Konstrukteure, die keine ausgewiesenen Simulationsspezialisten sind, senkt das die Einstiegshürde.
Generativer Modus automatisiert Variantenstudien
Neu ist ein generativer Modus für die Designexploration. Das System entwirft und bewertet Geometrievarianten automatisch, ohne dass der Ingenieur jede Iteration manuell anstoßen muss. Für Entwicklungsteams, die unter hohem Zeitdruck viele Designoptionen bewerten müssen, ist das ein relevanter Hebel.
Simcenter STAR-CCM+, das Strömungssimulationsmodul der Plattform, profitiert von GPU-Beschleunigung. Rechenintensive Strömungssimulationen lassen sich damit auf moderner Grafikhardware schneller abarbeiten. Das reduziert die Abhängigkeit von teurer HPC-Cluster-Infrastruktur.
Multiphysik aus einer Hand
Ein strategisches Ziel der Integration ist die Abdeckung von Multiphysik-Workflows innerhalb einer einzigen Plattform. Strukturmechanik, Thermodynamik, Strömung und Elektromagnetik sollen ohne Medienbrüche kombinierbar sein. Bislang erforderten solche Kopplungen oft den Wechsel zwischen verschiedenen Softwareumgebungen und manuelle Datentransfers.
Siemens positioniert das neue Simcenter als Antwort auf gestiegene Anforderungen in der Produktentwicklung: kürzere Entwicklungszyklen, höhere Variantenzahl und der Druck, Fehler früher zu erkennen. Ob das Versprechen im Betriebsalltag eingelöst wird, hängt stark vom jeweiligen Einsatzfall ab.
Relevanz für Mittelstand und Industrie
Für Produktionsunternehmen und Maschinenbauer stellt sich die Frage, ob sich der Umstieg oder die Erweiterung der bestehenden Simulationsinfrastruktur lohnt. Die gitterlose Analyse via Simsolid und die KI-beschleunigte Berechnung könnten vor allem dort ansetzen, wo Simulationen bisher nur von Spezialisten durchgeführt wurden.
Wer Altair-Produkte wie HyperMesh bereits einsetzt, dürfte von der engeren Plattformintegration profitieren. Migrationsaufwand und Lizenzmodelle bleiben vorerst eine offene Variable. Siemens hat dazu bislang keine detaillierten Angaben veröffentlicht.
Fazit
Das neue Simcenter-Release ist der erste konkrete Integrationsschritt nach der Altair-Übernahme. Die technischen Eckdaten, vor allem die KI-beschleunigte Simulation und die gitterlose Analyse, sind substanziell. Für Entwicklungsabteilungen, die heute viel Zeit in Simulationsvorbereitung und Rechenläufe investieren, lohnt eine genauere Prüfung. Die Entscheidung für oder gegen eine Migration hängt von Lizenzkosten, bestehender IT-Infrastruktur und dem konkreten Simulationsbedarf ab.




















