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Siemens Energy trennt sich von seiner kleinsten Sparte. Der Aufsichtsrat hat Ende August 2026 beschlossen, den Bereich Transformation of Industry (TI) eigenständig aufzustellen und den Mehrheitsanteil langfristig zu verkaufen. Rund 17.000 Beschäftigte sind betroffen. Der Schritt trifft auf scharfe Kritik aus der Belegschaft.

Was abgespalten wird

Die Sparte Transformation of Industry umfasst industrielle Dampfturbinen und Kompressoren, Generatoren und Motoren, Elektrolyseure für Wasserstoff sowie maritime und Unterwassertechnik. Hinzu kommen industrielle Elektrifizierungslösungen. Der Bereich bedient keine Stromerzeuger, sondern Industriekunden. Genau das ist der Kern der strategischen Überlegung von CEO Christian Bruch: Siemens Energy soll sich künftig auf Stromerzeugung und Netze konzentrieren.

Den Wert der TI-Sparte schätzen Analysten auf bis zu 11,7 Milliarden Euro. Das Analysehaus Morningstar bewertet die Abspaltung als sinnvoll, weil TI von anderen Wachstumstrends profitiert als die verbleibenden Sparten. Ohne TI wäre Siemens Energy besser vergleichbar mit dem US-Wettbewerber GE Vernova.

Starke Zahlen, trotzdem Trennung

Die Abspaltung kommt zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt. Siemens Energy schreibt in allen vier Sparten schwarze Zahlen. Die Gas- und Netzsparte boomen. Die lange kriselnde Windsparte Gamesa ist erstmals wieder profitabel. Der Aktienkurs erreichte 2026 mehrfach Allzeithochs. Erstmals zahlt das Unternehmen eine Dividende.

Auch TI selbst läuft besser denn je. Im dritten Quartal 2026 lag die operative Marge der Sparte bei 14 Prozent. Bis Ende September 2026 erwartet Siemens Energy einen Nettogewinn von vier Milliarden Euro und einen freien Cashflow vor Steuern von rund acht Milliarden Euro. Für Aktienrückkäufe plant der Konzern bis Ende 2028 insgesamt sechs Milliarden Euro ein.

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Belegschaft und Betriebsrat widersprechen

In einem internen Videocall nach der Aufsichtsratssitzung stellte sich der Vorstand den Fragen der Beschäftigten. Hunderte Mitarbeitende unterstützten kritische Beiträge. Die Kernfrage lautete: Wenn der Konzern 2023 vier Milliarden Euro für die damals verlustreiche Windsparte Gamesa aufbringen konnte, warum dann nicht jetzt Kapital für TI?

Gesamtbetriebsrätin Nadine Florian vom Kompressorenwerk in Duisburg, das direkt betroffen ist, sagt, der Vorschlag komme zur völlig falschen Zeit. Die Belegschaft fühle sich vor die Tür gesetzt, obwohl sie zum Unternehmenserfolg beigetragen habe.

Manuel Bloemers, der Siemens-Energy-Beauftragte der IG Metall, kritisiert, alle vorgetragenen Argumente orientierten sich ausschließlich am Kapitalmarkt. Ein Arbeitnehmervertreter aus dem Unternehmen fasst zusammen: Der Großteil der Belegschaft könne das Vorhaben nicht nachvollziehen.

Intransparente Kommunikation als Zusatzproblem

Erschwerend kommt hinzu, dass die Pläne lange nicht offen kommuniziert wurden. Die Abspaltungsidee kursierte intern, bevor der Aufsichtsrat entschied. Das schürt Misstrauen. Beschäftigte fragen, ob die Sparte vollständig erhalten bleibt oder in Teilen zerschlagen wird.

Ein Konzernsprecher kommentiert zurückhaltend: Man stehe erst am Anfang des Prozesses. Es habe viele Fragen gegeben, aber auch Interesse daran, die Chancen zu verstehen.

Was Investoren und Analysten sagen

An den Kapitalmärkten fällt die Reaktion anders aus. Eine klarere Struktur erleichtert die Bewertung einzelner Geschäftsbereiche, Investoren können gezielter einsteigen. TI macht nach Schätzung des Analysten Ben Uglow von Oxcap Analytics rund zehn Prozent des Unternehmenswerts aus. Andere Schätzungen nennen einen Gesamtwert von mindestens zehn Milliarden Euro für die Sparte.

Fazit

Für Industrieunternehmen, die Siemens Energy als Lieferanten für Kompressoren, Dampfturbinen oder Elektrolyseure nutzen, bedeutet die Abspaltung zunächst Unsicherheit über künftige Eigentümerstrukturen und strategische Prioritäten. Der Verkaufsprozess läuft an, erste Bieter sollen sich bereits gemeldet haben. Ob die Sparte als Ganzes veräußert wird oder in Teilen, ist offen. Ein Eigentümerwechsel kann Lieferkonditionen, Service-Strukturen und Investitionsbereitschaft des Lieferanten verändern.

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