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Die veränderte Sicherheitslage in Europa treibt die Beschaffung von Rüstungsgütern deutlich an. Panzer, Munition und gepanzerte Fahrzeuge werden von Streitkräften in großem Umfang nachgefragt. Hinter vielen dieser Systeme stecken Vormaterialien und Komponenten der SHS-Gruppe, dem Verbund aus Dillinger, Saarstahl und Saarschmiede mit Sitz im Saarland.
Drei Unternehmen, eine Lieferkette
Die SHS-Gruppe, offiziell SHS – Stahl-Holding-Saar, vereint drei Produktionseinheiten: die Aktiengesellschaft der Dillinger Hüttenwerke, die Saarstahl Aktiengesellschaft und die Saarschmiede GmbH Freiformschmiede. Diese Kombination aus Stahlherstellung, Grobblech-Walzwerk, Stabwalzwerk und Schmiede ist im deutschen Markt in dieser Form einzigartig. Für Einkäufer in der Rüstungsindustrie bedeutet das: Vormaterial und komplexe Komponenten können aus einer Quelle bezogen werden.
Panzerstahl von Dillinger: Vollsortiment mit Bundeswehr-Zulassung
Dillinger produziert unter der Marke Difender hochlegierte Vergütungsstähle für gepanzerte Fahrzeuge. Das Unternehmen liefert mehr als zehn verschiedene Güten in Dicken von sechs bis 150 Millimetern. Die Härtegrade reichen von 270 bis 600 HBW. Neun dieser Güten sind von der Bundeswehr nach TL 2350-0000 zugelassen. Damit ist Dillinger der einzige Lieferant in Deutschland, der ein derart breites, vollständig zugelassenes Sortiment anbietet.
Die Difender-Stähle sind unter anderem in den Bundeswehr-Fahrzeugen Fuchs und GTK Boxer verbaut. Produziert wird an zwei Standorten: Dillingen im Saarland und Dünkirchen in Frankreich. Diese doppelte Fertigungsbasis sichert Kapazität auch bei hoher Nachfrage.
Verarbeitungseigenschaften beim Kaltkanten und Schweißen
Für Konstrukteure in Rüstungsbetrieben sind die Verarbeitungseigenschaften relevant. Difender-Stähle erlauben beim Kaltkanten Grenzradien, die laut Dillinger zu den besten am Markt zählen. Bei gleicher Härte kann das Material nachweislich dünner eingesetzt werden. Das reduziert das Fahrzeuggewicht, ohne den ballistischen Schutz zu verringern. Beim Schweißen gilt Difender nach Unternehmensangaben als führende Güte seiner Klasse.
Dillinger produziert die Bleche auch in Sonderformaten: Breiten über drei Meter und Längen von mehr als 20 Metern sind möglich. Das verringert den Verschnitt und senkt die Fertigungskosten beim Verarbeiter.
Saarstahl und Saarschmiede: Stab und Schmiedeteil
Während Dillinger das Grobblech liefert, steuert Saarstahl Stabstahl und Langprodukte bei. Diese werden unter anderem für Munitionskomponenten und strukturelle Teile von Waffensystemen benötigt. Die Saarschmiede ergänzt das Portfolio mit Freiformschmiedeteilen. Freiformschmieden, also das Umformen von Stahl ohne feste Gesenke, erlaubt die Herstellung sehr großer und geometrisch komplexer Bauteile. Für schwere Waffensystemkomponenten ist das oft die einzige technisch mögliche Fertigungsmethode.
Die Kombination aller drei Einheiten erlaubt es der SHS-Gruppe, Rüstungshersteller von der Rohmaterialstufe bis zur einbaufertigen Komponente zu begleiten. Für Einkaufsleiter bedeutet das eine geringere Anzahl an Lieferanten bei gleichzeitig hoher Fertigungstiefe.
Kapazitäten und Zulassungen als Engpassfaktor
Die Rüstungsindustrie steht vor einem strukturellen Problem: Die Nachfrage steigt schnell, doch qualifizierte Zulieferer mit den nötigen Behördenzulassungen sind rar. Panzerstahl ist kein Standardprodukt. Er muss nationale und internationale Normen der Nato-Partner erfüllen und für konkrete Fahrzeugprojekte zugelassen sein. Dieser Zulassungsprozess dauert Jahre. Wer ihn bereits durchlaufen hat, hat einen Wettbewerbsvorteil, den Newcomer kurzfristig nicht aufholen können.
Dillinger hat diese Zulassungen für neun Güten bereits. Das verschafft dem Unternehmen eine strukturell gesicherte Lieferantenposition, solange die Bundeswehr und ihre Partner auf diese Fahrzeugtypen setzen. Für Einkaufsverantwortliche in der Verteidigungsindustrie ist dieser Punkt relevanter als der Preis pro Tonne.
Fazit
Die SHS-Gruppe ist im deutschen Markt aktuell einer der wenigen Lieferanten, der Panzerstahl, Langprodukte und Schmiedeteile aus einer integrierten Struktur heraus anbieten kann. Wer in der Rüstungslieferkette beschafft, kommt an dieser Gruppe kaum vorbei. Für mittelständische Zulieferer, die eigene Stahlkomponenten für Verteidigungskunden qualifizieren wollen, zeigt das Beispiel SHS: Behördenzulassungen und langjährige Kundenprojekte sind der eigentliche Marktzugang. Ohne sie bleibt man Sublieferant ohne direkten Zugang zum Systemhersteller.




















