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Mehrere tausend Dollar für eine fünftägige Studienreise nach Shenzhen oder Hangzhou: Ein wachsendes Segment von Beratungsunternehmen organisiert gezielte Industrietouren für westliche Manager, Investoren und Gründer in China. Der Anlass ist weniger Neugier als strategisches Kalkül.

Organisierter Zugang zum chinesischen Innovationsökosystem

Robert Wu, Chef des Shanghaier Datenanalyseunternehmens Baiguan, hat bislang mehr als zwei Dutzend Teilnehmer durch Chinas Technologiezentren geführt. Für ein fünftägiges Programm verlangt er bis zu 15.000 US-Dollar. Rui Ma, eine in der Branche bekannte Investorin, organisiert solche Reisen bereits seit 2019 und hat seitdem elf Touren durchgeführt. Zu den dokumentierten Teilnehmern zählen die US-Investmentfirmen Dimension, Capital Group und Thrive Capital.

Die Routen führen in Industriezentren wie Peking, Shenzhen und Hangzhou. Dort besichtigen die Gruppen E-Auto-Fabriken, Batteriehersteller, KI-Entwicklungsstandorte und Robotikbetriebe. Die Nachfrage nach Werksbesichtigungen ist messbar: Plätze in der Xiaomi-Automobilfabrik, die per Losverfahren vergeben werden, wechseln auf dem Schwarzmarkt für bis zu 300 US-Dollar den Besitzer.

Warum europäische Führungskräfte hinfahren

KI-Berater Alex Shengyun Lu, der seit Ende 2025 sieben Delegationen begleitet hat, beschreibt die Haltung der Besucher so: Sie kommen mit zwei konkreten Fragen. Erstens, was sie von chinesischen Unternehmen lernen können. Zweitens, was der staatlich gesteuerte Ansatz bei Technologieinvestitionen für ihre eigene Branche bedeutet.

Für Vertreter europäischer Industrie- und Mittelstandsunternehmen ist das relevant. Chinesische Anbieter sind in vielen Segmenten, etwa bei Batterietechnik, Leistungselektronik und Industrierobotik, auf Weltmärkten präsent. Wer in diesen Bereichen einkauft, produziert oder Wettbewerber beobachtet, begegnet chinesischen Unternehmen ohnehin, ob auf Messen, in Ausschreibungen oder als Lieferant.

Shenzhen als Anlaufpunkt für Produktentwickler

Der US-Berater Joshua Woodard, der in Shenzhen Fabriktouren organisiert, berichtet von Chat-Gruppen mit 400 Mitgliedern, die zwischen dem Silicon Valley und Shenzhen pendeln. Gründer nutzen die visafreie Einreise von zehn Tagen, um Fertigungspartner für Prototypen zu identifizieren. Politische Spannungen zwischen den USA und China spielen für diese Gruppe nach Woodards Einschätzung keine praktische Rolle.

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Staatliche Förderung und Grenzen des Formats

Peking betreibt den Industrietourismus gezielt. Über 140 offizielle Vorzeigestandorte sind ausgewiesen. Laut chinesischen Staatsmedien erwirtschaftete der Industrietourismus im vergangenen Jahr 17,8 Milliarden US-Dollar. Bis 2029 soll der Umsatz die Marke von 44,6 Milliarden US-Dollar überschreiten.

Robert Wu weist darauf hin, dass Besucher häufig mit falschen Vorannahmen anreisen. Ein Beispiel: Chinas Robotaxi-Sektor gilt vielen als dem amerikanischen überlegen, hinkt aber wegen politischer Zurückhaltung im Inland tatsächlich hinterher. Die Sorge der Regierung vor Jobverlusten bremst den flächendeckenden Einsatz.

Wer gezielt ausgewählte Vorzeigebetriebe besichtigt, sieht das, was gezeigt werden soll. Das schränkt den analytischen Wert solcher Touren ein.

Fazit

Chinesische Wettbewerber in Schlüsselbranchen wie Elektromobilität, Batterietechnik und Industrierobotik sind keine abstrakte Zukunftsgröße mehr. Sie sind Einkaufsquelle, Konkurrent und in manchen Segmenten Maßstab für Produktionseffizienz. Wie fundiert eine direkte Beobachtung durch kurze Studienreisen sein kann, ist dabei eine andere Frage.