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Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat dem staatlichen Energieunternehmen Sefe eine formale Anweisung erteilt. Bis zum 15. Dezember 2026 muss Sefe acht Terawattstunden (TWh) Erdgas beschaffen und einspeichern. Eine Terawattstunde entspricht der Energiemenge, die rund 50.000 Einfamilienhäuser ein Jahr lang beheizen kann. Die Entscheidung traf Reiche in Absprache mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
Füllstände auf historischem Tiefstand
Die deutschen Gasspeicher sind derzeit zu knapp 58 Prozent gefüllt. Das Gesamtvolumen der deutschen Speicherkapazitäten liegt bei rund 247 TWh. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres betrug der Füllstand fast 77 Prozent. In früheren Jahren erreichten die Speicher Ende September Werte von 90 Prozent und mehr.
Der Branchenverband Initiative Energien Speichern hatte bereits Anfang September gewarnt. Damals lag der Füllstand bei rund 53 Prozent – der niedrigste Stand zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der Aufzeichnungen vor 15 Jahren. Bei einem sehr kalten Winter könne es im Januar zu Gasengpässen kommen, so die Warnung des Verbands.
Warum die Händler nicht kaufen
Das Speichergeschäft folgt einer einfachen Logik. Großhändler kaufen im Sommer günstig Gas ein, lagern es und verkaufen es im Winter mit einem Aufschlag. Der Aufschlag soll die Speicherkosten decken und einen Gewinn abwerfen. Dieses Kalkül funktioniert derzeit nicht mehr.
Hauptursache ist die Preisentwicklung infolge des Iran-Krieges. Die Preisstruktur am Terminmarkt macht die Einlagerung für Händler kaum rentabel. Wer Gas im Sommer kauft und erst im Winter verkaufen kann, trägt ein erhebliches Preisrisiko. Private Akteure halten sich daher zurück, die Speicher bleiben halb leer.
Staatlicher Eingriff als Notfallmaßnahme
Reiche hatte einen direkten Markteingriff lange abgelehnt. Ihre Position war klar: Die Versorgungssicherheit liegt zuerst in der Verantwortung der Marktteilnehmer. Bereits Mitte September hatte sie Sefe mit einem finanziellen Anreiz zum Einkauf bewogen. Das war jedoch keine formale Weisung.
Nun geht das Ministerium einen Schritt weiter. Die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums begründete den Schritt mit geopolitischen Risiken. Aus Sicht der Krisenvorsorge sei die Maßnahme notwendig, um die Resilienz der deutschen Gasversorgung zu stärken. Engpässe sieht das Ministerium dennoch nicht.
Sefe agiert eigenständig am Markt
Sefe wird selbst entscheiden, wann und in welchen Mengen eingekauft wird. Das Unternehmen soll die acht TWh über zusätzliche Lieferverträge beschaffen. Die Kontingente anderer Marktteilnehmer sollen dabei nicht berührt werden. Sefe tritt also als zusätzlicher Käufer auf, nicht als Verdrängungswettbewerber.
Sefe war früher als Gazprom Germania bekannt und gehörte zum russischen Staatskonzern Gazprom. Im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und der darauf folgenden Energiekrise wurde es verstaatlicht. Die EU-Kommission hat festgelegt, dass der Bund Sefe bis Ende 2028 wieder weitgehend privatisieren muss.
Signal an die gesamte Branche
Das Ministerium formuliert die Anweisung an Sefe ausdrücklich auch als Signal. Alle anderen Marktteilnehmer stehen weiterhin in der Pflicht, Gas für den Winter einzuspeichern. Die Erwartung des Ministeriums gilt ohne Einschränkung.
Für die mittlere Frist plant die Bundesregierung eine strategische Gasreserve. Der Start ist für 2027 vorgesehen, sobald der Bundestag die notwendige Gesetzesänderung beschlossen hat. Deutschland hätte damit erstmals eine staatlich gesteuerte Mindestmenge an Gasreserven.
Fazit
Für Unternehmen mit hohem Gasverbrauch ist die Lage ein klares Warnsignal. Ein sehr kalter Winter kann die Versorgungslage im Januar unter Druck setzen. Wer Spielraum beim Einkauf hat, sollte die eigene Beschaffungsplanung für das erste Quartal 2027 überprüfen. Die Maßnahmen des Bundes dämpfen das Risiko, beseitigen es aber nicht.




















