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Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat ihre bisherige Linie aufgegeben. Die CDU-Politikerin ließ staatliche Eingriffe zur Befüllung der deutschen Gasspeicher bislang nicht zu. Nun hat sie den bundeseigenen Gasimporteur Sefe angewiesen, zusätzliches Erdgas zu kaufen. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf Regierungskreise. Die Käufe haben demnach bereits begonnen.

Füllstand bei 56 Prozent: Gesetzliches Ziel in Gefahr

Die deutschen Gasspeicher sind derzeit zu rund 56 Prozent gefüllt. Das ist für Mitte September ungewöhnlich niedrig. Gesetzlich vorgeschrieben ist zum 1. November ein Füllstand von 80 Prozent. Weil für einzelne Speicher Ausnahmen gelten, liegt der rechnerisch maßgebliche Zielwert laut Handelsblatt bei 71 Prozent. Sefe soll dazu beitragen, diesen Wert noch zu erreichen, möglicherweise mit leichter Verzögerung.

Hintergrund der schleppenden Speicherbefüllung ist unter anderem die Lage rund um die Straße von Hormus. Der Konflikt dort belastet die Energiepreise. Für private Händler ist es derzeit wirtschaftlich unattraktiv, Gas einzukaufen und für den Winter einzulagern. Der Markt füllt die Speicher deshalb nicht ausreichend schnell.

Sefe kauft in kleinen Schritten

Sefe geht beim Einkauf behutsam vor. Ziel ist es, den Gasmarkt so wenig wie möglich zu bewegen und die Preise nicht zusätzlich nach oben zu treiben. Aus Regierungskreisen heißt es laut Handelsblatt, die Käufe sollen „minimalinvasiv und kosteneffizient“ ablaufen. Das Umfeld der Ministerin rechnet für Sefe mit einer Bilanzbelastung von etwa 40 bis 60 Millionen Euro.

Reiche hatte staatliche Käufe zuvor explizit abgelehnt. Ihre Begründung: Ein Eingriff des Bundes würde die Preise weiter treiben und den Markt verzerren. Für diese Haltung hatte die Ministerin zuletzt auch innerparteiliche Kritik erhalten. Vertreter der Grünen bestellten Reiche in eine Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses.

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Uniper bleibt außen vor

Der ebenfalls bundeseigene Energiekonzern Uniper ist an den Zukäufen nicht beteiligt. Im Bundesfinanzministerium bestehen Vorbehalte. Dort wird befürchtet, dass zusätzliche Gaskäufe durch Uniper die geplante Privatisierung des Unternehmens erschweren könnten. Sefe und Uniper waren während der Energiekrise 2022 verstaatlicht worden. Beide Unternehmen müssen nach Auflagen der EU-Kommission bis spätestens Ende 2028 wieder weitgehend privatisiert sein.

Das Wirtschaftsministerium sieht mögliche Folgen der Sefe-Käufe für eine spätere Privatisierung des Unternehmens als überschaubar an. Die finanzielle Belastung sei begrenzt, der Handlungsdruck hingegen hoch.

Was das für Industrieunternehmen bedeutet

Für gasintensive Betriebe ist die Lage ernst. Niedrige Speicherstände erhöhen das Preisrisiko für den Winter. Wer Gaslieferverträge mit variablen Preisanteilen hat, sollte die Marktentwicklung eng verfolgen. Die Bundesnetzagentur hält die Versorgung derzeit für stabil. Vor Engpässen wird jedoch gewarnt, wenn der Winter früh und kalt einsetzt und die LNG-Versorgung weiterhin stockt.

Unternehmen, die im Rahmen der Notfallplanung als unterbrechbare Verbraucher eingestuft sind, sollten prüfen, ob ihre Notfallkontakte und internen Abläufe für einen möglichen Lastabwurf aktuell sind. Erste Betriebe haben mit entsprechenden Vorbereitungen begonnen.

Fazit

Berlin greift in den Gasmarkt ein, wenn auch mit begrenztem Volumen. Die Kurskorrektur von Ministerin Reiche kommt spät. Ob Sefe die Lücke bis November noch schließen kann, hängt von der Marktlage und den Witterungsbedingungen ab. Für die Industrie bleibt die Gasbeschaffung für den Winter ein offenes Risiko.