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Die Schwarz-Gruppe baut ihr Digitalgeschäft mit einem Milliardenprojekt aus. In Dummerstorf bei Rostock entsteht ein Rechenzentrum mit einer Anschlussleistung von 240 Megawatt. Die geplanten Investitionskosten belaufen sich auf rund 5,6 Milliarden Euro. Fertigstellung ist bis 2033 vorgesehen. Langfristig soll die Anlage auf eine Leistung von einem Gigawatt erweiterbar sein.
Vom Handelsdaten-Speicher zum Cloud-Anbieter
Zunächst soll das Rechenzentrum die eigenen Handelsdaten der Schwarz-Gruppe verarbeiten. Dazu gehören Liefer- und Bestellprozesse, Bezahlvorgänge und Kundenbindungsprogramme der Ketten Lidl und Kaufland. Der Konzern beschäftigt weltweit mehr als 600.000 Mitarbeiter und erzeugt damit ein erhebliches Datenvolumen.
Die Schwarz-Gruppe verfolgt parallel ein weitergehendes Ziel. Die Digitalsparte Schwarz Digits betreibt unter dem Namen STACKIT eine eigene Cloud-Infrastruktur. Diese richtet sich an Unternehmen und öffentliche Einrichtungen, die Daten nach europäischen Datenschutzstandards verarbeiten wollen. Das neue Rechenzentrum soll diese Plattform kapazitiv erheblich stärken.
Konzernchef Gerd Chrzanowski formulierte die Stoßrichtung klar: Digitale Souveränität entstehe nicht durch Appelle, sondern durch verlässliche Infrastruktur und praxistaugliche Anwendungen. Das Unternehmen positioniert sich damit als europäische Alternative zu den dominierenden US-Hyperscalern Amazon Web Services und Microsoft Azure. Als Hyperscaler bezeichnet man Cloud-Anbieter, die weltweit Server in großem Maßstab betreiben und darüber Rechenleistung, Speicher und KI-Dienste bereitstellen.
Brandenburg folgt Mecklenburg-Vorpommern
Das Projekt in Dummerstorf ist nicht das einzige dieser Größenordnung. In Lübbenau in Brandenburg errichtet Schwarz auf einem ehemaligen Kraftwerksgelände ein weiteres Großrechenzentrum mit 200 Megawatt Anschlussleistung. Die Fertigstellung dort ist bis Ende 2027 geplant. Die Investitionskosten belaufen sich auf elf Milliarden Euro. Das entspricht der bislang größten Einzelinvestition in der Geschichte des Unternehmens.
Damit betreibt Schwarz künftig mehrere Großstandorte in Deutschland. Vier Rechenzentren sind bereits in Betrieb. Mit den neuen Projekten baut der Konzern eine Infrastruktur auf, die in Größe und Leistung mit etablierten amerikanischen Anbietern konkurrieren soll.
Standortwahl: Windstrom und Höchstspannungsnetz
Die Wahl von Dummerstorf bei Rostock folgt konkreten technischen Kriterien. Der Standort hat einen Anschluss an das Höchstspannungsnetz, was einen effizienten Transport großer Strommengen zur Anlage ermöglicht. An der Ostseeküste steht Windstrom in erheblichen Mengen zur Verfügung. Rechenzentren sind stromintensive Infrastruktur; ihre Standortwahl folgt deshalb zunehmend der Nähe zu erneuerbaren Energiequellen und leistungsfähigen Netzen.
Was bedeutet das für Industrie und Mittelstand
Für Unternehmen, die Cloud-Dienste nutzen oder planen, verändert sich der Anbietermarkt. Mit STACKIT und dem Ausbau durch Schwarz Digits wächst das Angebot europäischer Alternativen zu US-Plattformen. Das ist für Betriebe relevant, die Daten nach der EU-Datenschutzgrundverordnung verarbeiten müssen oder sensible Produktionsdaten nicht auf US-Servern lagern wollen.
Der Wettbewerb bleibt dabei asymmetrisch. AWS und Azure haben globale Netzwerke, jahrelange Entwicklungsvorsprünge und massive Rechenzentrumskapazitäten. STACKIT befindet sich noch im Aufbau. Ob die Schwarz-Gruppe die technische Reife und Skalierbarkeit eines vollwertigen Hyperscalers erreicht, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
Für IT-Verantwortliche gilt: Der Markt für europäische Cloud-Infrastruktur wird konkreter. Die Schwarz-Gruppe investiert in Kapazitäten, die perspektivisch auch externen Kunden offenstehen sollen. Das erweitert die Auswahlmöglichkeiten bei der nächsten Ausschreibung für Cloud- oder Rechenzentrumsdienste.
Fazit
Die Schwarz-Gruppe tritt mit Investitionen im zweistelligen Milliardenbereich als ernstzunehmender Akteur im europäischen Rechenzentrumsmarkt auf. Die Projekte in Dummerstorf und Lübbenau schaffen Kapazitäten, die über den eigenen Handelsbedarf weit hinausgehen. Ob daraus ein wettbewerbsfähiger Hyperscaler entsteht, ist offen. Der Infrastrukturaufbau selbst ist Realität.




















