Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.
Der japanische Yen notiert auf dem tiefsten Stand seit rund 40 Jahren. Eine gemeinsame Devisenmarktintervention von Japan und den USA brachte nur kurze Erholung. Der Abwärtsdruck kehrte rasch zurück. Für Industrieunternehmen und Einkäufer, die Vorleistungen aus Japan beziehen oder mit japanischen Lieferanten arbeiten, hat das direkte Konsequenzen.
Ausmaß des Währungsverfalls
Allein in den vergangenen fünf Jahren verlor der Yen gegenüber dem Euro rund ein Drittel seines Wertes. Gegenüber dem US-Dollar fiel die Währung zeitweise auf den schwächsten Stand seit 1986. Japan ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt. Kein geldpolitisches Instrument konnte die Abwertung bislang dauerhaft stoppen.
Für europäische Unternehmen, die Bauteile, Maschinen oder Rohstoffe aus Japan importieren, bedeutet das: Die Preise in Euro sind gesunken. Wer dagegen Waren nach Japan exportiert, verliert dort Kaufkraft. Japanische Abnehmer können sich weniger leisten.
Zinsschere als Hauptursache
Der entscheidende Mechanismus ist struktureller Natur. Die US-Notenbank Fed hob ihre Leitzinsen in den vergangenen Jahren mehrfach deutlich an, um die Inflation zu bekämpfen. Die Bank of Japan hielt dagegen an ihrer Niedrigzinspolitik fest. Der Leitzins in Japan liegt weiterhin nahe null.
Diese Zinsdifferenz löst einen Mechanismus aus, den Marktteilnehmer als Carry Trade bezeichnen: Investoren leihen sich Yen zu minimalen Kosten und kaufen damit Dollar-Anlagen mit deutlich höherer Verzinsung. Das Ergebnis ist struktureller Verkaufsdruck auf den Yen. Solange die Zinsdifferenz besteht, hält dieser Druck an. Kurze Interventionen ändern daran nichts grundlegend.
Politische Wurzeln der Schwäche
Die Niedrigzinspolitik hat eine lange Vorgeschichte. Der frühere Ministerpräsident Shinzo Abe, 2022 ermordet, machte sie zum Kern seines Wirtschaftsprogramms. Japan stagnierte seit den 1990er Jahren. Deflation und demografischer Rückgang bremsten das Wachstum. Mit Nullzinsen und lockerem Kredit sollte der Wirtschaftskreislauf wieder in Gang kommen. Ein schwacher Yen galt dabei als Mittel, die Exportwirtschaft zu stärken.
Die Rechnung ging nur teilweise auf. Japans Exporte legten zwar zu. Die Reallöhne aber stagnierten. Das erhoffte Wachstum des Bruttoinlandsprodukts blieb aus. Hinzu kommt: Japan ist mit über 200 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts verschuldet. Der Spielraum für klassische Gegenmaßnahmen ist begrenzt.
Historisches Muster: Der Konflikt mit Washington
Die Kritik am schwachen Yen ist nicht neu. Bereits in den 1980er Jahren warfen die USA Japan vor, die Währung künstlich niedrig zu halten, um Exporte zu verbilligen. 1985 mündete dieser Druck in das Plaza-Abkommen. Die führenden Industrienationen einigten sich damals, den Dollar gegenüber dem Yen und der Deutschen Mark abzuwerten. Die Parallelen zur heutigen Diskussion über Chinas Währungspolitik sind offensichtlich.
Washington erneuerte zuletzt die Kritik. Die US-Regierung bezeichnete die japanische Geldpolitik erneut als wettbewerbsverzerrend. Das erschwert koordinierte Interventionen. Die gemeinsame Aktion von Bank of Japan und US-Notenbank brachte zwar kurzfristig eine Aufwertung. Die Kapitalströme drehten sich jedoch nicht grundlegend um.
Folgen für Einkauf und Produktion
Für Einkaufsleiter in deutschen Industrie- und Mittelstandsunternehmen ergeben sich konkrete Effekte. Wer Präzisionsteile, optische Komponenten oder Industrieroboter aus Japan bezieht, zahlt in Euro weniger als noch vor fünf Jahren. Das verbessert die Kalkulationsbasis. Längerfristige Lieferverträge in Yen können allerdings das Wechselkursrisiko erhöhen, sobald die Bank of Japan die Zinsen anhebt.
Japanische Lieferanten selbst stehen unter Druck. Ihre Importkosten für Rohstoffe und Energie, die in Dollar abgerechnet werden, sind stark gestiegen. Das belastet die Margen. Einige Hersteller haben bereits Preiserhöhungen für den Export angekündigt oder durchgesetzt.
Fazit
Die Schwäche des Yen ist kein vorübergehendes Marktphänomen. Sie spiegelt strukturelle Unterschiede in der Geldpolitik, eine hohe Staatsverschuldung und politische Interessenkonflikte wider. Solange die Bank of Japan den Leitzins nicht spürbar anhebt, bleibt der Abwärtsdruck bestehen. Unternehmen, die Geschäfte mit Japan machen, sollten ihre Währungsabsicherung prüfen und die Zinspolitik in Tokio beobachten.




















