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Schaeffler erprobt vom 14. bis 16. August 2026 bei der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft am Nürburgring eine nasslaufende Lamellenbremse unter realen Hochlastbedingungen. Eingebaut ist das System in einen Audi R8 LMS GT2, der dort als Renntaxi eingesetzt wird. Es handelt sich um eine Vorstudie für den späteren Serieneinsatz.
Geschlossenes System statt offener Bremsscheibe
Nasslaufende Lamellenbremsen arbeiten nach einem anderen Prinzip als konventionelle Scheibenbremsen. Die Bremslamellen laufen in einem geschlossenen Ölbad. Dadurch entsteht kein Bremsenfeinstaub, Korrosion durch Feuchtigkeit oder Schmutz fällt weg. Schaeffler verspricht stabile Reibwertverhältnisse und gleichbleibende Bremsleistung unabhängig von äußeren Einflüssen.
Verbaut sind die Bremsen an der Hinterachse des Fahrzeugs. Das geschlossene System bringt allerdings eine konstruktive Herausforderung mit: Die entstehende Wärme lässt sich nicht mehr über Fahrtwind und offene Bremsscheiben abführen. Schaeffler hat dafür ein eigenes Thermomanagement entwickelt, das hydraulische Druck- und Saugpumpen sowie mehrere Wärmetauscher umfasst.
Hochleistungstest liefert Daten für die Serienentwicklung
Andreas Wassmer, Leiter Konzeptfahrzeugentwicklung bei Schaeffler, ordnet den Test ein: Das System im Renntaxi sei eine motorsportspezifische Lösung. Die erforderlichen Kühlleistungen pro Bremse liegen dort deutlich höher als im Pkw-Alltag. Die gewonnenen Daten sollen die Grundlage für die Auslegung einer Beölungsstrategie künftiger E-Achsen mit integriertem Bremssystem bilden.
Das erklärte Entwicklungsziel ist eine kompakte Systemeinheit für elektrische Achsen, in der Bremse, Aktuator und Öl- beziehungsweise Kühlkreis gemeinsam untergebracht sein sollen. Langfristig könnte dieses Konzept klassische Scheiben- oder Trommelbremsen in bestimmten Anwendungen ersetzen. Ein erstes Konzeptfahrzeug mit integrierter Lamellenbremse hatte Schaeffler bereits vor rund einem Jahr beim Schaeffler Automotive Symposium gezeigt.
Regulatorischer Druck als Treiber
Der Hintergrund dieser Entwicklung ist nicht nur technischer Natur. Bremsstaub gilt in der EU als relevanter Anteil des Feinstaubs im Straßenverkehr, und die regulatorischen Anforderungen an Partikelemissionen aus Bremssystemen werden voraussichtlich strenger. Auch Wettbewerber wie der österreichische Zulieferer Miba arbeiten an emissionsfreien Lamellenbremsen für moderne Fahrzeugarchitekturen.
Für Fahrzeughersteller und deren Zulieferer bedeutet das: Die bewährte Kombination aus Stahl- oder Graugussscheibe und Bremsbelag steht mittelfristig unter Druck. Nasslaufende Systeme bieten einen technischen Ausweg, stellen aber höhere Anforderungen an Thermomanagement, Hydraulik und Systemintegration.
Fazit
Schaeffler nutzt den Motorsporteinsatz als beschleunigten Prüfstand für eine Technologie, die im Serienfahrzeug bislang nicht etabliert ist. Der Test am Nürburgring liefert Lastdaten unter Extrembedingungen. Ob und wann daraus ein Serienprodukt wird, hat Schaeffler nicht kommuniziert. Für Einkäufer und Entwicklungsverantwortliche bei Fahrzeugherstellern und Tier-1-Zulieferern ist der Stand klar: Die Technologie ist erprobt, aber noch nicht serienreif. Der regulatorische Zeitdruck bei Feinstaubemissionen macht weitere Schritte wahrscheinlich.




















