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Die Berentzen-Gruppe aus Haselünne im Emsland wechselt den Eigentümer. Der US-Spirituosenkonzern Sazerac hat am 21. September 2026 ein öffentliches Übernahmeangebot von 5,55 Euro je Aktie angekündigt. Das entspricht einem Gesamtvolumen von 53,3 Millionen Euro. Beide Unternehmen haben eine Zusammenschlussvereinbarung unterzeichnet. Das Berentzen-Management unterstützt das Angebot.

Angebot liegt 68 Prozent über dem Dreimonatsdurchschnitt

Das Angebot setzt eine Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie voraus. Die Transaktion soll voraussichtlich im vierten Quartal 2026 abgeschlossen sein. Die Berentzen-Aktie reagierte prompt: Sie stieg an der Frankfurter Börse um rund 22 Prozent auf 5,56 Euro. Vor dem Angebot lag der Börsenwert bei etwa 35 Millionen Euro. Die Papiere befinden sich nahezu vollständig im Streubesitz.

Berentzen-Vorstand Oliver Schwegmann und sein Kollege Ralf Brühöfner sprachen von einer hervorragenden Chance für das Unternehmen. Der angebotene Preis liege 68 Prozent über dem Dreimonatsdurchschnittskurs und sei auf einem Niveau, das seit mehr als zwei Jahren nicht mehr erreicht worden sei.

Schwache Nachfrage setzt Berentzen unter Druck

Berentzen befindet sich in einer schwierigen Phase. Im ersten Halbjahr 2026 schrumpfte der Umsatz um mehr als elf Prozent auf 71 Millionen Euro. Das EBIT brach um mehr als 80 Prozent ein und lag bei nur noch rund 600.000 Euro. Daraufhin korrigierte das Unternehmen seine Jahresziele nach unten.

Berentzen beschäftigt rund 430 Mitarbeiter. Das Portfolio umfasst Berentzen Apfelkorn, Puschkin Vodka, Doornkaat und Bommerlunder sowie alkoholfreie Marken wie Mio Mio und Sinalco, die in Lizenz produziert werden. Die Nachfrage nach hochprozentigen Getränken hatte sich in den zurückliegenden Monaten spürbar abgeschwächt.

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Sazerac: Familienkonzern mit sechs Milliarden Dollar Umsatz

Das 1850 in New Orleans gegründete Familienunternehmen Sazerac hat seinen Sitz heute in Louisville, Kentucky. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Sazerac einen Umsatz von sechs Milliarden Dollar. Zum Portfolio gehören Marken wie Southern Comfort und Buffalo Trace.

Der Konzern kauft seit Monaten zu. Zuletzt übernahm Sazerac den britischen Spirituosenhersteller Au Vodka für rund 300 Millionen Pfund. Ein Übernahmeangebot für den Jack-Daniel’s-Hersteller Brown-Forman im Volumen von rund 15 Milliarden Dollar scheiterte im ersten Anlauf.

Standort Haselünne soll erhalten bleiben

Sazerac-Chef Jake Wenz betonte, die deutsche Marktpräsenz von Berentzen langfristig fortführen zu wollen. Sazerac plant außerdem, eigene Marken künftig vom deutschen Team produzieren und vertreiben zu lassen. Konkrete vertragliche Zusagen zum Standort oder zur Beschäftigung nannte Sazerac bislang nicht öffentlich.

Strukturelle Schwäche treibt den Verkauf

Ein Einbruch des Betriebsgewinns um über 80 Prozent innerhalb eines halben Jahres lässt kaum Spielraum für eigenständige Investitionen. Für Zulieferer, Handelspartner und die rund 430 Beschäftigten stellt sich nun die Frage, was ein Eigentümerwechsel zu einem Konzern dieser Größenordnung in der Praxis bedeutet. Absichtserklärungen zur Standorttreue sind formuliert. Belastbare Vereinbarungen sind öffentlich noch nicht bekannt.