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Sanofi baut den Biocampus im Industriepark Höchst zu einem zentralen Standort für integrierte Biologika-Forschung aus. Mehr als zwei Drittel aller Arzneimittel des Konzerns sind mittlerweile Biologika: Wirkstoffe, die gezielt in das Immunsystem eingreifen. Der Standort verbindet Forschung, Wirkstoffproduktion und Abfüllung räumlich. Das spart Entwicklungszeit und verkürzt interne Abstimmungswege.

KI übernimmt mehr als das Moleküldesign

Moleküle werden am Biocampus nicht mehr allein am Computer entworfen. Die KI-Systeme simulieren auch Eigenschaften wie Wirksamkeit, Verträglichkeit, Lagerstabilität und Herstellbarkeit im Produktionsmaßstab. Bisher wurden solche Parameter erst in späteren Entwicklungsphasen geprüft, oft nach erheblichem Aufwand in der Laborarbeit.

Die Ergebnisse fließen anschließend in sogenannte virtuelle Patienten. Das sind rechnerische Modelle, die die Wirkung potenzieller Therapien simulieren, bevor klinische Tests beginnen. Für Produktionsentscheider bedeutet das: Kandidaten, die im industriellen Maßstab schwer herzustellen wären, scheiden früher aus dem Prozess aus.

Neue Produktionseinheit für mikrobielle Wirkstoffe

Am Biocampus ist zuletzt eine neue Produktionseinheit für biotechnologische Wirkstoffe in Betrieb gegangen. Sie ist Teil eines integrierten Verbunds, der alle Prozessstufen umfasst: von der Wirkstoffforschung über die Fermentation bis zur Abfüllung in Kartuschen und dem Einbau in Applikationshilfen wie Injektionspens für Insuline oder Autoinjektoren für Immunologie-Produkte. Die räumliche Bündelung dieser Stufen reduziert Logistikaufwand und Schnittstellenrisiken.

Multispezifische Antikörper als nächste Entwicklungsstufe

Sanofi forscht am Standort an therapeutischen Antikörpern, die an zwei oder drei verschiedene Zielstrukturen gleichzeitig binden. Für diese Konstruktionen werden Nanobody-Moleküle eingesetzt. Ein Nanobody ist etwa ein Zehntel so groß wie ein herkömmlicher Antikörper, kann aber trotzdem spezifische Zielstrukturen erkennen und binden.

Der Vorteil liegt in der Kombinierbarkeit. Nanobodies lassen sich modular zusammensetzen, vergleichbar mit einem Baukastensystem. So entstehen Wirkstoffe, die mehrere Signalwege gleichzeitig blockieren. Das ist bei Erkrankungen relevant, bei denen ein einzelner Angriffspunkt nicht ausreicht: chronisch-entzündliche Erkrankungen wie Morbus Crohn oder rheumatoide Arthritis, aber auch bestimmte Krebserkrankungen und seltene Erkrankungen.

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Abgrenzung zu klassischen Antikörpertherapien

Herkömmliche monoklonale Antikörper binden an einen einzigen Angriffspunkt. Multispezifische Biologika adressieren mehrere davon in einem Molekül. Das verändert die Anforderungen an Entwicklung und Produktion. Herstellprozesse für solche Moleküle sind komplexer, die Qualitätskontrolle muss mehr Parameter abdecken. Für CDMOs wie IDT Biologika, die auf Auftragsfertigung von Biologika und Immuntherapeutika spezialisiert sind, entstehen hier neue Anforderungsprofile von Auftraggebern.

Was das für Industrieunternehmen bedeutet

KI-gestützte Vorabsimulation von Produktionseigenschaften eines Wirkstoffs kann Entwicklungszyklen verkürzen. Kandidaten mit schlechter Skalierbarkeit werden früher aussortiert. Das senkt Kosten in der Entwicklung, erhöht aber die Anforderungen an die digitale Infrastruktur in Forschung und Produktion.

Für Zulieferer, Anlagenbauer und CDMOs im Biologika-Segment bedeutet dies: Auftraggeber wie Sanofi werden künftig detailliertere Produktionsdaten früher in der Entwicklung verlangen. Wer diese Daten nicht liefern kann, scheidet als Partner früher aus.

Fazit

Sanofi verknüpft am Standort Frankfurt-Höchst KI-basierte Molekülentwicklung, virtuelle Testmodelle und physische Produktion zu einem integrierten Prozess. Multispezifische Antikörper auf Basis von Nanobody-Technologie sind der nächste Schritt in der Biologika-Pipeline. Die Grenze zwischen Forschungssoftware und Produktionsplanung verschiebt sich. Wer daran anschließen will, braucht beides.