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Sprengvorrichtungen an Umspannwerken, ein flüchtiger Verdächtiger und Ermittlungen in mindestens drei Bundesländern: Am 4. September 2026 sicherte die sächsische Polizeidirektion Görlitz nördlich von Bautzen an zwei Fundorten insgesamt vier Sprengvorrichtungen. Der Hinweis kam aus einem Bekennerschreiben.

Bekennerschreiben führt Behörden nach Sachsen

Unmittelbar nach Eingang des Schreibens leiteten die sächsischen Sicherheitsbehörden Suchmaßnahmen ein. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) bestätigte den Einsatz. Kampfmittelräumer begannen mit der Entschärfung. Im Fokus stand das Umspannwerk Graustein.

Das Bekennerschreiben soll von einem 48-jährigen Mann aus Gevelsberg bei Hagen in Nordrhein-Westfalen stammen. Er reklamierte darin auch die jüngsten Angriffe auf das Energienetz in Brandenburg und NRW für sich. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bezeichnete die Taten als sehr wahrscheinlich das Werk eines Einzeltäters und sprach von Klimaterrorismus.

Verdächtiger flüchtig, Fahrzeug gestürmt

Ein Spezialeinsatzkommando stürmte am 4. September in Niederzier bei Düren das Fahrzeug des Verdächtigen. Der Mann war nicht darin. Das Fahrzeug stand in einem Waldstück. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) informierte die Öffentlichkeit in Düsseldorf über den Zugriff.

In der Wohnung des Mannes in Gevelsberg fanden Ermittler Kaliumnitrat und Kaliumperchlorat. Beide Stoffe können zur Herstellung von Sprengstoff verwendet werden. Reul mahnte zur Vorsicht: Der Absender eines Bekennerschreibens muss nicht zwingend der Täter sein. Die Behörden prüfen, ob der Mann allein handelte und ob es Verbindungen zu den Vorfällen in Brandenburg gibt.

Angriffe seit Dienstag in mehreren Bundesländern

Den Ausgangspunkt bildete ein Angriff am Dienstagmorgen, dem 2. September, in Brandenburg. Unbekannte attackierten das Umspannwerk Turnow-Preilack unweit des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde. Behörden fanden dort mehr als 20 Raketen sowie Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik.

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Am selben Abend störten Unbekannte ein Umspannwerk in Bergheim bei Köln. Am Donnerstag, dem 3. September, fand die Polizei an einem Umspannwerk in Dormagen, zwischen Köln und Düsseldorf, einen verdächtigen Gegenstand. Die Behörden schätzen ihn als mögliche Abschussvorrichtung ein.

Am Kraftwerk Weisweiler bei Aachen und in Eschweiler durchkämmten Einsatzkräfte die Umgebung, weil diese Orte im Bekennerschreiben genannt wurden. In Niedersachsen stand ein Schaltschrank an einem Umspannwerk in Ganderkesee, Landkreis Oldenburg, offen. Die Polizei prüft einen strafrechtlichen Zusammenhang. Ermittelt wird in allen Fällen wegen verfassungsfeindlicher Sabotage.

Was das für Betriebe bedeutet

Umspannwerke sind die Knotenpunkte der Hochspannungsnetze. Ein Ausfall trifft industrielle Großverbraucher direkt. Braunkohlekraftwerke von LEAG und RWE mussten nach früheren Attacken auf Umspannwerke zeitweise den Betrieb einstellen.

Betriebe mit eigenem Transformator oder Mittelspannungsanschluss sollten prüfen, ob ihre Zugangskontrollen zu Trafostationen und Schaltanlagen dem aktuellen Stand entsprechen. Netzbetreiber wie Amprion und 50Hertz haben die Überwachung ihrer kritischen Infrastruktur nach eigenen Angaben bereits verschärft.

Für Produktionsleiter stellt sich die Frage nach der Versorgungssicherheit neu. Notstromerzeugung und unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) für kritische Anlagen sind keine reinen IT-Themen mehr, sondern operative Absicherung gegen reale Risiken.

Fazit

Die Angriffe auf die Strominfrastruktur haben innerhalb weniger Tage drei Bundesländer erfasst. Der Verdächtige ist flüchtig, die Sicherheitsbehörden arbeiten länderübergreifend. Für Unternehmen mit versorgungskritischen Prozessen ist das ein Anlass, die eigene Notfallplanung zu überprüfen, ohne auf behördliche Empfehlungen zu warten.