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Rhenus, der zur Rethmann-Gruppe gehörende multimodale Logistikdienstleister, hat eine strategische Partnerschaft mit der Emissionsdatenplattform Shipzero vereinbart. Ab sofort können Rhenus-Kunden sogenannte Book-and-Claim-Lösungen für alle Verkehrsträger buchen: Straße, See und Luft. Ziel ist die dokumentierbare Reduzierung von Transportemissionen, auch dort, wo Rhenus selbst keinen Zugriff auf die eingesetzten Fahrzeuge oder Schiffe hat.

Was Book and Claim bedeutet

Book and Claim ist ein Mechanismus zur Emissionsminderung außerhalb der eigenen Lieferkette. Ein Verlader bucht einen bestimmten Anteil emissionsärmerer Transportleistung, etwa mit nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF), synthetischem Marinekraftstoff (SMF) oder batterieelektrischen Fahrzeugen. Die tatsächliche Sendung muss dabei nicht zwingend mit diesem Verkehrsmittel transportiert werden. Stattdessen werden die erzielten Emissionsminderungen als zertifizierter Nachweis übertragen.

Für Unternehmen, die wenig Einfluss auf die Auswahl der Transportmittel ihrer Dienstleister haben, schließt dieses Modell eine Lücke in der Klimabilanz. Das betrifft vor allem Scope-3-Emissionen, also indirekte Emissionen aus vor- und nachgelagerten Aktivitäten der eigenen Wertschöpfungskette. Scope 3 ist für viele Industrieunternehmen der größte Emissionsblock und gleichzeitig der schwierigste zu steuern.

Methodik und Prüfbarkeit

Für Einkäufer und Nachhaltigkeitsverantwortliche in Industriebetrieben stellt sich die Frage: Wie belastbar ist der Nachweis? Rhenus nennt hierzu konkrete Standards. Der Book-and-Claim-Ansatz von Shipzero wurde von Müller-BBM Cert, einer unabhängigen Zertifizierungsstelle, geprüft. Die Methodik entspricht dem MBM Framework des Smart Freight Centre sowie der ISO-Norm 14083 und dem GLEC-Framework, dem international anerkannten Standard für die Berechnung von Logistikemissionen.

Die ausgewiesenen Emissionsminderungen werden gemäß den Vorgaben des Treibhausgas-Protokolls separat von den Scopes 1 bis 3 erfasst. Das ermöglicht eine saubere Trennung in der Klimaberichterstattung. Unternehmen, die unter die Corporate Sustainability Reporting Directive fallen oder Nachweise für die Science Based Targets Initiative erbringen müssen, erhalten damit eine auditfähige Dokumentation.

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Buchung: Sendungsweise oder rückwirkend möglich

Die Lösung ist flexibel einsetzbar. Kunden können einzelne Sendungen mit alternativen Kraftstoffen oder Elektrofahrzeugen buchen. Ebenso sind größere Rahmenvereinbarungen möglich, auch rückwirkend für bereits durchgeführte Transporte. Das erleichtert die nachträgliche Bereinigung von Emissionsbilanzen für abgeschlossene Geschäftsjahre.

Rhenus begründet die Wahl des Partnermodells damit, dass der Konzern als multimodaler Dienstleister stark auf externe Transportkapazitäten angewiesen ist. Eigene Fahrzeugflotten decken nur einen Teil der Transportleistung ab. Im Berliner Stadtgebiet etwa liefert Rhenus Home Delivery im Auftrag von IKEA bereits mit über 300 Elektrotransportern, was dort eine emissionsfreie Quote von mehr als 95 Prozent ermöglicht. Außerhalb solcher lokal steuerbarer Modelle fehlt Rhenus bislang ein vergleichbares Instrument für den globalen Verkehr.

Einordnung für Industrieunternehmen

Für Verlader aus Industrie und Mittelstand ist die Partnerschaft vor allem ein Signal: Logistikdienstleister bauen ihre Infrastruktur zur Emissionsberichterstattung aus. Die Nachfrage kommt von Unternehmen, die Lieferkettenemissionen gegenüber Investoren, Kunden oder Behörden nachweisen müssen.

Wer bereits heute Ausschreibungen mit Klimakriterien versieht oder Lieferanten nach Emissionsdaten bewertet, wird künftig stärker auf die Methodik hinter solchen Nachweisen achten müssen. ISO 14083 und das GLEC-Framework setzen sich dabei als Mindeststandard durch. Angebote, die diesen Rahmen nicht erfüllen, werden in Ausschreibungen schwerer zu vergleichen sein.

Fazit

Rhenus schafft mit Shipzero eine nachvollziehbare Grundlage für die Emissionsberichterstattung in der Logistik. Der Book-and-Claim-Ansatz ersetzt nicht die direkte Dekarbonisierung der Transportkette, schließt aber eine messbare Lücke. Für Industrieunternehmen, die externe Logistikleistungen einkaufen, lohnt die Prüfung, welche Standards ihre Dienstleister bei der Emissionserfassung anwenden und ob diese mit den eigenen Berichtspflichten kompatibel sind.

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