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Der neue Dacia Spring ist kein bloß überarbeiteter Elektrokleinwagen. Er zeigt, wie drastisch Renault seinen Fahrzeugentwicklungsprozess umgebaut hat. Weniger als 16 Monate vergingen vom Projektstart bis zur Serienreife. Klassische Entwicklungszyklen in der europäischen Automobilindustrie dauern vier bis fünf Jahre.

Zwei Jahre als neues Ziel

Renault hat sich eine klare Vorgabe gesetzt: Neue Fahrzeuge sollen künftig in rund zwei Jahren entwickelt werden. Der Spring unterschreitet diesen Zielwert bereits. Dacia nennt in Ankündigungen ausdrücklich chinesische Hersteller als Maßstab. Diese bringen neue Modelle und technische Weiterentwicklungen in Abständen auf den Markt, die europäische Hersteller bislang nicht erreichen.

Wer vier oder fünf Jahre für ein neues Modell benötigt, reagiert auf einen Markt, der sich in dieser Zeit bereits stark verändert hat. Das ist kein abstraktes Problem, sondern ein konkretes Wettbewerbsproblem: Chinesische Marken haben sich bei Batterietechnik und Software weiterentwickelt und sind vielfach schneller darin, neue Technik in Serienfahrzeuge zu überführen.

Lernfeld Twingo: 100 Wochen vom Konzept zur Produktion

Den Grundstein für das neue Entwicklungsmodell legte Renault beim elektrischen Twingo E-Tech. Er entstand nach Herstellerangaben in 100 Wochen zwischen Projektstart und Produktionsbeginn. Das ist etwa doppelt so schnell wie frühere Elektroprojekte des Konzerns.

Renault verteilte die Arbeit auf mehrere Standorte. Plattform, Elektronik, Software, Multimedia und Fahrerassistenzsysteme entstanden im Technocentre in Frankreich. Parallel arbeiteten rund 100 Ingenieurinnen und Ingenieure im Forschungs- und Entwicklungszentrum ACDC in Shanghai, das Renault 2024 gegründet hat. Dort lagen Systemintegration und Projektmanagement.

Renault gibt an, durch diesen Ansatz bei vergleichbaren Projekten rund ein Jahr Entwicklungszeit eingespart zu haben. Die notwendigen Investitionen seien um etwa 50 Prozent gesunken. Diese Angaben stammen vom Hersteller selbst, nicht aus unabhängigen Analysen.

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Weniger Bauteile, kürzere Entscheidungswege

Ein weiterer Hebel ist die Reduzierung der Bauteilzahl. Weniger Komponenten bedeuten weniger Abstimmungsaufwand, kürzere Lieferketten und geringere Variantenvielfalt in der Produktion. Welche konkreten Schritte Dacia beim Spring wo und wie durchgeführt hat, hat das Unternehmen bislang nicht offengelegt.

Der Spring: Plattform, Technik, Preis

Die zweite Generation des Spring basiert auf der neuen Kleinwagenplattform RG-EV der Renault Group. Dieselbe Plattform nutzt auch der neue elektrische Twingo. Der Spring leistet 60 kW, hat eine LFP-Batterie (Lithium-Eisenphosphat) und ist gegenüber dem Vorgänger in allen Außenmaßen gewachsen. Das Fahrzeuggewicht bleibt bei 1.212 Kilogramm.

Der Einstiegspreis soll unter 18.000 Euro liegen. Damit ist der Spring das günstigste Elektrofahrzeug im europäischen Markt, das auf einer aktuellen Konzernplattform aufbaut. Vier vollelektrische Modelle hat Dacia bis 2030 angekündigt. Der Spring ist das erste davon.

Produktion wechselt von China nach Slowenien

Ein wesentlicher Unterschied zum Vorgänger: Der neue Spring wird in Europa produziert. Die Fertigung übernimmt das Renault-Werk in Novo Mesto, Slowenien. Bislang wurde der Spring in China gebaut. Der Wechsel reduziert die Abhängigkeit von langen Transportwegen und reagiert auf handelspolitische Risiken, die für aus China importierte Elektrofahrzeuge bestehen.

Was das für Zulieferer und Produktionsverantwortliche bedeutet

Renaults Entwicklungsmodell hat direkte Auswirkungen auf die Zulieferkette. Wer als Tier-1- oder Tier-2-Lieferant mit Renault oder Dacia zusammenarbeitet, muss früher eingebunden werden. Kurze Entwicklungszyklen vertragen keine langen Abstimmungsrunden in späten Projektphasen. Wer erst dann mit der Auslegung von Bauteilen beginnt, wenn ein Lastenheft final freigegeben ist, verliert Zeit, die im Gesamtprojekt nicht mehr vorhanden ist.

Das gilt auch für Werkzeug- und Formenbau: Wenn Renault Investitionsentscheidungen früher trifft, müssen Lieferanten Kapazitäten und Ressourcen früher bereitstellen. Das erhöht das Risiko auf beiden Seiten, kann aber auch die Bindung zwischen Hersteller und Lieferant festigen.

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Fazit

Renault hat mit dem neuen Dacia Spring gezeigt, dass stark verkürzte Entwicklungszeiten in der Praxis funktionieren. Ob sich der Ansatz auf komplexere Fahrzeugklassen übertragen lässt, ist offen. Für Produktions- und Einkaufsverantwortliche in der Zulieferindustrie ist die Botschaft klar: Der Druck auf Reaktionsgeschwindigkeit und Vorlaufzeiten steigt. Wer in Renaults Lieferkette bleibt oder einsteigen will, muss seine eigenen Entwicklungs- und Abstimmungsprozesse darauf ausrichten.