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Der Dieselpreis in Deutschland hat im September 2026 ein neues Allzeithoch erreicht. Als Ursache gilt nicht mehr allein der Iran-Krieg und die damit verbundene Rohölverknappung. Ein zweiter, möglicherweise hartnäckigerer Faktor hat sich etabliert: Raffinerie-Kapazitäten fallen weltweit aus, und der Markt hat seine Puffer weitgehend aufgebraucht.
Rohöl allein erklärt die Preise nicht mehr
Rohöl muss zu Diesel, Benzin oder Kerosin verarbeitet werden. Dieser Schritt findet in Raffinerien statt. Genau dort sind die Kapazitäten derzeit knapp. Die Internationale Energieagentur meldet, dass Raffinerien in Europa und Nordamerika beim Diesel derzeit außergewöhnlich hohe Margen erzielen – ein Zeichen für knappes Angebot auf der Verarbeitungsseite.
Zwei Regionen sind für den weltweiten Dieselhandel zentral: Russland und die Golfstaaten. Aus beiden fließen deutlich weniger Mengen als vor dem Krieg. Ukrainische Angriffe haben russische Raffinerien beschädigt. Die Exporte aus den Golfstaaten lagen im August 2026 laut IEA bei rund 390.000 Barrel Diesel und Gasöl pro Tag. Das entspricht etwa einem Viertel der Vorkriegsmenge.
1,6 Millionen Barrel täglich fehlen
Russland und die Golfstaaten zusammen lieferten im August 2026 täglich rund 1,6 Millionen Barrel Diesel und Gasöl weniger als noch im Februar. Vor dem Iran-Krieg entfielen auf beide Regionen fast 45 Prozent des weltweiten seegestützten Handels mit diesen Kraftstoffen. Gasöl ist dabei ein Vorprodukt für Diesel und Kerosin.
Ein weiterer Faktor kommt hinzu: China hält Diesel zurück, um den eigenen Bedarf zu decken. Laut David Fyfe, Chefökonom der Preisberichtsagentur Argus Media, sind die Exporte der drei großen Lieferanten Russland, Golfstaaten und China zusammen um rund 60 Prozent gefallen. Das entspricht 1,5 bis 2 Millionen Barrel täglich weniger auf dem Weltmarkt.
Alternativen haben Grenzen
Raffinerien in den USA, Europa, Indien und Nigeria haben ihre Produktion erhöht. Den Ausfall können sie dennoch nicht vollständig kompensieren. Fyfe nennt einen konkreten Grund: Es fehlt an geeignetem, dieselreichem Rohöl aus dem Nahen Osten. Wer mehr Diesel produzieren will, braucht den richtigen Rohstoff – der ist nicht beliebig verfügbar.
Terminmärkte zeigen das volle Ausmaß
An deutschen Tankstellen sind Benzin und Diesel seit Jahresbeginn um rund 40 Prozent teurer geworden. Das entspricht in etwa dem Anstieg beim Rohöl. Die Terminmärkte für Diesel-Vorprodukte zeichnen ein schärferes Bild: Kurzfristige Kontrakte kosteten zwischenzeitlich mehr als doppelt so viel wie zu Jahresbeginn. Zur Wintersaison hin geben die Preise dort nach, was auf saisonale Effekte hindeutet.
Dass der volle Preisdruck noch nicht an der Zapfsäule ankommt, liegt an Vorräten und alternativen Lieferwegen. Sarah Raffoul von Argus Media rechnet nicht mit einer unmittelbaren Dieselknappheit. Doch diese Puffer sind kleiner geworden. Weitere Ausfälle, Probleme auf Schifffahrtsrouten oder unerwartet hohe Nachfrage treffen nun einen Markt ohne Reserven.
Was das für Unternehmen bedeutet
Fuhrparkbetreiber, Logistiker und produzierende Betriebe mit eigenem Fahrzeugbestand sollten die Lage ernst nehmen. Der Tankstellen-Interessenverband hält Preise um drei Euro je Liter für möglich. Das ist kein Szenario für übermorgen, aber auch keine bloße Spekulation.
Wer Dieselkosten absichern will, sollte Preisentwicklungen auf den Terminmärkten verfolgen. Langfristige Lieferverträge für Kraftstoff können Planungssicherheit bieten. Eine Prüfung, ob betriebliche Fahrzeuge oder Maschinen kurzfristig effizienter eingesetzt werden können, lohnt sich ebenfalls.
Fazit
Der Dieselmarkt leidet nicht mehr nur unter Rohölmangel. Die strukturellen Ausfälle auf der Raffinerie-Seite sind schwerer zu beheben als ein vorübergehender Angebotsschock beim Rohöl. Raffinerien lassen sich nicht kurzfristig ersetzen oder hochfahren. Unternehmen mit hohem Dieselverbrauch sollten das in ihrer Kostenplanung für die kommenden Monate berücksichtigen.




















