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Russland hat das Russland-Geschäft der Metro AG per Präsidialdekret unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt. Sämtliche Vermögenswerte der deutschen Großhandelskette werden an das russische Unternehmen UK Torg RUS übertragen. Metro bestätigte den Vorgang: Die operative Kontrolle über das Russland-Geschäft sei verloren gegangen.

Was das Dekret bedeutet

Die Übertragung läuft formal als „temporäre Verwaltung“. In der Praxis kann daraus eine vollständige staatliche Enteignung ohne Entschädigung werden. Die EU wertet vergleichbare Maßnahmen gegen westliche Unternehmen bereits als Enteignung. UK Torg RUS, das Unternehmen, das die Metro-Vermögenswerte übernimmt, wurde laut russischen Medien erst Anfang September 2026 in Moskau gegründet. Metro teilte mit, das Unternehmen gehöre formal dem russischen Geschäftsführer der dortigen Metro-Tochter. Weitere Auswirkungen würden geprüft.

Metro ist seit 2001 in Russland aktiv. Der Konzern betreibt dort 91 Großhandelsgeschäfte und beschäftigt rund 9.000 Mitarbeiter. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres erzielte Metro in Russland einen Umsatz von 2,14 Milliarden Euro, was 8,7 Prozent des Konzernumsatzes entspricht. Russland war das wachstumsstärkste Segment: Der Umsatz stieg um mehr als zehn Prozent, was einem Drittel des gesamten Konzernwachstums entsprach.

Metro blieb nach Kriegsbeginn in Russland

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 entschied Metro, das Geschäft fortzuführen. Die Begründung lautete damals: Verantwortung gegenüber 10.000 Mitarbeitern vor Ort, Versorgung der Kunden und Werterhalt für Aktionäre. Der Konzern hat nun die operative Kontrolle verloren, ohne bisher eine Entschädigung in Aussicht zu haben.

Metro ist nicht der erste Fall

Der Kreml begründet solche Maßnahmen mit der Militärhilfe westlicher Staaten für die Ukraine. Unternehmen aus sogenannten unfreundlichen Ländern seien betroffen. Am 18. September 2026 wurde das Russland-Geschäft des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé unter Zwangsverwaltung gestellt. Kurz zuvor traf es den US-Konzern Aptar ebenso. Auch die Russland-Geschäfte der französischen Unternehmen Auchan und FM Logistic sowie das frühere Russland-Geschäft von Leroy Merlin wurden bereits unter russische Verwaltung gestellt.

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Was das für Unternehmen mit Russland-Engagement bedeutet

Der Fall Metro zeigt das konkrete Risiko für Konzerne, die trotz westlicher Sanktionen in Russland verblieben sind. Eine fortgeführte Präsenz schützt nicht vor staatlichem Zugriff. Wer weiter investierte und Gewinne erwirtschaftete, hat nun mehr zu verlieren. Entschädigungen sind in keinem der bisherigen Fälle bekannt geworden.

Für Unternehmen mit verbleibendem Russland-Engagement stellt sich die Frage nach dem Restbuchwert der dortigen Assets neu. Wer Russland-Töchter noch nicht vollständig abgeschrieben hat, sollte die Bilanzposition überprüfen. Die Zwangsverwaltung kann jederzeit in eine formale Enteignung übergehen.

Fazit

Metro verliert nach Jahren des Abwartens die Kontrolle über ein Segment, das zuletzt fast neun Prozent des Konzernumsatzes ausmachte. Der Zugriff des Kremls folgt einem erkennbaren Muster. In keinem der bislang bekannten Fälle wurden betroffene Unternehmen entschädigt.