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PsiQuantum verfolgt einen ungewöhnlichen Weg im Quantencomputing. Das US-Unternehmen baut seinen Rechner nicht aus supraleitenden Schaltkreisen wie IBM oder Google, sondern aus Licht: aus Photonen, also einzelnen Lichtteilchen. Diese sogenannte photonische Architektur hat gegenüber den Konkurrenzansätzen einen praktischen Vorteil.

Kein Kühlaufwand auf minus 273 Grad

Herkömmliche Quantencomputer müssen auf nahezu den absoluten Nullpunkt gekühlt werden, also auf etwa minus 273 Grad Celsius. Das erfordert aufwendige Kryostaten und schränkt die Skalierbarkeit erheblich ein. PsiQuantums photonischer Ansatz funktioniert bei deutlich höheren Temperaturen. Allerdings benötigt auch das PsiQuantum-System laut MIT Technology Review Kühlkomponenten: Etwa 100 Edelstahlschränke mit Flüssigheliumversorgung sollen die geplante Anlage umfassen. Der Unterschied liegt nicht in der völligen Abkehr vom Kühlen, sondern in der anderen Fehlerkorrektur-Architektur.

Produktion in bestehenden Chipfabriken

Der wichtigste Aspekt des PsiQuantum-Modells ist die Fertigungsstrategie. Das Unternehmen produziert seine photonischen Chips gemeinsam mit GlobalFoundries, einem der weltweit größten Auftragshalbleiterhersteller. GlobalFoundries betreibt Fabriken unter anderem in Malta im US-Bundesstaat New York sowie in Dresden.

PsiQuantum nutzt damit vorhandene Fertigungsinfrastruktur der Halbleiterindustrie. Das senkt die Einstiegshürde für die Massenproduktion erheblich. Wettbewerber, die eigene Fertigungsanlagen aufbauen müssen, stehen vor deutlich höheren Investitionskosten und längeren Vorlaufzeiten.

Ziel: Erster „nützlicher“ Quantencomputer

PsiQuantum hat das erklärte Ziel, den weltweit ersten praktisch nutzbaren Quantencomputer zu bauen. Die Branche unterscheidet dabei zwischen Systemen mit wenigen Qubits, die vor allem für Forschungszwecke taugen, und solchen mit ausreichend fehlerkorrigierten Qubits für reale Rechenprobleme. PsiQuantum zielt auf Letzteres.

Fehlerkorrektur ist im Quantencomputing der kritische Engpass. Qubits, also die Grundrecheneinheiten eines Quantencomputers, sind extrem störanfällig. Nach heutigem Forschungsstand werden für einen praxistauglichen Quantencomputer Millionen physischer Qubits benötigt, um eine ausreichende Zahl fehlerkorrigierter, logischer Qubits zu erzeugen. PsiQuantum setzt auf photonische Qubits als Basis für diesen Skalierungsschritt.

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Nvidia als möglicher Investor

Das Interesse aus der Halbleiterindustrie ist konkret. Nvidia-Chef Jensen Huang soll laut übereinstimmenden Berichten Interesse an einer Investition in PsiQuantum signalisiert haben. Nvidia ist bislang vor allem als Hersteller von Grafikprozessoren für KI-Training bekannt. Ein Einstieg bei PsiQuantum würde das Portfolio in Richtung Quantenhardware erweitern.

Für Industrieunternehmen ist das ein relevantes Signal. Wenn große Halbleiter- und Technologiekonzerne beginnen, Positionen im Quantencomputing aufzubauen, verschiebt sich der Zeithorizont für kommerzielle Anwendungen.

Was bedeutet das für Industrie und Mittelstand

Quantencomputer versprechen erhebliche Rechenzeitvorteile bei bestimmten Optimierungsproblemen, etwa in der Logistik, der Materialforschung oder der chemischen Simulation. Für Produktionsbetriebe relevant werden solche Systeme erst, wenn sie stabil und fehlertolerant genug für industrielle Rechenlasten sind.

PsiQuantums Fertigungsansatz über GlobalFoundries ist ein strukturelles Argument für Skalierbarkeit. Die Halbleiterproduktion ist industriell etabliert, Qualitätssicherung und Skalierung sind bekannte Prozesse. Das unterscheidet den PsiQuantum-Ansatz von Entwicklern, die auf Nischenfertigung angewiesen sind.

Konkrete Zeitpläne für kommerzielle Verfügbarkeit hat PsiQuantum öffentlich nicht präzise benannt. Einkaufsleiter und IT-Verantwortliche in der Industrie sollten Quantencomputing derzeit als mittelfristiges Technologieprojekt einordnen, nicht als kurzfristige Beschaffungsfrage.

Fazit

PsiQuantum verfolgt mit dem photonischen Ansatz und der Partnerschaft mit GlobalFoundries eine technisch und industriell eigenständige Strategie. Die Kooperation mit einem etablierten Halbleiterhersteller gibt dem Vorhaben eine Fertigungsbasis, die andere Quantencomputer-Projekte nicht haben. Ob der Ansatz als erster einen praxistauglichen Quantencomputer liefert, ist offen. Quantencomputing bewegt sich vom Laborexperiment zur skalierbaren Produktion.