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13,3 Millionen Erwerbstätige erreichen in den nächsten 15 Jahren das gesetzliche Rentenalter. Diese Lücke ist bekannt. Weniger beachtet wird ein zweites demografisches Problem: Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt bis 2070 deutlich. Beide Entwicklungen treffen Unternehmen gleichzeitig. Das Ergebnis ist ein strukturelles Personalproblem, das weit über die Pflegebranche hinausreicht.

Mehr als die Hälfte rechnet mit dem Pflegefall

Das Marktforschungsinstitut Bilendi hat im Auftrag der Mitarbeiter-Benefit-Plattform Voiio eine Studie zu diesem Thema erhoben. Mehr als jeder zweite Beschäftigte erwartet, dass innerhalb weniger Jahre ein Pflegefall aus dem persönlichen Umfeld auf ihn zukommt. Am häufigsten betrifft das die Mutter (51 Prozent) oder den Vater (40 Prozent).

Bereits heute werden laut Statistischem Bundesamt mehr als zwei Drittel aller Pflegebedürftigen von Familienmitgliedern versorgt. Professionelle Pflege deckt nur einen Teil des tatsächlichen Bedarfs ab. Dieser Anteil wird mit der Alterung der Gesellschaft weiter sinken.

Trotz dieser Zahlen haben sich nur 16 Prozent der Befragten intensiv mit den beruflichen Folgen auseinandergesetzt. Weitere 43 Prozent haben das Thema nur oberflächlich behandelt. 40 Prozent haben es bislang vollständig verdrängt.

Arbeitsalltag und Pflegeaufgabe passen selten zusammen

Jeder zweite Befragte schätzt die Vereinbarkeit seines Berufs mit Pflegeaufgaben als schlecht oder gar nicht möglich ein. Konkret: 50 Prozent sehen keine realistische Möglichkeit, kurzfristig der Arbeit fernzubleiben. 51 Prozent halten Homeoffice in ihrer Tätigkeit für nicht oder kaum umsetzbar.

Die erwarteten Belastungen sind vielfältig. Regelmäßige Arzt- und Pflegetermine während der Arbeitszeit nennen 85 Prozent als Herausforderung. Kurzfristige Ausfälle bei Notfällen erwarten 84 Prozent. Erhöhte emotionale Belastung neben dem Job sehen 81 Prozent als Problem.

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Für Produktionsleiter und Schichtplaner ist das eine konkrete Planungsgröße: Ein Beschäftigter, der einen Pflegefall in der Familie managt, fällt nicht selten, aber unregelmäßig aus. Das belastet Schichtpläne und erhöht den Koordinationsaufwand.

Finanzielle Lücke verschärft die Situation

60 Prozent der Befragten fühlen sich finanziell nicht auf einen Pflegefall vorbereitet. Nur 16 Prozent gaben an, rechtzeitig vorgesorgt zu haben. Lediglich jeder Dritte könnte eine externe Pflegekraft mitfinanzieren.

Das hat direkte Konsequenzen für Beschäftigungsverhältnisse. 60 Prozent der Befragten erwarten, ihre Karriereziele zurückstellen zu müssen. 55 Prozent rechnen mit dem Verzicht auf eine Beförderung. 53 Prozent gehen davon aus, auf eine Gehaltserhöhung zu verzichten.

Für Unternehmen bedeutet das: Erfahrene Fachkräfte reduzieren ihre Stunden oder scheiden ganz aus. Qualifiziertes Personal steht nicht mehr vollständig zur Verfügung.

Was Personalabteilungen konkret tun können

Die Pflegereform der Bundesregierung wird nach aktuellem Stand keine substanzielle Entlastung bringen. Die Bundesregierung rechnet bis 2030 zwar mit mehr Beschäftigten in der ambulanten Pflege: Pflegefachkräfte sollen von 207.000 auf 221.000 steigen, Hilfs- und Assistenzkräfte von 156.000 auf 167.000. Das deckt die strukturelle Lücke nicht.

Personalabteilungen können das Problem nicht lösen, aber abfedern. Ein erster Schritt ist Transparenz: Wie viele Beschäftigte haben bereits Pflegeaufgaben? Wie viele erwarten sie? Diese Daten liegen in den meisten Betrieben nicht vor.

Flexible Arbeitszeitmodelle prüfen

Gleitzeit, Teilzeitoptionen und geregelte Kurzabwesenheiten für Pflegetermine sind keine sozialen Extras, sondern Instrumente zur Personalbindung. Wer sie nicht anbietet, verliert Beschäftigte früher an Auszeiten oder an den vollständigen Ausstieg.

Informationsangebote bereitstellen

40 Prozent der Beschäftigten haben das Thema verdrängt. Unternehmen, die frühzeitig über rechtliche Rahmenbedingungen wie Pflegezeit und Familienpflegezeit informieren, reduzieren die Wahrscheinlichkeit unvorbereiteter Ausfälle. Das schont die Schichtplanung.

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Rückkehrpfade klar definieren

Wer in Pflegezeit geht, braucht einen geregelten Wiedereinstieg. Fehlen solche Pfade, entscheiden sich viele Betroffene gegen die Rückkehr. In Fachkräftemangelbranchen ist das eine direkte Kosten- und Risikoposition.

Fazit

Die Pflegewelle trifft nicht nur Krankenhäuser und Pflegeheime. Sie trifft Fertigungsbetriebe, Handwerksbetriebe und Dienstleister überall dort, wo Fachkräfte mittlerer und älterer Altersgruppen die Belegschaft tragen. Personalabteilungen, die das Thema heute strukturieren, handeln früh genug. Wer wartet, bis die ersten Pflegefälle eintreten, reagiert zu spät.