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Die Meyer Werft in Papenburg hat ein Konzept für ein Kreuzfahrtschiff vorgestellt, das vollständig batterieelektrisch betrieben werden soll. Das Projekt trägt den Namen „Vision“. Die geplante Schiffsgröße liegt bei mehr als 80.000 BRZ (Bruttoraumzahl, ein Maß für das Gesamtvolumen eines Schiffes). Ein Kreuzfahrtschiff dieser Größenklasse ohne fossile Antriebe gäbe es weltweit bislang nicht.
Schifffahrt unter Emissionsdruck
Die internationale Schifffahrt verursacht rund drei Prozent der menschengemachten Treibhausgasemissionen. Das entspricht dem jährlichen Ausstoß eines mittelgroßen Industrielandes. Die Branche steht unter wachsendem regulatorischem Druck, vor allem durch die Vorgaben der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation IMO und die EU-Emissionshandelspflichten, die seit 2024 schrittweise für die Schifffahrt gelten.
Bisher dominieren Schweröl und Flüssigerdgas (LNG) als Antriebsquellen. Vollelektrische Antriebe sind auf See bislang kleinen Fähren und Schiffen mit kurzen Fahrstrecken vorbehalten. Der Energiebedarf großer Kreuzfahrtschiffe galt als technische Barriere für batteriebasierte Systeme.
Was das Konzept „Vision“ vorsieht
Das Meyer-Projekt „Vision“ zielt auf ein Schiff mit mehr als 80.000 BRZ ab. Technische Details zur Batteriekapazität, zu Ladesystemen und zur Reichweite hat die Werft bisher nicht vollständig veröffentlicht. Bekannt ist, dass der Antrieb zu hundert Prozent auf Batterien basieren soll. Damit unterscheidet sich das Konzept von Hybridlösungen, bei denen Batterien fossile Antriebe nur ergänzen.
Für Zulieferer und Systemintegratoren aus den Bereichen Elektrotechnik, Energiespeicher und Leistungselektronik ist das Konzept relevant. Ein Schiff dieser Größe benötigt Batteriesysteme in einem Maßstab, der in der maritimen Industrie bislang nicht realisiert wurde.
Werft in wirtschaftlicher Konsolidierungsphase
Die Meyer Werft befindet sich derzeit in einer wirtschaftlich angespannten Lage. Ein Gutachten der Unternehmensberatung Deloitte hat dem Unternehmen grundsätzliche Sanierungsfähigkeit bescheinigt. Offene Aufgaben beim Umbau des Unternehmens bestehen laut dem Gutachten weiterhin.
Parallel dazu modernisiert der IT-Dienstleister Kyndryl seit dem 2. September 2026 das PLM-System der Meyer Werft. PLM steht für Product Lifecycle Management, also die digitale Verwaltung aller Produktdaten über den gesamten Entwicklungs- und Bauprozess. Eine funktionsfähige PLM-Basis ist Voraussetzung für die Planung komplexer Schiffe wie des Projekts „Vision“.
Zum 1. September 2026 hat die Werft außerdem 64 neue Auszubildende, dual Studierende und Jahrespraktikanten aufgenommen. Sie verteilen sich auf 14 Berufsbilder und starten bei der Meyer Werft sowie den Gruppenunternehmen EMS PreCab und EMS Maritime Services.
Bedeutung für die Zulieferindustrie
Für Betriebe aus der Elektrotechnik, dem Maschinenbau und der Energiespeicherbranche signalisiert das Konzept einen möglichen Nachfrageschub. Batteriesysteme in der maritimen Großanwendung stellen andere Anforderungen als stationäre Speicher oder Fahrzeugbatterien. Gefordert sind hohe Zuverlässigkeit, Salzwasserbeständigkeit und Systemintegration in enge Schiffsstrukturen.
Ob und wann ein Auftrag für das Schiff erteilt wird, ist öffentlich nicht bekannt. Das Konzept befindet sich auf der Stufe einer öffentlichen Präsentation. Konkrete Bestellungen oder Baupläne hat die Werft nicht kommuniziert.
Einordnung
Mit dem Konzept „Vision“ positioniert sich die Meyer Werft in einem Markt, der bisher kaum emissionsfreie Großschiffe kennt. Offen bleibt, ob die wirtschaftliche Konsolidierung des Unternehmens Spielraum für ein solches Entwicklungsprojekt lässt. Für Zulieferer und Komponentenhersteller lohnt es sich, die weitere Entwicklung zu verfolgen: Ein realisierter Auftrag würde Anforderungen an Batteriesysteme, Bordnetzarchitektur und Ladetechnologie in einer neuen Größenordnung stellen.




















