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Naturfaserverbundwerkstoffe galten bislang als rein funktionales Material. Kurz, der Fürther Hersteller von Präge- und Transferfolien, ändert das. Das Unternehmen hat eine Dekorationslösung für NFPP entwickelt. NFPP steht für Natural Fiber Polypropylene, einen Verbundwerkstoff aus Natur- und Polypropylenfasern. Die Lösung gewann den Iconic Award 2026 in der Kategorie „Product – Material, Textile and Surface“.
Was NFPP technisch leistet
NFPP-Bauteile sind leichter als herkömmliche Kunststoffteile. Je nach Anwendung lässt sich das Bauteilgewicht gegenüber konventionellen Lösungen deutlich reduzieren. Das ist besonders im Automobilbau relevant, wo Gewicht direkt den Energieverbrauch beeinflusst.
Das Material basiert durchgängig auf Polypropylen. Das vereinheitlichte Materialkonzept verbessert die Recyclingfähigkeit. Mischwerkstoffe aus verschiedenen Kunststoffen oder Verbunde aus Kunststoff und Metall sind in der Wiederverwertung aufwendiger. Bei NFPP entfällt dieses Problem weitgehend.
Bisher war die natürliche Faserstruktur des Materials sichtbar, aber nicht steuerbar. Sie galt als ästhetischer Nachteil. Kurz kehrt diesen Ansatz um: Die Faserstruktur wird gezielt als Designmerkmal eingesetzt.
Oberflächen: Mehr als unifarben
Mit der neuen Lösung sind unifarbene Oberflächen ebenso umsetzbar wie Muster, Logos oder mehrfarbige Farbverläufe. Das erweitert die Einsatzmöglichkeiten erheblich. Bisher war NFPP in Sichtbereichen kaum konkurrenzfähig gegenüber lackierten oder folienbeschichteten Bauteilen.
Die Lösung entstand gemeinsam mit den Partnern Polyvlies und Frimo. Polyvlies liefert die Vliesstoffe auf Naturfaserbasis, Frimo ist auf Werkzeug- und Anlagentechnik für die Umformung von Kunststoffen spezialisiert. Die drei Partner decken Material, Prozess und Oberflächenveredelung ab.
Integration in bestehende Prozesse
Für Einkäufer und Produktionsverantwortliche ist ein Punkt besonders relevant: Die Lösung ist auf bestehende Fertigungsprozesse ausgerichtet. Neue Anlagen oder grundlegend veränderte Prozessketten sind laut Hersteller nicht erforderlich. Das senkt die Einstiegshürde.
Die Jury des Iconic Award hob neben der optischen Wirkung explizit die einfache und integrative Umsetzbarkeit hervor. Das deutet darauf hin, dass die Lösung nicht nur im Labor, sondern in der Serienproduktion funktioniert.
Anwendungsfelder jenseits des Automobils
Kurz adressiert primär den Automobilbereich. Dort sind Leichtbau, Recyclingfähigkeit und Oberflächenqualität gleichzeitig gefordert, was NFPP als Werkstoff attraktiv macht. Das Konzept ist aber nicht auf die Automobilindustrie beschränkt.
Möbel- und Interior-Design werden als weitere Felder genannt. Dort gelten ähnliche Anforderungen: Natürliche Materialien sind gefragt, müssen aber optisch ansprechend und wirtschaftlich in Serie zu fertigen sein. Für Zulieferer in diesen Segmenten ist die Entwicklung damit ebenfalls relevant.
Fazit
Kurz löst ein praktisches Problem: NFPP war bisher schwer in Sichtbauteilen einsetzbar. Die neue Dekorationslösung macht das Material dort konkurrenzfähig, wo optische Qualität zählt. Für Unternehmen, die Leichtbauteile aus nachwachsenden Rohstoffen entwickeln oder beschaffen, lohnt ein genauer Blick auf die Prozesskette rund um NFPP. Die Recyclingfähigkeit durch das einheitliche Polypropylenkonzept kann bei der Erfüllung regulatorischer Anforderungen an Materialkreisläufe eine Rolle spielen.




















