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Netze BW schafft das Windhundprinzip bei Netzanschlüssen für Großanlagen ab. Ab dem 1. November 2026 gilt für alle Einspeise- und Speicheranlagen ab 950 Kilowatt ein neues, punktebasiertes Vergabeverfahren. Der Verteilnetzbetreiber, der aus der Netzsparte der EnBW hervorging und das Stromnetz weiter Teile Baden-Württembergs betreibt, reagiert damit auf einen massiven Engpass: Offene Anschlussfragen summieren sich auf mehr als 20 Gigawatt in der Hochspannung und 2,2 Gigawatt in der Mittelspannung. Die Spitzenlast im gesamten Netz liegt bei 7,3 Gigawatt. Mehr als 90 Prozent der Anfragen entfallen auf Batteriespeicher.
Wie das Verfahren funktioniert
Das neue Verfahren orientiert sich am Reifegradverfahren, das die Übertragungsnetzbetreiber in diesem Jahr für Anschlussbegehren eingeführt haben. Netze BW hat es gemeinsam mit dem Verband für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg entwickelt, mit dem Ziel einer breiteren Verbreitung in Süddeutschland.
Einmal jährlich schreibt Netze BW verfügbare Netzkapazitäten für die drei Folgejahre aus. Das erste Anmeldefenster öffnet am 1. November 2026. Antragsteller haben bis Jahresende Zeit, ihre Unterlagen einzureichen. Voraussichtlich zum 1. März 2027 erfolgt die Rückmeldung und Kapazitätsvergabe.
Drei Bewertungskriterien mit unterschiedlicher Gewichtung
Die Punktevergabe läuft über drei Kriterien. Projektreife zählt am stärksten: bis zu 50 Punkte. Bewertet werden Nachweise zur Flächensicherung, zum Genehmigungsstand oder zum genehmigungsfreien Status des Projekts sowie der Stand an der Übergabestation.
Das zweite Kriterium ist die Ortsgebundenheit mit maximal 34 Punkten. Erweiterungen von Bestandsanlagen am selben Standort werden hier bevorzugt behandelt. Das dritte Kriterium ist Frühzeitigkeit mit bis zu 16 Punkten. Es soll Projekten zugutekommen, die bereits frühere Anfragen gestellt haben oder bei einer vorherigen Runde nicht berücksichtigt wurden.
Wer ausgenommen ist
Das neue Verfahren gilt nicht für Anlagen der essenziellen Daseinsvorsorge. Bundeswehr, Feuerwehr, Rettungsdienste und Behörden werden weiterhin nach dem bisherigen Verfahren angeschlossen, ebenso Großwärmepumpen. Für Einspeiseanlagen unter 950 Kilowatt und Grünstromspeicher bleibt das Windhundprinzip erhalten.
Für alle anderen Großanlagen sowie alle Stand-alone-Speicher, also Batteriespeicher ohne direkt gekoppelte Erzeugungsanlage, gilt das neue Verfahren ohne Ausnahme.
Flexible Netzanschlussvereinbarungen geplant
Neben den klassischen Netzanschlüssen will Netze BW in der ersten Runde auch rund 30 flexible Netzanschlussvereinbarungen vergeben, sogenannte FCAs. Diese erlauben einen Anschluss mit definierter Flexibilität bei der Einspeisung oder Entnahme. Die genauen Konditionen werden derzeit noch erarbeitet und sollen zunächst erprobt werden.
Zum 1. September 2026 weitet Netze BW seine digitale Mittelspannungsauskunft aus. Künftig können über das Tool auch größere Anschlüsse auf der Bezugsseite, also für Standorte, die Strom aus dem Netz entnehmen, vorab und unverbindlich geprüft werden.
Was das für Industrie und Projektentwickler bedeutet
Für Unternehmen, die eine Erzeugungsanlage oder einen Speicher ab 950 Kilowatt planen, ändert sich der Prozess grundlegend. Wer einen Netzanschluss im Netzgebiet von Netze BW anstrebt, muss Projektreife nachweisen, bevor er einen Anschluss erhält. Unvollständige oder spekulative Anfragen werden nicht mehr vorgemerkt.
Für Industriebetriebe, die Großwärmepumpen oder kritische Infrastruktur betreiben, bleibt das bisherige Verfahren bestehen. Sie sind vom neuen Punktesystem ausgenommen.
Das Verfahren schafft Planungssicherheit für Projektentwickler mit ausgereiften Vorhaben und erhöht den Vorbereitungsaufwand: Wer ohne abgesicherte Fläche, ohne Genehmigungsstatus oder ohne klaren Standortbezug antritt, hat wenig Aussicht auf eine Kapazitätszusage. Netze BW investiert nach eigenen Angaben bis 2030 jährlich einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in Ausbau und Modernisierung seiner Strominfrastruktur.
Fazit
Das neue Vergabeverfahren von Netze BW setzt einen klaren Anreiz: Projektreife vor Antragsdatum. Für Betriebe und Entwickler im Netzgebiet des Unternehmens bedeutet das, Dokumentation und Genehmigungsplanung deutlich früher abzuschließen als bisher. Wer das erste Anmeldefenster im November nutzen will, hat weniger als drei Monate Vorlauf.




















