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Multikupplungen galten lange als reine Verbindungselemente. Das ändert sich. Hersteller wie Walther-Präzision integrieren Sensorik direkt in die Kupplung. Das Bauteil meldet Verriegelungszustand, Verschleiß und Druckwerte in Echtzeit an übergeordnete Steuerungssysteme. Damit wird die Multikupplung zur Datenquelle im Produktionsnetz.
Was Multikupplungen heute leisten
Eine Multikupplung fasst mehrere Einzelverbindungen in einer Schnittstelle zusammen: Hydraulik-, Pneumatik- und Elektroleitungen, kombiniert mit Datenkanälen. Ein einziger Kuppelvorgang stellt alle Verbindungen gleichzeitig her. Das spart Zeit beim Werkzeug- oder Palettenwechsel.
Anbieter wie Stäubli entwickeln solche Systeme seit über 60 Jahren. Parker Hannifin, Festo und Eisele Connectors gehören ebenfalls zu den etablierten Herstellern in diesem Segment. Die STAUFF Gruppe liefert ergänzend Hydraulikzubehör für den Maschinen- und Anlagenbau.
Die neue Generation integriert Sensoren, die Betriebszustand und Verschleißgrad erfassen. Diese Daten fließen direkt in die Maschinensteuerung oder in übergeordnete IT-Systeme. Das ermöglicht vorausschauende Wartung, auch bekannt als Predictive Maintenance: Wartungseingriffe werden geplant, bevor ein Ausfall eintritt.
Relevanz für Produktion und Instandhaltung
Werkzeugwechsel in der Automobilindustrie
Ein konkretes Anwendungsfeld ist der automatisierte Werkzeugwechsel bei Industrierobotern. In der Automobilindustrie wechseln Roboter Greifer und Werkzeuge mehrfach pro Schicht. Jede Kupplung muss dabei sicher und vollständig einrasten. Eine intelligente Multikupplung meldet den Verriegelungszustand sofort. Fehlerhafte Verbindungen werden erkannt, bevor der Prozess startet.
Walther-Präzision hat solche Werkzeugwechsler für den Robotereinsatz in der Automobilindustrie entwickelt. Die Kupplung übernimmt dabei die physische Verbindung und die Zustandsüberwachung.
Spritzguss und Kunststoffverarbeitung
In der Kunststoffverarbeitung sind Werkzeugwechsel an Spritzgussmaschinen aufwendig. Mehrere Medienkreisläufe, Temperierkanäle und elektrische Verbindungen müssen gleichzeitig getrennt und wieder verbunden werden. Multikupplungen reduzieren den Zeitaufwand erheblich. Stäubli gibt an, seit Jahrzehnten Lösungen für genau diesen Bereich zu liefern.
Wenn die Kupplung zusätzlich Leckagen oder Druckabfall meldet, sinkt das Risiko von Produktionsausfällen durch unbemerkte Undichtigkeiten.
Integration in vernetzte Produktionsumgebungen
Der Schritt zur Smart Factory setzt voraus, dass physische Komponenten Daten liefern. Multikupplungen sind an jedem Schnittstellen- und Wechselpunkt im Einsatz und strukturell gut positioniert, um Prozessdaten zu erfassen.
Die Herausforderung liegt in der Systemintegration. Die Sensordaten müssen in gängige Protokolle übersetzt werden, etwa OPC UA oder IO-Link. Nur dann lassen sie sich in bestehende MES- oder SCADA-Systeme einbinden. Hersteller wie Actronic-Solutions und ILME arbeiten an entsprechenden Schnittstellenlösungen.
Für Produktionsverantwortliche bedeutet das: Die Kupplung wird Teil der Datenkette. Wer neue Multikupplungen beschafft, sollte die Kompatibilität mit der eigenen Steuerungsarchitektur prüfen. Retrofit bestehender Anlagen ist in manchen Fällen möglich, hängt aber von der vorhandenen Infrastruktur ab.
Fazit
Multikupplungen sind kein Commodity-Bauteil mehr. Sie entwickeln sich zu Systemkomponenten mit Diagnosefunktion. Für Betriebe, die Rüstzeiten senken und Ausfälle planbarer machen wollen, lohnt eine Neubewertung der eingesetzten Kupplungssysteme. Die Frage ist nicht mehr nur, welche Medien verbunden werden sollen, sondern welche Daten die Schnittstelle liefern soll.




















