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72 Softwaredienste, 158 verschiedene Namen, durchschnittlich knapp drei Jahre Lebensdauer pro Bezeichnung: Der australische IT-Berater Loryan Strant hat diese Zahlen in einer öffentlich zugänglichen Datenbank namens „The Rebrand Registry“ zusammengetragen. Das Ergebnis ist für viele IT-Verantwortliche keine Überraschung, aber eine nüchterne Bestätigung eines alltäglichen Problems.

Was die Datenbank zeigt

Strant erfasst in seiner Datenbank sämtliche Namensänderungen von Microsoft-Softwareprodukten. Acht der 72 dokumentierten Dienste haben demnach bereits drei komplette Namenswechsel durchlaufen. Ein Produkt bleibt im Schnitt zwei Jahre und elf Monate unter derselben Bezeichnung, bevor eine neue eingeführt wird.

Ein ähnliches Projekt betreibt der indische IT-Spezialist Susanth Sutheesh mit dem „Rename Tracker“ auf seiner Plattform „A Guide to Cloud“. Dieser konzentriert sich auf Kategorien wie Security, Identity und Compliance und listet über 40 Produkte mit mehr als 65 Namensänderungen seit 2006. Den Rekord hält der Microsoft Configuration Manager mit vier verschiedenen Namen in seiner Produktgeschichte.

Konkreter Aufwand in IT-Abteilungen

Für Unternehmen mit automatisierter IT-Infrastruktur entstehen durch Umbenennungen direkte Folgekosten. Wenn Microsoft Bezeichnungen in Programmierschnittstellen (APIs) anpasst, müssen Entwickler bestehende Skripte und Code-Bibliotheken überarbeiten. Diese Arbeit liefert dem Unternehmen keinen funktionalen Mehrwert und bindet Kapazitäten, die sonst für Eigenentwicklungen oder Systemoptimierungen genutzt werden könnten.

Techniker sprechen in diesem Zusammenhang von einer „Produktivitätssteuer“: die Arbeitszeit, die für das Abgleichen alter und neuer Produktnamen in Dokumentationen, Handbüchern und Supportprozessen anfällt. Viele IT-Fachleute behalten alte Produkthandbücher, um bei Support-Anfragen die Namenshistorie eines Produkts nachvollziehen zu können.

Inkonsequente Umsetzung in Produktoberflächen

Ein konkretes Beispiel: Microsoft bündelte verschiedene Identitätsdienste unter der Dachmarke „Entra ID“. Im Azure-Portal erscheint der neue Name. In tieferliegenden Untermenüs taucht jedoch weiterhin die alte Abkürzung „AAD“ für Azure Active Directory auf. Solche Inkonsistenzen zwingen Administratoren dazu, parallele Bezeichnungssysteme im Kopf zu behalten.

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Praktische Relevanz für den Betrieb

Für Einkaufsabteilungen, die Softwareverträge verwalten, entstehen zusätzliche Prüfaufwände. Lizenzverträge, Service-Level-Vereinbarungen und interne Richtlinien können veraltete Produktnamen enthalten. Eine Umbenennung durch den Hersteller macht diese Dokumente nicht automatisch ungültig, erfordert aber eine manuelle Prüfung auf Aktualität.

Auch Ausschreibungen und Beschaffungsprozesse sind betroffen. Wer im Anforderungsdokument eine Produktbezeichnung nennt, die Microsoft zwischenzeitlich geändert hat, riskiert Missverständnisse bei Bietern oder Integratoren.

Die „Rebrand Registry“ enthält eine Funktion, die auf Basis historischer Umbenennungszyklen Wahrscheinlichkeiten für künftige Namenswechsel berechnet. Als Kandidaten für eine baldige Umbenennung nennt das Tool den Azure App Service sowie die Azure SQL Database. Ob und wann Microsoft diese Schritte umsetzt, ist offen. Für Planungszwecke taugt die Vorhersage allenfalls als grober Hinweis.

Fazit

Microsoft-Umbenennungen sind kein Randthema für IT-Nerds. Sie erzeugen reale Aufwände in Entwicklung, Administration, Einkauf und Dokumentation. Unternehmen, die stark auf Microsoft-Dienste setzen, sollten Namensänderungen als festen Posten in ihrem IT-Betrieb einplanen. Tools wie die „Rebrand Registry“ helfen dabei, den Überblick zu behalten, ersetzen aber keine interne Prozessregelung für den Umgang mit Produktänderungen des Herstellers.