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Der Hochlauf emissionsfreier Nutzfahrzeuge scheitert nicht mehr an der Fahrzeugtechnik. Das war die klare Botschaft auf dem Zukunftstag Nutzfahrzeuge von BGL und DEKRA am Lausitzring. Hersteller bringen marktreife Lösungen auf die Straße. Bei geeignetem Einsatzprofil und eigener Photovoltaik-Stromerzeugung sind batterieelektrische Lkw im Betrieb bereits günstiger als Dieselfahrzeuge. Die Hürden liegen woanders: Ladeinfrastruktur, Netzkapazität und verlässliche politische Rahmenbedingungen fehlen.

Direkte Elektrifizierung hat Vorrang

Eine aktuelle Studie der TU Berlin zur klimaneutralen Energieversorgung kommt zu demselben Befund. Die Forscher setzen die direkte Elektrifizierung an erste Stelle der Antriebswende. Wo immer ein Batterieantrieb technisch machbar ist, sollte er auch zum Einsatz kommen. Das gilt für den Großteil des Straßengüterverkehrs. Für Flottenbetreiber mit planbaren Routen und Depotladung ist der Umstieg auf E-Lkw heute wirtschaftlich darstellbar.

Doch nicht alle Anwendungen lassen sich direkt elektrifizieren. Schifffahrt, Luftfahrt und stationäre Backup-Kraftwerke zur Absicherung von Dunkelflauten, also Perioden ohne Wind und Sonne, stoßen mit Batterietechnik an physikalische Grenzen. Hier braucht die Industrie einen anderen Energieträger.

Warum Methanol besser abschneidet als Wasserstoff

Die TU Berlin plädiert in diesen Fällen für ein minimales Methanol-Backup statt eines flächendeckenden Wasserstoffnetzes. Die Begründung ist technisch-ökonomisch. Wasserstoff hat eine sehr geringe Energiedichte. Er muss unter extremem Druck oder bei sehr tiefen Temperaturen gespeichert werden. Der Transport erfordert vollständig neue Pipelines und spezialisierte Behälter.

Methanol ist bei Raumtemperatur flüssig. Es lässt sich per Schiff, Bahn oder Lkw transportieren. Bestehende Öl-Pipelines können umgerüstet werden. Methanol ist mit Wasser mischbar und erzeugt bei der Fermentierung weniger Wärme als andere flüssige Kohlenstoffträger, was die prozesstechnische Handhabung vereinfacht. Grünes Methanol lässt sich aus Biomasse, Klärschlamm oder durch die Kombination von erneuerbarem Strom mit CO2 aus der Luft herstellen.

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Kosten und Risikoabwägung

Die Modellrechnungen der TU Berlin zeigen: Eine auf Methanol ausgerichtete Backup-Strategie kostet im Gesamtsystem rund 2,4 Prozent mehr als ein Szenario mit breitem Wasserstoffnetz. Dieser Aufschlag ist gering. Im Gegenzug sinkt das Risiko teurer Fehlinvestitionen beim Infrastrukturaufbau erheblich. Ein Wasserstoffnetz, das nicht ausgelastet wird, bindet enormes Kapital ohne wirtschaftlichen Gegenwert.

Für Unternehmen in der Fahrzeug- und Anlagentechnik ergibt sich daraus eine konkrete Einschätzung. Wer heute in Antriebssysteme oder stationäre Energieversorgung investiert, sollte die Technologiewahl sorgfältig prüfen. Methanol-Motoren und Methanol-Brennstoffzellen sind verfügbar. Schiffe fahren bereits mit Methanol. Die Infrastruktur lässt sich schrittweise aufbauen, ohne auf eine einzige großdimensionierte Pipeline-Entscheidung angewiesen zu sein.

Was das für Produktions- und Einkaufsentscheidungen bedeutet

Für Produktionsleiter und Einkäufer in Branchen mit schwerem Fuhrpark oder energieintensiven Prozessen laufen derzeit zwei parallele Entwicklungen ab. Erstens: Der batterieelektrische Lkw kommt schneller als viele erwartet haben. Wer Ladeinfrastruktur plant oder Fördergelder beantragt, sollte jetzt handeln. Zweitens: Wer Aggregate, Notstromsysteme oder Schiffsantriebe beschafft, sollte Methanol als Option in die Ausschreibung aufnehmen. Die Technologie ist vorhanden, die Lieferketten für Methanol sind etablierter als jene für Wasserstoff.

Die Batterieherstellerbranche in Deutschland ist regional unterschiedlich dicht verteilt. Wer regionale Lieferanten sucht, findet je nach Bundesland sehr unterschiedliche Wettbewerbsverhältnisse. Das beeinflusst Lieferzeiten und Preise bei der Beschaffung von Speichersystemen.

Fazit

Die Studie der TU Berlin ist keine Blaupause für jeden Betrieb. Sie zeigt aber, dass die Debatte Batterie gegen Wasserstoff in dieser Vereinfachung falsch gestellt ist. Batterien lösen den Großteil des Problems. Methanol löst den Rest. Wer jetzt in Infrastruktur oder Antriebstechnik investiert, geht mit dieser Zweiteilung geringere Investitionsrisiken ein als mit einem Alles-auf-Wasserstoff-Ansatz.

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