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Mercedes-Benz hat zwei deutsche Werke offen infrage gestellt. Produktionsvorstand Michael Schiebe erklärte auf einer Betriebsversammlung in Sindelfingen, dass ein Montagewerk und ein Werk für Antriebskomponenten zur Disposition stehen, falls die Kosten nicht sinken. Welche Standorte konkret gemeint sind, nannte der Konzern nicht. Schließungen sind bislang nicht beschlossen.
Kostenabstand zu Ungarn als Messlatte
Mercedes betreibt neben seinen deutschen Werken den Standort Kecskemét in Ungarn. Dort sind die Arbeitskosten nach Konzernangaben rund 70 Prozent niedriger als in Deutschland. Der Konzern hat Kecskemét in den vergangenen Jahren ausgebaut und rund eine Milliarde Euro investiert. Inzwischen wird dort auch eine elektrische C-Klasse gefertigt. Der Standort gilt intern als Vergleichsgröße bei Entscheidungen über künftige Modellvergaben.
Laut einem Bericht der WirtschaftsWoche, gestützt auf drei mit den Gesprächen vertraute Personen, will Mercedes 800 Millionen Euro bei den deutschen Arbeitskosten einsparen. Der Konzern hat diese Zahl bislang nicht bestätigt.
Modellvergabe entscheidet über Zukunft der Standorte
Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management, ordnet die Situation strukturell ein. Ein Werk wie Bremen sei derzeit gut ausgelastet. Ausschlaggebend sei aber, welche Fahrzeuggenerationen dort in drei bis vier Jahren produziert werden. Gute Auslastung heute sichere kein Folgemodell morgen.
Bratzel nennt neben den Arbeitskosten weitere Standortfaktoren: Fertigungsqualität, Energiepreise und die Kosten einer möglichen Schließung selbst. Daraus folge keine zwangsläufige Verlagerung. Es zeige aber, welche Alternativen Mercedes bei der nächsten Modellvergabe hat.
Branchenweiter Druck auf deutsche Standorte
Der Konflikt ist kein Einzelfall. Volkswagen kann für die Werke Emden, Zwickau und Hannover sowie das Audi-Werk Neckarsulm derzeit keine wettbewerbsfähige Folgebelegung garantieren, gestaffelt ab 2031 bis 2034. Keines dieser Werke ist zur Schließung beschlossen. BMW plant dem Vernehmen nach den Abbau von rund 8.000 Stellen weltweit, über Fluktuation und freiwillige Abfindungen. BMW hat sich dazu nicht offiziell geäußert.
Arbeitszeit im Mittelpunkt der Verhandlungen
Konkret geht es auch um die Wochenarbeitszeit. Mercedes führt Gespräche über eine Verlängerung der vielerorts geltenden 35-Stunden-Woche auf 38 Stunden, ohne Lohnausgleich. Das entspricht rechnerisch 8,6 Prozent mehr vertraglicher Wochenarbeitszeit bei unverändertem Monatsgehalt und damit einem faktisch niedrigeren Stundenlohn. Eine Einigung gibt es bislang nicht. Die IG Metall lehnt die Abkehr von der 35-Stunden-Woche ab.
Ferdinand Dudenhöffer hält die 35-Stunden-Woche unter den gegenwärtigen Wettbewerbsbedingungen für überholt. Eine abrupte Werksschließung erwarte er nicht: Ein Standort könne zunächst schrittweise verkleinert werden.
Geschäftszahlen unter Druck
Die Mercedes-Pkw-Sparte leidet unter schwachem China-Geschäft. Der Konzern hatte die Gewinnprognose für das laufende Jahr bereits gesenkt. Die Aktie verlor nach den jüngsten Meldungen rund 3,1 Prozent.
Fazit
Die deutschen Werke der großen Hersteller stehen unter strukturellem Kostendruck. Entscheidungen über Modellvergaben in den nächsten zwei bis vier Jahren werden darüber befinden, welche Standorte langfristig Bestand haben. Zulieferer, die auf bestimmte Werke ausgerichtet sind, sollten die Vergabeprozesse genau beobachten. Bei Mercedes, VW und BMW sind die Drohkulissen verschieden, die Logik dahinter ist dieselbe.




















