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Mercedes-Benz hat den Kostendruck auf seine deutschen Standorte mit konkreten Zahlen untermauert. Rechtsvorstand Olaf Schick präsentierte am 8. September 2026 auf einer Betriebsversammlung Folien, die Personalkosten in Deutschland direkt mit Werken in Rumänien und den USA verglichen. Das berichtet die Wirtschaftswoche unter Berufung auf Fotos dieser Folien. Das Ergebnis: Produktion in Rumänien ist demnach rund 82 Prozent günstiger als an deutschen Standorten.
Öffentlicher Druck als Verhandlungsstrategie
Dass ein Vorstandsmitglied solche Vergleiche direkt vor der Belegschaft präsentiert, ist ungewöhnlich. Es signalisiert, dass das Management die Auseinandersetzung über Kosten und Arbeitsbedingungen nicht mehr nur intern führt. Mercedes fordert von den Beschäftigten eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Die IG Metall und der Betriebsrat lehnen das ab.
Parallel dazu berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung über mögliche Werkschließungen in Deutschland. Welche Standorte konkret gemeint sind, ist nicht bestätigt. Mercedes beschäftigt in Deutschland mehrere Zehntausend Mitarbeiter, unter anderem in Sindelfingen, Stuttgart-Untertürkheim, Bremen und Rastatt.
Rückläufige Absatzzahlen verschärfen die Lage
Der Kostendruck hat einen konkreten Hintergrund. Mercedes-Benz verzeichnet rückläufige Absatzzahlen in wichtigen Märkten, darunter China. Der Konzern hat bereits ein umfassendes Sparprogramm angekündigt, bei dem Personalkosten einer der größten Hebel sind.
Der Vergleich mit Rumänien ist kein rein internes Recheninstrument. Er ist eine öffentliche Botschaft: Wer bei Lohnkosten und Arbeitszeiten nicht nachgibt, riskiert Verlagerung. Ob und wie schnell Mercedes tatsächlich Kapazitäten verlagern kann, hängt von Tarifverträgen, Mitbestimmungsrechten und Investitionszyklen ab. Neue Werke entstehen nicht binnen Monaten.
Was das für Zulieferer und Mittelstand bedeutet
Für Unternehmen, die Mercedes direkt oder indirekt beliefern, ist die Richtung klar. Wer als Tier-1- oder Tier-2-Lieferant von Mercedes abhängt, muss damit rechnen, dass der Preisdruck aus diesem Kostendiskurs weitergegeben wird. Einkäufer großer Automobilhersteller nutzen solche öffentlichen Vergleiche regelmäßig als Argument in Preisverhandlungen.
Auch für mittelständische Fertigungsbetriebe ohne direkte Mercedes-Verbindung ist das Signal relevant. Der Vergleich zeigt, wie groß das Lohngefälle zwischen Deutschland und Mittel- und Osteuropa tatsächlich ist. Wer in arbeitsintensiven Segmenten produziert, steht vor denselben strukturellen Fragen, nur ohne die Ressourcen eines Großkonzerns für eine geordnete Verlagerung.
Arbeitszeit als zentrales Streitfeld
Die Forderung nach längerer Arbeitszeit ohne Lohnausgleich ist nicht neu. In der Metall- und Elektroindustrie gilt seit Jahren eine tarifliche 35-Stunden-Woche. Ausnahmen sind möglich, aber verhandlungspflichtig. Mercedes versucht offenbar, diesen Spielraum neu zu definieren, mit Verweis auf internationale Wettbewerber. In den USA arbeiten Beschäftigte in der Automobilproduktion in der Regel 40 Stunden pro Woche, teils mehr.
Mitbestimmung als Bremse und Puffer
Das deutsche Mitbestimmungsrecht schützt Beschäftigte vor abrupten Verlagerungen. Betriebsräte müssen bei Standortentscheidungen einbezogen werden, Sozialpläne verursachen erhebliche Kosten. Das verlangsamt Verlagerungsentscheidungen, verhindert sie aber nicht dauerhaft. Mercedes weiß das. Die Botschaft der Betriebsversammlung zielt darauf ab, die Bereitschaft zu Kompromissen zu erhöhen, bevor formale Verfahren eingeleitet werden.
Fazit
Dass Mercedes interne Kostendaten auf einer Betriebsversammlung öffentlich präsentiert, zeigt, wie offen Lohnkostenvergleiche mit Osteuropa inzwischen als Druckmittel eingesetzt werden. Für Entscheider in der Industrie ist das kein isoliertes Konzernereignis. Wer selbst unter Margendruck steht, sollte seine eigene Kostenbasis kennen, nicht als Vorbereitung zur Verlagerung, sondern um in Preisverhandlungen und Tarifgesprächen auf Fakten statt auf Annahmen zurückgreifen zu können.




















