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Mercedes-Benz kehrt zur Präsenzarbeit zurück. Ab Januar 2027 sollen Bürobeschäftigte des Stuttgarter Automobilherstellers bis zu vier Tage pro Woche im Betrieb arbeiten. Die bisherige Betriebsvereinbarung, die vollständiges Homeoffice an fünf Tagen erlaubte, wurde gekündigt. Sie läuft zum März 2027 aus.
Vier Präsenztage sollen Standard werden
Die neue Regelung sieht vor, dass Führungskräfte für Vollzeitbeschäftigte bis zu vier Präsenztage pro Woche festlegen dürfen, ohne dies begründen zu müssen. Das erklärte ein Mercedes-Sprecher in Medienberichten vom 30. September 2026. Ausnahmen sollen in begründeten Einzelfällen möglich bleiben.
Die Vereinbarung wurde mit dem Konzernbetriebsrat abgestimmt. Nun müssen die Betriebsratsgremien der einzelnen Standorte die neue Regelung ratifizieren. Der Druck dabei ist kalkuliert: Kommt keine neue Betriebsvereinbarung zustande, greift ab März 2027 automatisch die gesetzliche Grundregel, also Präsenzpflicht an fünf Tagen.
Hintergrund: Produktivität und Kostendruck
Mercedes-Benz bezeichnet das Vorhaben intern als Teil einer „Produktivitätsoffensive“. Der Konzern kämpft mit sinkenden Absatzzahlen und unter Druck geratenen Margen. Personalvorständin Britta Seeger hatte das Problem im Dezember 2025 offen benannt: Die Präsenzquote in Bürobereichen habe zeitweise bei rund 50 Prozent gelegen. Einzelne Mitarbeitende seien gar nicht mehr erschienen.
Parallel verhandelt Mercedes-Benz mit Betriebsrat und IG Metall über eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich. Der Konzern begründet das mit dem Kostengefälle gegenüber Auslandsstandorten. Im Werk Kecskemét in Ungarn liegen die Faktorkosten nach eigenen Angaben rund 70 Prozent unter dem deutschen Niveau.
Kecskemét als strukturelle Drohkulisse
Das ungarische Werk ist mehr als ein Vergleichswert. Mercedes-Benz hatte die dortige Jahreskapazität Mitte Juli 2026 auf 400.000 Fahrzeuge verdoppelt. Das Werk kann technisch dieselben Modelle fertigen wie die deutschen Standorte Bremen und Rastatt. Die Botschaft dahinter ist unmissverständlich.
Sollten Betriebsrat und Gewerkschaft einer Arbeitszeitverlängerung nicht zustimmen, hat der Konzern laut Berichten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine Werksschließung in Deutschland als Szenario auf der Agenda. Welches Werk betroffen sein könnte, ist nicht bekannt. Eine formale Entscheidung von Vorstand und Aufsichtsrat liegt bislang nicht vor.
Was das für andere Betriebe bedeutet
Mercedes-Benz ist kein Einzelfall. Mehrere Großunternehmen haben in den vergangenen Monaten Homeoffice-Regelungen verschärft oder angekündigt, dies zu tun. Der Schritt bei Mercedes ist jedoch in seiner Konsequenz auffällig: Eine Vollpräsenzregelung wird als Rückfalloption gezielt eingesetzt, um Verhandlungsdruck zu erzeugen.
Für Personalverantwortliche in Industrie und Mittelstand liefert dieser Fall einen Präzedenzfall. Die Kündigung einer bestehenden Betriebsvereinbarung zum Homeoffice ist rechtlich möglich, erfordert jedoch eine sorgfältige Abstimmung mit dem Betriebsrat und klare Fristen. Wer ähnliche Schritte plant, sollte die arbeitsrechtlichen Voraussetzungen frühzeitig klären.
Fazit
Mercedes-Benz zieht bei der Präsenzpflicht einen klaren Strich. Die Maßnahme ist Teil eines Umbaus der Arbeitsbedingungen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Ob die Betriebsratsgremien der Standorte zustimmen, entscheidet sich in den kommenden Wochen.




















