Stell dir vor, eine ganze Industrie schrumpft seit drei Jahren ohne Unterbrechung. Genau das passiert gerade mit dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Die Produktion geht seit Anfang 2023 zurück – das sind bereits zwölf Quartale am Stück.
Für das laufende Jahr prognostizieren Experten ein Produktionsminus von fünf Prozent. Das ist keine kleine Delle mehr, sondern ein deutlicher Einbruch. Die exportorientierte Branche steckt in einer tiefen Nachfrageflaute fest.
VDMA-Präsident Bertram Kawlath beschreibt die Lage als äußerst angespannt. Viele Betriebe arbeiten nicht mehr mit voller Auslastung. Die Situation erinnert an die schwere Rezession Anfang der 90er-Jahre.
Damals gab es 13 Minusquartale hintereinander. Jetzt sind wir fast auf diesem Niveau angekommen. Chefvolkswirt Johannes Gernandt vom VDMA sieht keine schnelle Besserung.
Die Auftragsbücher bleiben dünn. Globale Handelskonflikte und strukturelle Probleme belasten das Geschäft. Du erfährst hier, wie es so weit kommen konnte und was das für die Zukunft bedeutet.
Schlüsselerkenntnisse
- Die Produktion im deutschen Maschinen- und Anlagenbau sinkt seit zwölf Quartalen in Folge.
- Für das aktuelle Jahr wird ein Rückgang um fünf Prozent erwartet.
- Die exportorientierte Industrie leidet unter einer anhaltenden Nachfrageschwäche.
- Die aktuelle Situation wird mit der schweren Rezession der frühen 1990er Jahre verglichen.
- Eine schnelle Erholung der Branche ist laut Experten nicht in Sicht.
- Globale Handelskonflikte und strukturelle Probleme in Deutschland verschärfen die Krise.
- Die Unterauslastung in vielen Betrieben erreicht ein besorgniserregendes Ausmaß.
Aktuelle Lage im Maschinenbau
Weniger als 80 Prozent der Kapazitäten werden derzeit genutzt – ein alarmierender Wert. Die Fabriken arbeiten mit einer Auslastung von nur 78,3 Prozent.
Dies liegt deutlich unter dem üblichen Mittelwert von etwa 85 Prozent. Du siehst hier eine gefährliche Unterauslastung der Produktionsanlagen.
Nachfrageflaute und Produktionsrückgang
Traditionelle Absatzmärkte brechen weg. Neue Bestellungen für Maschinen bleiben aus.
Diese Entwicklung führt zu einer Abwärtsspirale. Die Produktion muss weiter gedrosselt werden.

Globale Herausforderungen und Handelsbeschränkungen
Zwei Drittel der Firmen rechnen mit Umsatzeinbußen durch US-Strafzölle. Nicht nur die Zölle selbst sind das Problem.
Die bürokratische Belastung stellt viele Betriebe vor große Hürden. Nur etwa ein Viertel der Unternehmen glaubt, die amerikanischen Anforderungen erfüllen zu können.
| Unternehmensgröße | Erwarteter Umsatzrückgang | Kann Anforderungen erfüllen | Hauptproblem |
|---|---|---|---|
| Großunternehmen | Über 10 Prozent | Ja (40%) | Bürokratie |
| Mittelständler | 5-10 Prozent | Teilweise (25%) | Zollformalitäten |
| Kleinbetriebe | Unter 5 Prozent | Nein (10%) | Komplexe Regeln |
Laut VDMA-Chefvolkswirt Johannes Gernandt braucht es grundlegende Reformen. Diese müssen in Deutschland und Europa echte Entlastung bringen.
Die schwierige Situation wird sich erst lösen, wenn globale Handelskonflikte beigelegt werden. Ein umfassendes Paket an wirtschaftspolitischen Veränderungen ist nötig.
Maschinenbau in der Krise – Aufträge brechen weiter ein
Ein Blick auf die Auftragseingänge offenbart die Tiefe der Problematik. Die Zahlen für den Herbst bestätigen den negativen Trend.
Einblick in den Auftragsrückgang
Im September lagen die neuen Bestellungen für die Branche real, also preisbereinigt, um 19 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats. Ein Grund: Im Vorjahr hatten Großaufträge im Anlagenbau für einen temporären Schub gesorgt.
Diese Sondereffekte fehlen diesmal. Die Inlandsnachfrage ging um 5 Prozent zurück. Die Auslandsorders brachen um 24 Prozent ein.
Die Schwäche zog sich durch das gesamte dritte Quartal. Hier lag der Eingang um 6 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum.
Für die ersten neun Monate des laufenden Jahres fällt die Bilanz nun auch negativ aus, mit minus 1 Prozent. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.
| Zeitraum | Veränderung (real) | Bemerkung / Kontext |
|---|---|---|
| September (gegenüber Vorjahresmonat) | -19 % | Fehlende Großaufträge wie im Vorjahr |
| 3. Quartal | -6 % | Anhaltende Schwäche über drei Monate |
| Erste 9 Monate des Jahres | -1 % | Gesamtbilanz jetzt negativ |
| Auslandsorders (September) | -24 % | Besonders starker Einbruch |
Auswirkungen auf Unternehmen und Anlagenbau
Für Betriebe bedeutet das Fehlen großer Projekte massive Planungsunsicherheit. Die gesamte Lieferkette ist betroffen.
Zulieferer und Dienstleister spüren die Folgen. Als Betroffener oder Beobachter kannst du erkennen, dass sich diese Krise über viele Monate hinzieht.
Eine schnelle Besserung ist unrealistisch. Strategien wie Investitionen in automatisierte Fertigungslösungen gewinnen an Bedeutung, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Arbeitsmarkt und Zukunftsperspektiven
Die anhaltende Schwäche der Branche hinterlässt nun deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Die Beschäftigung ist im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent zurückgegangen.
Kurzarbeit, Personalabbau und Fachkräftebedarf
In größeren Betrieben mit über 50 Beschäftigten arbeiten etwa 1,01 Millionen Menschen. Insgesamt sind bei den Maschinenbauern und im Anlagenbau über 1,2 Millionen Menschen tätig.
Eine VDMA-Erhebung zeigt ein gespaltenes Bild. 55 Prozent der Unternehmen wollen ihre Stammbelegschaft in den nächsten sechs Monaten stabil halten.
Doch mehr als jedes vierte Unternehmen sieht sich zum Personalabbau gezwungen. Kurzarbeit wird häufiger eingesetzt, um Entlassungen zu vermeiden.
Du erkennst das Dilemma: Einerseits müssen Kosten gesenkt werden. Andererseits braucht man qualifizierte Fachkräfte für die Zukunft.
Auswirkungen auf Beschäftigung und Lohnstrukturen
Die Unsicherheit bei den Beschäftigten wächst. Die Lohnentwicklung dürfte gedämpft bleiben.
Trotz der Krise betont VDMA-Präsident Bertram Kawlath: „Unsere Betriebe wollen ihre Stammbelegschaften weiter halten und wir suchen auch weiterhin Fachkräfte.“
Der demografische Wandel erzwingt langfristiges Denken. Der Bedarf an Spezialisten bleibt hoch, auch wenn aktuell Stellen abgebaut werden.
Ausblick und praktische Empfehlungen
Für die kommenden Monate bleibt die Lage angespannt, doch der Branchenverband sieht einen leichten Lichtblick am Horizont. Erst im nächsten Jahr rechnet der VDMA mit einem Produktionsplus von einem Prozent.
Diese vorsichtige Prognose zeigt dir, dass die schwierige Situation mindestens bis zum Ende des laufenden Jahres andauert. Eine schnelle Erholung ist nicht zu erwarten.
VDMA-Präsident Bertram Kawlath fordert deshalb grundlegende Reformen. Die Maschinenbauer brauchen flexiblere Arbeitszeiten und eine längere Lebensarbeitszeit.
Das Rentenalter sollte schrittweise steigen. Die vorzeitige abschlagsfreie Rente gehört abgeschafft und das Arbeitslosengeld I auf zwölf Monate begrenzt.
Die Betriebe leiden unter hohen Abgaben, überflüssiger Bürokratie und neuen Belastungen wie dem geplanten Tariftreuegesetz. Kawlath kritisiert zudem eine überhitzte politische Rhetorik als unangemessen.
Die Zukunft des Maschinenbaus hängt an diesen Weichenstellungen. Nur mit mehr Entlastung und Flexibilität kann der Sektor seinen Wert zurückgewinnen. Die nächsten Quartale bis zum Jahresende werden entscheidend sein.


















