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Drei Stellenabbau-Ankündigungen in eineinhalb Jahren: Der Pharmastandort Marburg steht unter Druck. Biontech plant die Veräußerung seines Produktionswerks, CSL Behring beendet Forschung und Entwicklung vor Ort, und Innexis streicht ebenfalls Stellen. Rund 1.300 Arbeitsplätze könnten in der mittelhessischen Stadt wegfallen. Die Folgen treffen die Betroffenen direkt, aber auch Zulieferer und Dienstleister im Umfeld.

Unterschiedliche Ursachen, ähnliche Wirkung

Die Gründe für den Stellenabbau sind je nach Unternehmen verschieden. Biontech, das in Marburg einen mRNA-Impfstoff-Produktionsstandort betreibt, begründete die geplante Schließung mit Überkapazitäten und zu geringer Auslastung nach dem Ende der Pandemie-Nachfrage. Rund 540 Beschäftigte wären betroffen. Das Unternehmen prüft Veräußerungsoptionen für diesen und mehrere weitere Standorte.

CSL, ein auf plasmabasierte Therapien spezialisierter Konzern mit Sitz in Melbourne, Australien, stellt seine Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Marburg ein und konsolidiert sie konzernweit. Das kostet am Standort rund 780 Stellen. Marburg soll dennoch ein zentraler Produktionsstandort im CSL-Netzwerk bleiben, mit künftig noch etwa 2.800 Beschäftigten. Investitionen in den Standort sollen laut Unternehmensangaben weiterlaufen.

Gewerbesteuer spürt den Einbruch

Die Stadt Marburg hat die wirtschaftliche Verschiebung bereits in ihren Gewerbesteuereinnahmen registriert. Während des Pandemie-Booms waren die Einnahmen stark gestiegen, vor allem dank Biontech. Oberbürgermeister Thomas Spies spricht von einem Rückgang gegenüber der langfristigen Trendlinie. Einen strukturellen Niedergang des Standorts sieht er jedoch nicht. Marburg liefere nach wie vor unverzichtbare Produkte für Intensivstationen und Rettungsdienste in ganz Deutschland.

Spies fordert vom Bund gezielte Unterstützung. Wer bei künftigen Pandemien auf vorhandene Produktionskapazitäten zurückgreifen wolle, müsse deren Erhalt sicherstellen. Produktionsstandorte für kritische Arzneimittel lassen sich nicht kurzfristig aufbauen.

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Start-up-Hub als Antwort auf den Stellenverlust

Die Stadt und die Philipps-Universität Marburg planen einen Innovation Hub für Pharma, Biotechnologie und Life Sciences. Basis ist ein erst vor wenigen Jahren errichteter Forschungs- und Entwicklungs-Campus von CSL Behring mit Labor- und Büroflächen. Diese Infrastruktur soll nun für Gründer, Wissenschaftler und Branchenexperten geöffnet werden.

Uni-Präsident Thomas Nauss sieht mehrere Nutzungsebenen. Das Gebäude bleibt im Betrieb, im besten Fall mit mehreren Mietern gleichzeitig. Die Universität plant eine Forschungsaußenstelle auf dem Campus. Ehemalige CSL-Mitarbeiter aus dem Innovationsbereich könnten als Berater für Gründer tätig werden. Zwei frühere CSL-Beschäftigte haben diese Rolle bereits übernommen.

Vorhandenes Know-how als Kapital

Der Ansatz hat eine praktische Logik. Marburg verfügt über jahrzehntelang aufgebautes pharmazeutisches Fachwissen, regulatorische Kompetenz und Produktionserfahrung. Dieses Know-how ist nicht an einzelne Unternehmen gebunden, sondern steckt in den Köpfen der Beschäftigten. Ein Gründer-Ökosystem, das auf diesen Personen aufbaut, hat bessere Voraussetzungen als ein Hub auf der grünen Wiese.

Ob daraus in relevantem Umfang neue Unternehmen entstehen, ist offen. Start-up-Ökosysteme brauchen Zeit, Kapital und einen kontinuierlichen Strom an Gründungsinteressierten. Die Philipps-Universität liefert Absolventen, der Campus liefert Fläche. Die offene Variable bleibt die Finanzierung.

Fazit

Für Einkaufs- und Personalverantwortliche in der Region ist die Lage klar: Der Marburger Pharmamarkt verändert sich strukturell. Zulieferer, die stark von Biontech oder CSL abhängig sind, sollten ihre Kundenbasis prüfen. Mit dem geplanten Innovation Hub entsteht zugleich ein neues Netzwerk an potenziellen Partnern und Abnehmern, das mittelfristig Nachfrage erzeugen kann. Wie sich das entwickelt, ist noch nicht entschieden.